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CD-Besprechung

Gustav Mahler

Symphonie Nr. IX
Transkription für Orgelduo

Ambiente-Audio ACD-2039

2 CD • 82min • 2019

29.03.2020

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 10
Klangqualität:
Klangqualität: 10
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 10

Klassik Heute
Empfehlung

Die Koinzidenz ist verblüffend: letzte Werke beschäftigen sich nicht selten mit letzten Dingen: Mozarts Requiem ist das vielleicht prominenteste Beispiel, Franz Schmidts gewaltiges Apokalypse-Oratorium das vielleicht eindrucksvollste. Auch die neunte Sinfonie von Gustav Mahler mutet stellenweise wie ein Abschied an, ein letztes Aufbäumen und ein langsames Entschwinden aus der Welt – bis nichts mehr da ist.

So endet das Finale dieser Sinfonie, die Mahler 1909 in Toblach vollendet hat, und die erst 1912 posthum uraufgeführt wurde. „Der erste Satz ist das allerherrlichste, was Mahler geschrieben hat‟ schrieb einst Alban Berg in einem Brief an seine Frau. Und dieses „Allerherrlichste“ gibt es nun in einer Bearbeitung für Orgel, die die Organisten Katrin und Ralf Bibiella an der Woehl-Orgel von St. Katharinen in Oppenheim eingespielt haben. Die Bearbeitung solch sinfonischer Kolosse für Orgel hat in den letzten Jahren eine deutliche Zunahme zu verzeichnen. Nicht nur, dass die Kunstform der Bearbeitung an sich wieder deutlich mehr wertgeschätzt wird, auch der hierfür benötigte sinfonische Orgeltyp und überhaupt das Orgelrepertoire haben eine deutliche Auswertung bzw. Ausweitung erfahren. Insofern verwundert es nicht, ein solch gewaltiges und komplexes Werk wie Mahlers Neunte nun auch auf der Orgel zu hören. Allerdings macht es auch deutlich, dass hier Grenzen liegen. Die Orgelfassung ist deutlich kompakter als das Original, schließlich muss die Partitur zum einen spielbar sein und zum anderen auch auf der Orgel klingen.

Sinfonischer Koloss

Beides ist hier offensichtlich der Fall. Katrin und Ralf Bibiella leuchten die unglaublich komplexe Textur dieser Musik mit größter Raffinesse aus, so dass auch das dichteste Getümmel dieses schier unglaublichen Orchesterwahnsinns immer noch klar strukturiert, nachvollziehbar und gleichwohl mit mystischer Spannung aufgeladen scheint. Das seltsam ungelenke wirkende, jedoch sehr kalkulierte hineinstolpern in die ersten Takte etwa oder die komplexe Verschachtelung scheinbar inkompatibler Rhythmen und Themen, all dies wird hier sorgsam inszeniert und von den Interpreten genauestens und vor allem orgelgemäß nachvollzogen. Das Finale schließlich: ein unendlicher Abgesang, der mit einer traumhaften Streicherkantilene anhebt und am Ende im zartesten Pianissimo verebbt. Hier erreicht die Musik nicht nur dynamische Grenzen, hier kratzt sie auch an metaphysischen Dimensionen, die auf rein musikalischer Ebene höchste und tiefste Töne, im übertragenen Sinne jedoch die ersten und die letzten Dinge sowie höchste Zartheit und größte Intensität beinhaltet. Auch das burleske Rondo gelingt hier rhythmisch knackig und musikalisch fulminant. Nur über eines sollte man sich im Klaren sein: die Orginalfassung ist schon ein ganz anderes Kaliber, der Gewinn einer neuen Version geht durchaus mit einem gewissen Verlust einher. Sofern man sich darauf einlassen kann, muss man konstatieren, dass die Interpreten Werk und Instrument durch und durch beherrschen. Sie entlocken der Woehl-Orgel klangliche Nuancen, die atemberaubend sind und das Maximum an Details rausholen, was man erwarten kann.

Guido Krawinkel [29.03.2020]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Gustav Mahler
1Sinfonie Nr. 9 D-Dur 01:22:14

Interpreten der Einspielung

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