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CD-Besprechung

Rautavaara

Works for Cello and Piano

Ondine ODE 1310-2

1 CD • 68min • 2017

02.03.2018

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 9
Klangqualität:
Klangqualität: 9
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 9

Einojuhani Rautavaara ist einer der ganz wunderbaren Komponisten… nicht nur „des letzten Jahrhunderts“ (zumal er ja erst vor eineinhalb Jahren starb und noch fleißig im 21. Jahrhundert komponierte), sondern überhaupt. Rautavaara war „a giant of beauty“, den Sibelius selber als vielversprechendsten finnischer Komponisten bezeichnet hatte… der allerdings nie in die Falle tappte, sich mit Gewalt eine Sibelius-ähnliche Musiksprache eigen zu machen. Schon eher kann man die Musik des norwegischen Komponisten Harald Sæverud ausmachen; mancher hört Anklänge an Bruckner oder Roy Harris. Allerdings ist Rautavaara inzwischen wohl deutlich besser bekannt als Sæverud und Harris und so muss man nicht erst Vergleiche heranziehen. Rautavaara klingt wie Rautavaara.

Dabei ist es irreführend von Rautavaara zu sprechen als hätte er einen bestimmten Stil gehabt: er hatte viele; insbesondere einen sehr frühen neo-romantisch/neo-Klassizistischen Stil, dann eine immer noch frühe Dodekaphonische Phase und schließlich die romantisch, vielleicht adäquat als „Fauvistische“ zu umschreibende, für die er berühmt geworden ist. In einem Gespräch mit Robert Reilly in „Surprised by Beauty – A Listener’s Guide to the Recovery of Modern Music“ kommentierte er diesen Umschwung so: „Als ich jung war, dachte ich es wäre richtig, meiner Zeit zu folgen. Also war ich ein Modernist; ein Avantgardist. Habe auf Darmstädter Schule gemacht. Als ich dann diese Techniken mehr oder weniger gelernt hatte schwante es mir, dass diejenigen, die der Zeit folgen, hinter ihr zurückbleiben aber ihr keineswegs voraus sind. Der Ausweg für mich war es, Musik zu schreiben die ich auch mochte. Und mein Problem, wenn man so will, war nun mal, dass mir Harmonie unglaublich wichtig war. Die Lösung liegt, scheint mir, im Versuch eine Synthese von Modernismus und mehr oder weniger tonaler Harmonie zu schaffen.“

Die Zwei Präludien und Fugen (1955) kommen aus der sehr frühen, tonalen Phase und beschäftigen sich mit den Komponisten Einar Englund und Bela Bartók sowie deren musikalischen Rufzeichen (E A E G D beziehungsweise B E B A). Die Namen sind hier Programm: Weder Englund noch Bartók waren zu der Zeit die Heroen der meisten aufstrebenden Komponisten. Der Ton ist neoklassisch, in den jeweiligen Präludien für Cello Solo haucht Bach von außen seinen Atem an die kalten kleinen Fensterscheiben, die Einblick in die Kompositionen gewähren.

Die erste Cellosonate (1973/2001) erklingt über weite Strecken in einer verführerischen Schönheit die an Debussy erinnert, ohne wie Debussy zu klingen. Die Zweite Cellosonate (1991 – aber zum Teil noch auf Material von 1975 basierend) kommt genauso aus der Zeit nach der Dodekaphonen Verirrung, bringt aber noch mehr an ausgeprägter Komplexität aus der Zwischenphase mit… die aber eben nicht auf Kosten des Bekenntnisses zur musikalischen Schönheit geht und ist damit ein Paradebeispiel für den erfolgreichen Versuch der obengenannten Synthese.

Song of My Heart (1996/2000) ist eine Transkription der Schlussarie aus Rautavaaras Oper Aleksis Kivi, ein herzergreifendes kurzes Klagelied für den 2000 verstorbenen Komponistenfreund Lepo Sumera. Eine kleine, auf Volksweisen basierende, fetzige, kantige Polka (1977) für zwei Celli und Klavier (in dem Fall sind beide Celli von Tanja Teztlaff gespielt) schließt die Aufnahme rund ab. Die beiden Musiker – besagte Tanja Tetzlaff und die Pianistin Gunilla Süssmann – zeigen sich als eingespieltes Team mit Lust und Freude an der Musik und perfekter Beherrschung ihrer Instrumente.

Den großen Bogen der Sinfonien, die Verführungskunst der Konzerte, oder die betörende Qualität der Streichquartette und des Streichquintettes (!) – dem Rautavaara-Neuling seien erstere dringend ans Herz gelegt – mögen die Kammermusikwerke auf dieser Einspielung nicht haben, aber jeder Rautavaaras Musik schon erlegene Hörer wird hier unbedingt die Fortsetzung dieses ewigen Hörvergnügens finden.

Jens F. Laurson [02.03.2018]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Einojuhani Rautavaara
1Sonate Nr. 1 für Violoncello und Klavier 00:17:55
2Two Preludes and Fugues 00:09:36
4Sonate für Violoncello 00:14:24
8Song of My Heart 00:03:20
9Sonata Nr. 2 für Violoncello und Klavier 00:18:05
12Polska (Variationen über ein Volkslied aus Rantasalmi) 00:04:37

Interpreten der Einspielung

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