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CD-Besprechung

Böhmische Raritäten

Duo Connessione

Ars Produktion ARS 38 603

1 CD • 73min • 2021

03.02.2022

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 8
Klangqualität:
Klangqualität: 8
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 8

„Das Konservatorium Europas“: Diesen Begriff prägte der berühmte englische Musikschriftsteller Charles Burney, der im späten 18. Jahrhundert Kontinentaleuropa bereiste, für Böhmen, das heute ein Landesteil der Tschechischen Republik ist. Prag, Böhmens Hauptstadt, war ein europäisches Kulturzentrum ersten Ranges und brachte zahlreiche Musiker hervor, die auch außerhalb Böhmens europäische Wirkung entfalteten: So beispielsweise Johann Stamitz, der an der Residenz der pfälzischen Kurfürsten in Mannheim die „Mannheimer Schule“ begründete – dieses Laboratorium eines neuen, frühklassischen musikalischen Stils hatte maßgeblichen Einfluss auf die Herausbildung der „Wiener Klassik“, von der dank Haydn, Mozart und Beethoven entscheidende Wirkungen auf die Musik des 19. Jahrhunderts ausgehen sollten.

Böhmische Raritäten

Auf dieser CD vereinen die Geigerin Carina Kaltenbach-Schonhart und Tomáš Spurný auf dem Fortepiano Werke für Violine und Klavier mit böhmischem Bezug. Die drei Komponisten dieser Aufnahme sind eng mit dem „Konservatorium Europas“ verbunden: Allerdings hat nur Johann Baptist Vanhal (1739-1813) die Musik zu seinem Beruf gemacht – Joseph Wolfram (1789-1839) und Wenzel Heinrich Veit (1806-1864) machten indessen Karriere als Juristen und Beamte im österreichsch-böhmischen Staatsdienst und übten die Musik nicht als Hauptberuf aus; dennoch sind sie durchaus begabte Komponisten, wie ihre Werke auf dieser CD zeigen.

Kammermusik dreier Generationen

Von Vanhal, dem Generationsgenossen Joseph Haydns, und seinem 50 Jahre jüngeren Kollegen Wolfram erklingen jeweils zwei Sonaten; Wenzel Heinrich Veit, 1806 geboren und der jüngste Komponist dieser CD, ist mit einer Romanze in d-Moll vertreten, die den für die Entstehungszeit des Stücks anspruchsvollen Titel „Les Adieux“ trägt. So belegen die Kompositionen dieser CD den Wechsel vom klassischen zum romatischen Stil: Von Vanhals Zeitgenossenschaft mit Haydn und Mozart, und jener Wolframs mit Beethoven und Schubert führt der Weg schließlich zu Veits Romanze und ihrer Verwandtschaft mit der Musiksprache von Felix Mendelssohn Bartoldy.

Vanhals Sonaten und die seines weniger bekannten Kollegen Wolfram sind sauber gearbeitete Stücke in der Tradition der klassischen Sonatenform, angenehme und unterhaltsame Kompositionen. Originell und gefühlvoll präsentiert sich Wenzel Heinrich Veits Romanze in d-Moll, ein bemerkenswert schönes Stück romantischer Violinmusik. Dieses Werk bildet den gefälligen Abschluss dieses ansprechenden Programms böhmischer Violinmusik der klassischen und romantischen Epoche. Die Interpreten werden mit ihrer eleganten Darstellung der Sonaten und der einfühlsamen Interpretation von Veits Romanze ihrer Programmauswahl für diese CD durchaus gerecht.

Tipp zu Schluss

Eine kleine Anregung soll am Ende dieser Besprechung stehen: Auch wenn Frau Caltenbach-Schonhardt laut ihrer Künstlerbiografie im Beiheft sowohl auf moderner Violine wie auf Barockinstrument musiziert, wäre zu raten, dass sie auch in eine Fotografie mit dem alten Instrument investiert – eine Abbildung der Solistin, die eine Violine mit Kinnhalter in Händen hält, ist kein gutes Zeugnis für ihre Ernsthaftigkeit als Interpretin auch auf der historischen Violine.

Detmar Huchting [03.02.2022]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Johann Baptist Vanhal
1Sonate d-Moll op. 43 Nr. 3 für Violine und Klavier 00:13:28
4Sonate Es-Dur für Violine und Klavier 00:15:22
Joseph Wolfram
7Sonate Nr. 1 A-Dur für Violine und Klavier 00:19:35
10Sonate Nr. 2 D-Dur für Violine und Klavier 00:18:31
Wenzel Heinrich Veit
13Romanze d-Moll op. 26 für Violine und Klavier (Les Adieux) 00:05:38

Interpreten der Einspielung

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15.05.2022
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