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CD-Besprechung

Andreas Romberg

Symphonies 1 & 3

cpo 777 052-2

1 CD • 50min • 2018

15.02.2021

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 10
Klangqualität:
Klangqualität: 9
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 9

Dass Komponisten gelegentlich in Familienclans auftreten, weiß man seit den Hasslers, Scarlattis oder Bachs nur zu gut. Zu diesem Cluster an Begabten gehörten auch die Rombergs. Stammvater Balthasar war Soldat und später Tambour. Dessen Söhne Bernhard (Klarinette) und Gerhard (Fagott), die „älteren Brüder Romberg“ sind die Väter die bedeutendsten Vertreter der Familie, Bernhard Heinrich (Cello) und Andreas Jakob (Violine), dessen Orchesterwerke von Kevin Griffith und Phion hier ihr CD-Debüt feiern.

Ein von Haydn geschätzter Orchesterkollege Beethovens

Ab 1790 waren Andreas und Bernhard Romberg Kollegen Beethovens (Viola) in der Bonner Hofkapelle. Bei einem Besuch legte Haydn Streichquartettstimmen auf, die „im Kollegenkreis“ dann musiziert wurden. Den Dank für die anregende Komposition lehnte Haydn ab, da er ein neues Werk Andreas Rombergs auf die Pulte verteilt hatte. Dieser wurde auch später von Rezensenten in einem Atemzug mit Haydn, Mozart und später Beethoven genannt. Interessanterweise findet sich das Andante der hier eingespielten Es-Dur Sinfonie um 1870 in den Orgeltranskriptionen des englischen Orgelvirtuosen und Town-Hall-Organisten Thomas Best unter dem Titel „Arrangements from the scores of the Great Masters“ wieder.

Romantische Bläserbehandlung

Umfangsmäßig orientieren sich die Sinfonien Andreas Rombergs mit ca. 20 Minuten an denjenigen, die Haydn vor dem Zyklus der Pariser Sinfonien schrieb. Dies mag allerdings auch durch das „Time is money“-Denken der Kaufleute in Hamburg, wo sich Romberg mit Unterbrechungen zu einer der zentralen Figuren des Musiklebens zwischen 1793 und 1814 entwickelt hatte, bedingt gewesen sein. Auffallend sind in der 1. Sinfonie die ausgedehnten Soli für Klarinette und Fagott. Wenn da mal nicht gerade Onkel und Papa zu Besuch waren, sollte es wundern. Nachdem Haydn bereits „Henne“ und „Bär“ in Paris vorgeführt hatte, schließt sich Romberg an und porträtiert im Menuett der 3. Sinfonie die Ente, allerdings nicht ohne sie mit einem düsteren Schwanentod-Trio zu konterkarieren. Das Finale demonstriert, wie man mit dem Muster „Quint abwärts-Quart aufwärts-Quint abwärts“ komplexe kontrapunktische Strukturen demonstrieren kann, ohne dabei den Unterhaltungsfaktor zu vernachlässigen. Überhaupt zeichnen sich beide Sinfonien durch eine wohlbedachte Knappheit aus und präsentieren ihre Aussage in konzentriertester Form. Beethoven hätte sicherlich die doppelte Zeit benötigt, um auf den Punkt zu kommen. Ein definitives Prunkstück ist die Ouvertüre zu Die Großmuth des Scipio, ein komprimierter Sonatenhauptsatz mit Stretta-Coda, der mit drei Posaunen und durchweg doppelten Bläsern einen Prunk entfaltet, der bereits auf die Romantik vorausweist.

Historisch informiert und äußerst elegant

Kevin Griffith hält das niederländische Orchester von Gelderland und Overijssel Phion zu historisch informiertem Spiel an. Alle Ausführenden sind mit ungemeiner, überbordender Musizierfreude bei der Sache. Das kann man eigentlich nicht besser machen. Bravi, auch für die delikaten Bläsersoli. Aber warum ist das Ganze nach knapp 50‘ vorbei. Warum wurde beispielsweise nicht die Ouvertüre zu Le Rovine di Palluzzi oder eine weitere Sinfonie in Betracht gezogen? Aufnahmetechnisch wurde gediegen und transparent gearbeitet. Ebenso ist das Beiheft höchst lesenswert.

Fazit: Der Gesamteindruck musste wegen geringer Spieldauer leider abgewertet werden. Darüber hinaus: Interessante, lebendige Musik – durchaus auf dem Niveau des jungen Beethoven – zudem zur Hebung der Laune eminent geeignet. Wer als Musiklehrer schnell das Kompositionsprinzip der Sinfonie erläutern will, wird hier fündig.

Thomas Baack [15.02.2021]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Andreas Romberg
1Die Großmut des Scipio op. 54 (Ouvertüre) 00:05:21
2Sinfonie Nr. 1 Es-Dur op. 6 00:20:35
6Sinfonie Nr. 3 C-Dur op. 33 00:23:30

Interpreten der Einspielung

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