Anzeige

Teilen auf Facebook RSS-Feed Klassik Heute
Klassik Heute - Ihr Klassik-Portal im Internet

CD • SACD • DVD-Audio • DVD Video

CD-Besprechung

Franz Lachner

Symphony No. 6

cpo 555 210-2

1 CD • 62min • 2017

12.07.2021

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 9
Klangqualität:
Klangqualität: 7
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 9

Franz Lachner (1803-1890) gehört zu den klassizistischen Romantikern, die ihren Ehrgeiz darein setzten, die tradierten Formen mit eigenen Ideen zu füllen, ohne sie auflösen zu wollen. Er war sich seines künstlerischen Ranges durchaus bewusst, denn er antwortete auf die Frage, ob er denn Mendelssohnianer oder Schumannianer wäre, „Lassen's Ihnen sagen, ich bin selber aner“. Bajuwarische Schlagfertigkeit, über die auch sein späterer Amtsnachfolger Richard Strauss in hohem Maße verfügte. Wer war dieser Lachner aber, nachdem in jeder besseren Stadt eine Straße benannt wurde?

Multi-Instrumentalist und Mitglied im Schubert-Kreis

Gebürtig aus Rain am Lech in der Nähe von Ingolstadt, vom Vater, der Uhrmacher und Organist war, an Klavier und Orgel unterrichtet, ging er als Multi-Instrumentalist (Geige, Cello, Kontrabass, Horn) nach München und verdiente sich so seinen Theorie- und Orgelunterricht bei Caspar Ett durch Aushilfen am Isartortheater. Als 20-Jähriger wechselte er 1823 auf die Organistenstelle der evangelischen Kirche in Wien. Dort lernte er Beethoven sowie Schubert mitsamt Freundeskreis kennen und vervollständigte seine Ausbildung bei Simon Sechter, dem späteren Kontrapunktlehrer Anton Bruckners, sowie bei Maximilian Stadler, dem Klarinetten-Freund Mozarts. Er wurde Kapellmeister am Kärntnertortheater, wechselte wegen des vom Erfolg des jeweiligen Pächters abhängigen unsicheren Einkommens für kurze Zeit nach Mannheim und ging schließlich 1836 als königlich-bayerischer Hofkapellmeister zurück nach München. Zu seinen Schülern zählen Josef Gabriel Rheinberger und Ludwig Wüllner. Nach 32-jähriger Tätigkeit hatte die Wagnerbegeisterung Ludwigs II., der das Dirigat Hans v. Bülows vorzog, seine Pensionierung zur Folge.

Trouvaillen erster Güte

Anspielen sollte man die CD mit dem hinreißenden, erst 2010 erstmalig gedruckten, außerordentlich virtuosen Fagott-Concertino, dessen drei Sätze nahtlos ineinander übergehen. Es handelt sich bei diesem um 1828 komponierten Werk wohl um die erste Orchesterkomposition Lachners. Der Kopfsatz der 6. Sinfonie setzt weniger auf kontrastierende Themen, sondern auf deren kontrapunktische Verarbeitungsmöglichkeiten. Formell ist interessant, dass die Reprise durch eine umfangreiche Doppelfuge erweitert wird. Dies nimmt ihr den Charakter einer nur leicht veränderten Wiederholung der Exposition. Schubert griff sogar in einigen Sonatensätzen auf den Trick zurück, die Reprise auf der Subdominante zu beginnen und dann schematisch den Rest beim Spiel zu ergänzen. Das Scherzo erreicht in seinem Umfang bereits brucknersche Dimensionen. Insgesamt ist die Sinfonie für das Entstehungsjahr 1837 relativ lang, sodass man sagen kann, dass die historische Linie von Schuberts großer C-Dur Sinfonie über Lachner zu Bruckner und Mahler verläuft.

An das Orchester werden – wie bei einem Multi-Instrumentalisten nicht anders zu erwarten – durchaus virtuose Anforderungen gestellt, was besonders den Streichern des Evergreen Symphony Orchestra aus Taipeh gelegentlich Probleme hinsichtlich Tonschönheit und Intonationssicherheit bereitet. Gernot Schmalfuß schafft es aber trotzdem, beide Werke zu einem kurzweiligen Hörvergnügen zu machen. Ganz großes Lob hingegen für die Fagottistin Chia-Hua Hsu, die den wahrhaft halsbrecherischen Passagen des Concertino nichts schuldig bleiben muss, aber in dessen Andante auch zu singen versteht.

Insgesamt klingt die Aufnahme ein wenig rauh und etwas scharf. Ein gesondertes Lob verdient der außerordentlich informative Booklet-Text von Bert Hagels, der neben vielen Hintergrundinformationen ausführliche Analysen mit sekundengenauen Angaben enthält, die es ermöglichen, das kompositorische Geschehen auch ohne Partitur nachzuvollziehen.

Fazit: Pflichtkauf für Fagottisten, die auf diese Weise ein Werk kennenlernen, dass sich ins ohnehin schmale Repertoire spielen dürfte. Ansonsten für Hörer mit Entdeckerfreude und Neugier auf das Scharnier in der süddeutschen Sinfonik durchaus empfehlenswert.

Thomas Baack [12.07.2021]

Anzeige

Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Franz Paul Lachner
1Sinfonie Nr. 6 D-Dur op. 56 00:44:14
5Concertino Es-Dur für Fagott und Orchester 00:17:19

Interpreten der Einspielung

Vorherige ⬌ nächste Rezension

07.05.2020
»zur Besprechung«

Max Reger, Clarinet Quintet op. 146 • String Sextet op. 118
Max Reger Clarinet Quintet op. 146 • String Sextet op. 118

Das könnte Sie auch interessieren

18.10.2021
»zur Besprechung«

Theodor von Schacht, Symphonies Vol. 2
Theodor von Schacht, Symphonies Vol. 2

28.06.2018
»zur Besprechung«

Franz Lachner, Symphony No. 3 • Festouvertüre / cpo
Franz Lachner, Symphony No. 3 • Festouvertüre / cpo

14.11.2016
»zur Besprechung«

Henry Vieuxtemps, Cello Concertos 1 & 2 / cpo
Henry Vieuxtemps, Cello Concertos 1 & 2 / cpo

Anzeige

Klassik Heute - Ihr Klassik-Portal im Internet

Anzeige