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CD-Besprechung

Preludes to Chopin

Sonatas, Barcarolle, Polonaise

Prima Facie PFCD084

1 CD • 75min • 2017

18.12.2018

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 10
Klangqualität:
Klangqualität: 9
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 9

Der schottische Pianist Kenneth Hamilton ist bekannt als Klangforscher, Querdenker und Philosoph, der mit seinen Aufnahmen und Vorträgen den Diskurs rund um ein Werk leidenschaftlich betreibt. Auch seine Herangehensweise an die Klaviermusik von Frédéric Chopin zeugt von der Konsequenz des Schotten, mit der er pianistische Modetrends des heutigen Musikmarktes ebenso ignoriert, wie er Dogmen der historischen Aufführungspraxis hinterfragt, was allerdings keineswegs eine Auseinandersetzung mit Zeitkontexten und deren spezifischen Spielweisen ausschließt. Hamiltons Chopin-Aufnahme zeugt weiter davon, dass aufgeklärter Forschergeist und subjektive Perspektive des Spielenden keine Widersprüche sind, wenn er sich hier bei diversen Préludes, zwei Sonaten und einer Barcarole in die Unmittelbarkeit des Notentextes hinein versenkt.

Chopins Klaviermusik ist über jeden Zweifel erhaben, so dass sich niemand rechtfertigen muss, wenn er sie – trotz bereits zahlloser weiterer Interpretationen – abermals interpretiert. Diesem selbstformulierten Credo gemäß vermittelt Hamiltons Herangehensweise an Chopin gleich eine ganze Palette neuer, verblüffender Erfahrungen. Da markiert die Entschleunigung im c-Moll Prélude gleich zu Beginn, wie sich hier jemand jeder Eitelkeit verweigert. Eigenwillig subtile Linien formt die b-Moll-Sonate. Durchkreuzt werden diese durch forsche, verquere Impulse, die das Verweilen einfordern. Dem sanglichen, eben bewusst unmetallischen Klang, wie es früheren Spielern und vor allem auch den alten Flügeln aus dem 19. Jahrhundert eigen war, wird hier nachgespürt, ohne dass irgend etwas historisierend abgekupfert anmutet. Stattdessen trägt eine dezidiert eingesetzte Aufnahmetechnik dazu bei, die von Hamilton favorisierte Diktion prägnant in den Fokus zu rücken. Die rasanten Parts, etwa das Scherzo aus dieser Sonate, nehmen auf eigenwillige, fast anarchische Weise Fahrt auf. Solches, die Moderne vorwegnehmende Drängen wird durch Inseln der Leidenschaft konterkariert. Dunklen Pinselstrichen gleich, zeichnen die Klangfarben ein düsteres Gemälde. Der Trauermarsch pocht lebendig und organisch und nie mechanisch unter diesen spielerischen Händen, die in jedem Moment durch den eigenen Freigeist gelenkt werden. Hamilton zeigt sich hier einmal mehr nicht als historisierender Archäologe, sondern musiziert lebendig im Heute. Das wird nicht zuletzt durch den latent jazzigen Swing unterstreichen, mit dem sein Spiel die Tonskalen zu Beginn der b-Moll Sonate heraus meißelt. Traumverloren zieht die Barcarole op. 60 ihre imaginäre Bahn. Später kommen Feruccio Busonis pianistische Modernisierungen aus dem Geist des frühen 20. Jahrhunderts ins Spiel. Einmal mehr zeigt sich Hamiltons Potenzial, die Früchte seiner engagierten Forschungen mit flexibler Präzision und berückend farbenreich ins unmittelbar physische zu übertragen. Zum träumerischen Finalstück erwählt Kenneth Hamilton schließlich Chopins/Liszts Mes Joies. In Gestalt einer alten Pianola Rolle bereicherte hier eine besondere Primärquelle die Forschungen von Kenneth Hamilton. Im ausführlichen Booklet-Text beschreibt Hamilton sehr detailreich die eigene Herangehensweise.

Stefan Pieper [18.12.2018]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Frédéric Chopin
1Prélude cis-Moll op. 45 00:03:50
2Klaviersonate Nr. 2 b-Moll op. 35 00:20:42
6Prélude Fis-Dur op. 28 Nr. 13 00:02:45
7Klaviersonate Nr. 3 h-Moll op. 58 00:23:52
11Prélude A-Dur op. 28 Nr. 7 00:00:46
12Barcarolle Fis-Dur op. 60 00:08:13
13Prélude es-Moll op. 28 Nr. 14 00:00:24
14Polonaise As-Dur op. 53 (Heroische) 00:06:25
15Prélude As-Dur op. 28 Nr. 17 00:02:46
16Mes Joies 00:04:08

Interpreten der Einspielung

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