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CD-Besprechung

Triumvirat

Gambenmusik der Ära Schenck, Kühnel & Höffler

Querstand VKJK 1815

1 CD • 65min • 2018

15.05.2019

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 10
Klangqualität:
Klangqualität: 10
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 10

Klassik Heute
Empfehlung

Gambenmusik dreier deutscher Komponisten aus der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts hat Juliane Laake für diese CD zusammengestellt: Johann Schenck (1660- ca. 1712) war schon gelegentlich auf Tonträger vertreten, Conrad Höffler (1647-1696) und August Kühnel (1645- ca. 1700) dürften selbst den meisten heutigen Freunden barocker Kammermusik bisher nicht bekannt sein.

August Höfflers Suite ist eine reizvolle Mischung aus virtuoser Musizierfreude und empfindsamer Introspektion. Der Komponist eröffnet mit dieser Suite seine Sammlung Primitiae Chelicae, 12 Suiten für Gambe und Basso continuo, die er 1695 veröffentlichte. Höffler verstarb ein Jahr später und wird kaum vorausgeahnt haben, dass dieser Kompilation der Rang einer Zusammenfassung seines Lebenswerks zuteil werden sollte.

August Kühnel ist mit zwei Kompositionen vertreten: Einer Sonate für zwei Gamben und einer Partita – zwei Werke von so reicher Phantasie und erlesener Qualität, dass es verwunderlich erscheint, dass von diesem Komponisten in der bald siebzigjährigen Geschichte der historisch informierten Musizierpraxis bisher kaum Notiz genommen worden ist.

Johann Schenck ist auf dieser CD mit einem schönen Kaleidoskop seines Schaffens vertreten: Seit 1696 bis zu seinem Tod ungefähr im Jahr 1712 am Düsseldorfer Hof des Pfälzer Kurfürsten Johann Wilhelm (dort Namensgeber des Jan-Wellem-Platzes) tätig, sprüht seine Musik vor Eingebung und außerordentlicher satztechnischer Meisterschaft. Die Ouvertüre 66 aus den Scherzi musicali von 1698 – Johann Wilhelm gewidmet, der selbst Gambe spielte –, die anspruchsvolle Sonata I für zwei Gamben aus der Sammlung Le Nymphe di Rheno von 1702 (offensichtlich zum gemeinsamen Musizieren von Schenck und seinem fürstlichen Brotherrn bestimmt) zeigen das hohe Niveau von Schencks Schaffen und der Musikkultur am damaligen Düsseldorfer Hof. Die meisterhafte Solosonate schließlich ist nur handschriftlich überliefert, das Manuskript befindet sich heute in der Österreichischen Nationalbibliothek in Wien. Wie das Werk dorthin gekommen ist, bleibt rätselhaft, vielleicht als Bewerbungsstück an den hochmusikalischen Wiener Kaiserhof? Das Werk ist bisher nur in Teilen erklungen, drei ihrer fünf Sätze sind hier erstmalig zu hören.

Juliane Laake und ihr Ensemble, hier allen voran die zweite Gambistin Júlia Vető, bringen diese Werke des deutschen Hochbarocks in all ihrem fantastischen Erfindungsreichtum und ihrer emotionalen Vielfalt mit überaus schönem und kultiviertem Klang zu Gehör. Dass alle diese barocken Affekte auch mit tief empfundenen Gefühlen des Individuums zu tun haben, die wohl zum Menschen selbst gehören und sich in jeder musikalischen Epoche in ihrer eigenen Weise Bahn brechen, ist nicht mehr zu leugnen, wenn man diese CD gehört hat. Dabei liegt der Effekt natürlich nicht in übersteigerter Darstellung – gerade die Hintanstellung persönlicher Emotionalität bei höchster Sensitivität für den Gefühlsgehalt der Musik selbst macht diese Interpretationen so eindringlich.

Am Ende der CD – in einer in der Trackliste nicht aufgeführten Zugabe – liefern die Musiker einen besonderen Beweis ihrer Liebe zu der Musik und insbesondere zu Johann Schenck: Eine Ensembleimprovisation über das Adagio seiner Solosonate (Track 14 der CD) holt diese Musik in unsere Gegenwart und bereitet der CD einen besonders schönen und stimmungsvollen Abschluss.

Detmar Huchting [15.05.2019]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Johann Schenck
1Suite IX 00:07:08
August Kühnel
6Sonata II (Sonate ô Partite, 1698) 00:09:26
Johann Schenck
11Sonata 4 solo (Mus. Hs. 16.598, Wien, ca. 1705) 00:10:13
Conrad Höffler
16Suite I (Primitiae Chelicae, 1695) 00:10:01
Johann Schenck
22Sonata I (Le Nymphe di rheno, 1702) 00:13:45
August Kühnel
29Partita XIII (Sonate ô Partite, 1698) 00:09:06

Interpreten der Einspielung

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