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CD-Besprechung

Johann Adolf Hasse

Enea in Caonia

cpo 555 334-2

2 CD • 1h 44min • 2019

28.10.2020

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 8
Klangqualität:
Klangqualität: 8
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 9

Die herzzerreißende Liebesgeschichte der von Aeneas verlassenen Dido, die von Purcell bis Berlioz zahlreiche Komponisten zu Opern und Kantaten inspiriert hat, ist jedem Musikfreund gegenwärtig, doch sie ist nur eine von vielen Stationen auf den abenteuerlichen Irrfahrten des trojanischen Helden, die sich an Gefährlichkeit mit denen des Odysseus durchaus messen können und teilweise an identische Schauplätze führen. Das alles ist in der Aeneis des Vergil nachzulesen, die freilich nicht annähernd so populär geworden ist wie die großen Epen Homers. Der Aufenthalt des Aeneas in Chaonien, das zu Epirus gehört (heute teilweise in Albanien gelegen), ist in dieser „Odyssee“ sozusagen ein ruhiges Intermezzo, denn der Held trifft hier auf gute alte Bekannte: Andromache, die Witwe Hektors, die jetzt mit dem Priamus-Sohn Helenus vermählt ist, der ihm den weiteren Weg nach Italien mit allen vorausgehenden Irrungen weissagen lässt.

Diese Episode aus dem 3. Buch der Aeneis enthält kaum Handlung, keinerlei Konflikte und außer den gemeinsamen traurigen Rückerinnerungen an das zerstörte Troja keine starken Emotionen, ist also per se kein Opernstoff. Der Librettist Luigi Maria Stampiglio, der Vergil ansonsten genau folgt, hat deshalb eine Figur hinzuerfunden – die Jägerin Ilia, in die sich Nissus, Aeneas’ Begleiter, sterblich verliebt, ohne bei ihr anzukommen, denn sie – eine neue Diana – ist fest entschlossen, sich der Tyrannei der Liebe nicht auszusetzen.

Mehr Divertimento als Oper

Eine Oper ist Johann Adolf Hasses 1727 für Neapel komponierter Enea in Caonia der Gattung nach auch gar nicht, sondern eine so genannte „Serenata“, eine paratheatralische Form mit nur wenigen Stimmen, kaum nennenswerten Aktionen und relativ geringer Spieldauer, die ohne jeden szenischen Aufwand auskam. Die Musik hatte keinen anderen Anspruch als zu gefallen. Und das tut sie im Falle von Hasses Werk, das den Sängern zahlreiche Möglichkeiten gibt, zu brillieren, ohne dass Virtuosität zum Selbstzweck wird. Der damals 28jährige Komponist hatte sich vollkommen in den „dolce stil nuovo“ eingefühlt, der sich durch Eleganz und Einfachheit, melodischen Reichtum und abwechslungsreiche Formverläufe auszeichnet.

Durchweg überzeugende Wiedergabe

Über die erste Aufführung und deren Interpreten ist nichts bekannt, doch gilt als sicher, dass die Partie des Eleno einem profilierten Kastraten anvertraut war, der musikalisch den ergiebigsten Part hat. Seine Arien mit einem mädchenhaft klaren Sopran zu hören wie jetzt in dieser Weltersteinspielung aus Rom, ist dramaturgisch gewöhnungsbedürftig, auch wenn Paola Valentina Molinari mit ihrer klangvollen und technisch gut geführten Stimme ausgezeichnete Arbeit leistet.

Auch die übrige Besetzung überzeugt. In der zweitgrößten Rolle der Ilia ist die erfahrene, immer noch jugendfrisch klingende Carmela Remigio eingesetzt, die ihren großen Durchbruch vor mehr als 20 Jahren als Donna Anna unter Claudio Abbado hatte. Vom Stimmtypus unterscheidet sie sich aber nicht sehr von Frau Molinari. Die Altistin Francesca Ascioti klingt androgyn genug für den hier eher kontemplativen Helden Aeneas, Raffaella Lupinacci gestaltet Andromache mit warmem Mezzo sehr gefühlvoll. Der einzige Mann im Ensemble, Celso Albelo, kann hier in der überwiegend baritonal notierten Partie des Niso seinen andernorts bewährten Tenor nur selten aufblühen lassen. Das aus Anlaß dieser Produktion von Frau Asciati gegründete, auf Originalinstrumenten musizierende Enea Barock Orchestra spielt unter Leitung von Stefano Montanari, einem renommierten Barockgeiger, der sich mittlerweile auch als Dirigent von Opern Mozarts und Rossinis einen guten Namen gemacht hat, kompetent auf und erscheint als ein gewachsenes Ensemble.

Ekkehard Pluta [28.10.2020]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Johann Adolf Hasse
1Enea in Caonia (Oper in zwei Akten) 01:43:30

Interpreten der Einspielung

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