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CD • SACD • DVD-Audio • DVD Video

CD+ Bonus-DVD-Besprechung

Classical Gershwin

Katie Mahan

K Classic 30132

1 CD+ Bonus-DVD • 58min • [P] 2019

29.11.2019

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 7
Klangqualität:
Klangqualität: 10
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 8

Es steckt wahre Zuneigung zum Schaffen George Gershwins in dieser Veröffentlichung, die seine beiden ursprünglich für Klavier und Orchester gedachten Rhapsodien und sieben seiner Lieder in Bearbeitungen für Solo-Klavier präsentiert. Nicht nur, dass es sich bei der CD laut der im Beiheft mitgeteilten Diskographie bereits um den zweiten Tonträger handelt, den Katie Mahan ganz Gershwins Musik gewidmet hat; sie hat auch zum größten Teil die dargebotenen Werke selbst arrangiert: Nur zwei der Liedtranskriptionen stammen von Earl Wild. Der CD ist außerdem eine DVD beigelegt, auf der sich ein von der Pianistin produziertes Video der Rhapsody in Blue findet, das sie wechselweise beim Vortrag des Stückes und beim Rundgang durch New York City zeigt, wobei die Szenenwechsel gut mit der Musik abgestimmt sind. In einem ebenfalls auf der DVD enthaltenen Interview berichtet Katie Mahan über die Entstehung von Video und CD, und betont ein weiteres Mal ihre Liebe zu Gershwin, die auch dem von ihr selbst verfassten Begleittext das Gepräge gibt.

Hymnisches Lob ist dort zu lesen: „Seine Musik“, so Mahan, „ist für die Seele der Metropolen Amerikas ebenso ikonisch wie Debussys für Frankreich, Mozarts für Österreich oder Tschaikowskys für Russland [und] verewigt musikalisch künstlerisch das Beste, das Amerika jemals repräsentiert hat.“ Die Begeisterung, die aus diesen Worten spricht, in allen Ehren; sie laden allerdings eher dazu ein, kritisch über die Musik des so Gepriesenen nachzudenken als unwidersprochen hingenommen zu werden. Gewiss hatte Gershwin Ambitionen auf dem Gebiet der Konzertmusik. Beide Rhapsodien zeigen dies deutlich. Gut viertelstündige Stücke auf wenigen Themen aufzubauen, die fortwährend variiert werden, ist das Vorhaben eines Künstlers, der als Komponist ernst genommen werden möchte. Die Frage ist, ob Gershwin sein Vorhaben in einer Weise gelingt, die es gestatten würde, ihn Debussy, Mozart und Tschaikowsky an die Seite zu stellen. Kann man sie tatsächlich bejahen? Hat Gershwin es geschafft, seine Gedanken in Formen zu bringen, die denen der genannten Meister ebenbürtig sind? Ich meine: Nein. Gershwin konnte Melodien erfinden, die im Ohr bleiben, aber er war kein Meister der Durchführung, kein Meister der Variation. Angesichts der Rhapsody in Blue hätte ihm Donald Tovey wahrscheinlich attestiert, seine Themen nicht gut genug zu kennen und deshalb beim Variieren derselben nicht von der ursprünglichen Melodie loszukommen. Die Zweite Rhapsodie ist unzweifelhaft ein reiferes Werk, dessen stellenweise sehr interessante Harmonik Ravel viel verdankt, aber auch sie wirkt klein und formschwach, nimmt man klassische Meisterwerke zum Maßstab. Aber ist das überhaupt für Gershwin der rechte Maßstab? Was ginge verloren, würde man ihn als einen Songwriter aus der New Yorker Schlagerindustrie betrachten, der ernsthaft danach strebte, sich zum klassischen Komponisten weiterzubilden, und an der Vollendung dieses Vorhabens vielleicht nur durch seinen frühen Tod gehindert wurde? Allerdings ist er an der Vollendung gehindert worden. So wirkt Gershwin am überzeugendsten in dem Genre, in welchem er wirklich Meister war, und liegt der Wert dieser CD vielleicht in Katie Mahans glänzendem Beweis, dass sich aus Gershwins Liedern ansprechende kleine Klavierstücke machen lassen.

Die Pianistin möchte „Classical Gershwin“ präsentieren und legt Wert darauf, ihre Bearbeitungen „sorgfältig in einem klassischen Stil – und nicht in einem improvisierten und rhythmischen Jazz-Stil – konzipiert“ zu haben. Die Spontaneität, „die Gershwins Jazzgeist“ innewohnt, wird „im Duktus des klassischen Pianisten“ ausgeführt. Ob Mahan tatsächlich darauf aus ist, beide Sphären so sorgfältig zu trennen? In der Rhapsody in Blue spielt sie mitunter jazztypische triolische Verschleifungen, wenn in der Partitur Achtel vorgeschrieben stehen (6:52 / 8:05). Ihr meist recht harter Anschlag passt ebenfalls zum Jazz-Idiom, und das gern gewählte Rubato widerspricht ihm jedenfalls nicht. Dem Jazz wird also durchaus sein Anteil an Gershwins Stil gelassen. Mahan ist allen technischen Anforderungen voll und ganz gewachsen. Die Aufgaben, die ihr Gershwin stellt – bzw. die sie sich in ihren Arrangements selbst stellt – bewältigt sie mit sicherer Hand und kühler Brillanz.

Norbert Florian Schuck [29.11.2019]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Georges Gershwin
1Rhapsody in Blue 00:16:09
2Embraceable You 00:03:29
3Our love is here to stay 00:03:51
4I got Rhythm 00:02:08
5They Can't Take That Away From Me 00:04:38
6Walking a dog 00:04:24
7Fascinating Rhythm 00:01:44
8S'wonderful 00:03:30
9Second Rhapsody for Piano and Orchestra 00:16:14

Interpreten der Einspielung

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