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CD-Besprechung

Quatuors

pour trois instruments

Calliope CAL2195

1 CD • 65min • 2021

26.05.2022

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 9
Klangqualität:
Klangqualität: 9
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 9

Hermannn Berens wurde 1826 in Hamburg in eine Musikerfamilie geboren, hat in Dresden studiert und ist mit 21 Jahren nach Schweden gezogen, wo er zunächst Musikdirektor bei einem Husarenregiment und schließlich Professor an der königlichen Musikakademie in Stockholm wurde. 1880 ist er in Stockholm gestorben. Er sei „ein fleißiger und gewissenhafter Musiker“ gewesen, schreibt der schwedische Musikkritiker Julius Rabe im Schwedischen biographischen Lexikon, und war ein äußerst produktiver Komponist: 184 Opera zählt man. Seine „Kompositionen haben ein solides theoretisches Fundament, seine Musik zeichnet sich immer durch klare Bewegungen und leicht fließende Melodien aus.“ So schreibt weiter Julius Rabe und merkt dann noch an: „In seinen Ausdrucksmitteln ist nichts Originelles, und selbst an Stimmungswert erhebt er sich kaum über den Alltag.“ Doch da urteilt Rabe wohl zu hart.

Eine eigene Kammermusikform: die Gesellschaftsquartette

Vor allem hat Berens eine eigentümliche Kammermusikform gepflegt, nämlich die „Gesellschaftsquartette“, eine Besetzung von Klavier zu vier Händen, Geige und Cello. Dieser Form widmen sich die vier Musiker dieser CD mit dem schönen Titel „Quatuor pour trois instruments“. Zwei dieser drei Quartette sind auf dieser CD versammelt. Sie sind – da irrt Rabe – durchaus hörenswert. Die Musik klingt leicht brahmsisch, nur viel heiterer, ist immer charmant und melodiös, das liebevoll-ausführliche Booklet (in Französisch und Englisch) schreibt, sie biete „einen faszinierenden Klangreichtum, einen großen Ambitus und eine enorme Vielfalt an prachtvollen Klangfarben“.

Das stimmt auf den Punkt. Die vier Musiker, zwei Männer und zwei Frauen, jede(r) für sich ein exzellenter Solist, spielen mit viel Temperament, viel überredendem Schwung und auch perfekt zusammen, da stimmt jeder gemeinsame Einsatz und jedes „Hände-Weiterreichen“ der Themen. So begeistern sie mit hin- und mitreißender Virtuosität, reizenden Dialogen zwischen dem Klavier und den Streichern, zündender Energie, süßen Cello-Kantilenen und schmissigen Finali: ein großes Hörvergnügen.

Ruhige Serenade und Wirbelsturm

Die Interpreten wollen aber in dieser Kammermusikformation nicht nur Berens präsentieren, sondern beweisen, dass auch andere Komponisten dafür geschrieben haben. Ferdinand Hummel (1855-1928) war nicht nur Musikdirektor am Königlichen Schauspielhaus in Berlin, sondern hat die Musik für vierzehn Filme komponiert: modern, modern! Seine Sérénade im Frühling ist Salonmusik in hoher Vollendung, melodieblühend und geradezu süffig. Den Anfangs-Frühlingsmarsch, den darauffolgenden fröhlichen Reigen, das Lied, das natürlich vom Cello angestimmt und dann von der Geige übernommen wird, und das rasante Finale gestalten die vier Musiker mit geschmeidiger Inbrunst und seriösem Gefühl. Und auch durch den „Wirbelwind an Emotionen“ (so das Booklet) der Ry-Blas-Ouvertüre von Felix Mendelssohn in der Bearbeitung von Carl Burchard stürmen die Vier wirbelig-aufrührend bis zum triumphierenden Finale.

Für den Toningenieur war es gewiss schwierig, den vollen Klang eines mit vier Händen gespielten Klaviers mit den beiden Streichinstrumenten in Balance zu halten: Es ist ihm gelungen, alles ist gut abgemischt und ausbalanciert. Aber der Klang ist manchmal überfallartig direkt, der Hörer scheint direkt neben dem Klavier zu sitzen. Ein bisschen mehr Tonabstand wäre vielleicht besser gewesen. Insgesamt bedienen die Musiker eine kammermusikalische Nische – die aber höchst pittoresk möbliert ist.

Rainer W. Janka [26.05.2022]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Hermann Berens
1Gesellschafts-Quartett Nr. 3 op. 72 00:17:30
Felix Mendelssohn Bartholdy
5Ruy Blas op. 95 (Ouvertüre) 00:08:00
Ferdinand Hummel
6Im Frühling op. 37 (Sérénade) 00:17:33
Hermann Berens
10Gesellschafts-Quartett Nr. 4 op. 80 00:21:25

Interpreten der Einspielung

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