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CD-Besprechung

Mahler • Bruckner

Symphonies (arr. Chamber Ensemble)

MDG 603 2127-2

2 CD • 1h 55min • 2004

19.01.2021

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 9
Klangqualität:
Klangqualität: 9
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 9

Als ein Korrektiv zum herrschenden Schlendrian im philharmonischen Musikbetrieb gründeten Arnold Schönberg und Anton Webern im November 1918 in Wien den „Verein für musikalische Privataufführungen“, dem sich der dritte große Exponent der Neuen Wiener Schule, Alban Berg, bald anschloß. Ziel war die Erziehung des Publikums zum Verständnis der zeitgenössischen Musik (und nicht nur dieser) durch exemplarische Interpretationen. Dem Fehlen eines in den meisten Werken geforderten großen Orchesters trat man dabei kompositorisch produktiv entgegen, indem man Fassungen für Kammerensemble erstellte, die das Wesentliche der Musik zum Ausdruck bringen sollten. Etwa 120 Konzerte konnten in den folgenden drei Jahren stattfinden, bevor die Inflation dem Unternehmen ein Ende setzte.

Verspätete Uraufführung

Die Kammermusik-Fassung von Bruckners siebter Sinfonie entstand im Herbst 1921 kurz vor dem finanziellen Zusammenbruch des Vereins und wurde von den Schönberg-Schülern Hanns Eisler (1. + 3. Satz), Erwin Stein (Adagio) und Karl Rankl (Finale) realisiert. Zu einer Aufführung kam es nicht mehr. Durch Zufall stieß der WDR-Redakteur Hans Winking im Schönberg-Center-Wien im Nachlaß des Komponisten auf die Partitur, die in einem Karton mit der Aufschrift „Verein“ verborgen lag. Die unter seiner Verantwortung im Juli 1999 produzierte Rundfunkaufnahme mit dem Linos Ensemble war also eine verspätete Uraufführung. Sie wurde später beim Label Capriccio auch als CD veröffentlicht. In der jetzt bei MDG publizierten Konkurrenz-Einspielung des Thomas Christian Ensembles, die im Mai 2004 im Haydn-Saal in Schloß Esterházy entstand, war Winking wieder mit von der Partie, diesmal allerdings als aktiver Musiker: Er hatte den Kontrabass-Part inne. Wie in der Capriccio-Edition ist Bruckners Sinfonie auch hier mit der 4. Sinfonie Gustav Mahlers im Arrangement von Erwin Stein kombiniert.

Klarheit und Klangsinnlichkeit

Die radikale Reduktion des spätromantischen Orchesters sieht bei Bruckner so aus, dass die nun solistisch agierenden fünf Streicher im Wesentlichen ihre Originalpartien behalten, das Horn gemeinsam mit dem Klavier die Blechbläser vertritt und die Klarinette in Verbindung mit dem Harmonium die Holzbläser. In Mahlers Vierter kommen auch noch Flöte (als Ersatz für Trompeten-Fanfare!), Oboe und Schlagzeug zum Einsatz. Aus diesen Konstellationen ergibt sich ein Klangbild von struktureller Klarheit, ohne dass wichtige Klangfarben verloren gehen. Der Einsatz von Klavier und Harmonium sorgt aber auch für reizvolle Verfremdungen, die oft grelle Akzente setzen, insbesondere im Scherzo bei Bruckner und im scherzo-artigen 2. Satz bei Mahler, wo mittels der um einen halben Ton höher gestimmten Violine ein grotesker Totentanz inszeniert wird. Dass Bruckner ein Ahnvater der Wiener Moderne gewesen sein könnte und ein direkter Vorläufer von Mahler war, in diesem Arrangement wird es hörbar.

Hinter der vorzüglichen Aufnahme des Linos Ensembles muß das Thomas Christian Ensemble, das aus dem „Wiener Streichquintett“ hervorgegangen ist, in keiner Hinsicht zurückstehen. Bei Bruckner werden durchweg raschere Tempi gewählt, doch auch der geringfügig langsamere Mahler wirkt noch sehr zügig musiziert. Wir erleben auch beim tiefsinnigen Linzer – trotz des schwermütigen Adagios – reine Diesseitsfreude, das sangunische Musikantentemperament kommt ebenso Mahlers einziger heiterer Sinfonie sehr zu gute, die im letzten Satz, auf den alles Vorausgegangene zuläuft, direkt zu den „himmlischen Freuden“ führt. Christiane Oelze findet für dieses Lied aus Des Knaben Wunderhorn einen unaufgesetzt kindlichen Tonfall.

Ekkehard Pluta [19.01.2021]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Anton Bruckner
1Sinfonie Nr. 7 E-Dur 00:59:55
CD/SACD 2
Gustav Mahler
1Sinfonie Nr. 4 G-Dur 00:55:23

Interpreten der Einspielung

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