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CD-Besprechung

Piano Trios by Lazzari & Kienzl

cpo 777 761-2

1 CD • 67min • 2012

30.11.2020

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 9
Klangqualität:
Klangqualität: 9
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 9

Das auf Austriaca ausgerichtete Thomas Christian Ensemble präsentiert sich in dieser Aufnahme mit drei überaus hörenswerten Raritäten für Klaviertrio vom Ende des 19. Jahrhunderts.

Zwischen Bozen und Paris

Sylvio (eigentlich: Josef Fortunat Silvester) Lazzari (1857-1944), gebürtig aus Bozen, durfte erst, nachdem er sein Jurastudium an der Universität Innsbruck mit der Promotion abgeschlossen hatte nach Paris, um am Conservatoire bei Ernest Guiraud und César Franck Komposition zu studieren. Später wurde er zum Vorsitzenden der französischen Wagner-Gesellschaft und Chef des Chores der Oper von Monte Carlo. Sein Klaviertrio op. 13 g-moll aus dem Jahre 1886 ist dann auch stark von Franck und dem französischen „Wagnerisme“ beeinflusst. Es gehört – ähnlich wie das Trio Peter Tschaikowskys – zur Gattung der zyklischen Klaviertrios: Das geheimnisvoll schwingende Akkord-Pendel der Adagio-Introduktion des Kopfsatzes wird als Hauptthema im Finale wieder aufgegriffen. In diesem Zusammenhang ist interessant, dass Franck seine im selben Jahr entstandene Violinsonate ebenfalls zyklisch anlegte. Lazzaris Trio zeichnet sich durch die Dramatik des späteren Opernkomponisten, große Steigerungen, harmonische Spannung und eingängige Melodik aus, an deren Duktus Ernest Chausson sich womöglich in der ersten Szene seines später entstandenen Roi Arthus erinnerte. Es gehörte in Frankreich bis zum Ersten Weltkrieg zu den beliebtesten Kammermusikwerken, geriet danach jedoch unverdientermaßen in Vergessenheit. Somit ist es die absolut lohnende Wiederentdeckung eines Trios aus der Perspektive eines Komponisten, dessen Hauptinstrument die Violine und einmal nicht das Klavier war.

Keine Verfolgung „um der Gerechtigkeit willen“

Der Name von Lazzaris Jahrgangsgenossen Wilhelm Kienzl dürfte von den meisten – je nach Lebensalter – mit Wunschkonzert, Rudolf Schock/Fritz Wunderlich/Jonas Kaufmann+Kinderchor assoziiert werden. Dass dieser Komponist auch qualitätvolle Kammermusik zu schreiben wusste, belegt die Ersteinspielung seines f-moll Trios op. 12. Stilistisch erinnert es an die frühen, noch von Mendelssohn und Schumann inspirierten Werke des jungen Richard Strauss. Kienzls ausgeprägtes melodisches Talent zeigt sich neben einer für einen 23-Jährigen souverän beherrschten Satztechnik auch hier. Allerdings sollte man es vor dem Lazzari-Trio hören, weil es ansonsten blass wirken könnte.

Kantable Gestaltung

Interpretatorisch übertrifft diese Neuaufnahme des Lazzari-Trios die Vorgängereinspielung durch das Trio de France bei weitem. Die homogene Mischung der Streicher in Unisono-Passagen und Pizzicati, die wirklich exakt mit den Klavierakkorden koordiniert sind, erfreuen den Kammermusikfeinschmecker. Die kantable Gestaltung von Melodiebögen und die fein abgestimmte Dynamik nebst Phrasierung belegen, dass die Werke wirklich intensiv erarbeitet wurden. Das ist Triospiel auf sehr, sehr hohem Niveau. Sehr hübsch und mit obligatorischem Schmäh gelingt auch die Zugabe, eine von Fritz Kreisler für Klaviertrio eingerichtete Serenade viennoise des Prager Cellisten Wilhelm Jeral.

Die Tontechnik bereitete ein angenehm warmes und dennoch transparentes Klangbild. Das Booklet ist informativ und bietet eine solide Unterstützung beim erstmaligen Hören.

Fazit: Eine gelungene Aufnahme interessanter Werke von hohem Klangreiz, bei der Freunde der Violinsonaten von César Franck und Richard Strauss auf ihre Kosten kommen und mit denen man auf dem Podium Erfolge feiern könnte. Außerdem ein originelles Geschenk für Menschen mit bereits wohlgefüllten CD-Regalen und Fans des fortgeschrittenen Musikquiz.

Thomas Baack [30.11.2020]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Sylvio Lazzari
1Klaviertrio g-Moll op. 13 00:36:02
Wilhelm Kienzl
5Klaviertrio f-Moll op. 13 00:27:30
Wilhelm Jeral
9Sérénade Viennoise op. 18 00:03:17

Interpreten der Einspielung

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