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Besprechung CD

Enescu

Piano Sonatas • Piano Suite No. 2
Daria Parkhomenko

Prospero PROSP0055

1 CD • 70min • 2021

29.10.2022

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 7
Klangqualität:
Klangqualität: 10
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 7

Der musikalisch – als Komponist, Geiger, Pianist und Dirigent – universell begabte Rumäne George Enescu (1881-1955) beherrschte das Klavier ebenso souverän wie die Violine, und selbst Alfred Cortot beneidete ihn für seine Technik im Allgemeinen, aber besonders für sein wohl unglaubliches Vom-Blatt-Spiel. Dies blieb nach seinem Tod lange unter dem Schirm der Öffentlichkeit und fand selbst in den großen Klaviermusikführern kaum Erwähnung. Erst nach Luiza Boracs maßstabsetzenden Aufnahmen der drei großen Klaviersuiten und zwei Sonaten wurde auch bei anderen jungen Interpreten das Interesse an Enescus durchaus bedeutender Klaviermusik geweckt. Die junge Russin rumänischer Abstammung Daria Parkhomenko gewann 2018 den Enescu-Klavierwettbewerb und vervollkommnet zurzeit ihre Ausbildung bei Stepan Simonian in Hamburg.

Sehr russisch anmutendes Klavierspiel

Bei Enescus 2. Suite op. 10, 1901-03 in Paris entstanden, knüpft der Komponist noch relativ unbeschwert an barocke Modelle an; es finden sich jedoch bereits hochdifferenzierte Vortragsangaben und quasi impressionistische Stimmungen. Parkhomenko verfügt offenkundig über eine veritable Technik, bevorzugt dabei die große Geste. Ihr Klangempfinden ist allerdings sehr von den russischen Klavierschulen geprägt, trifft nicht immer den idiomatischen Tonfall Enescus. Oft klingt die Musik so eher nach Rachmaninow (Bourrée) oder gar Skrjabin. Immerhin erschafft die Pianistin hier noch eine stimmige Atmosphäre. An den Farbreichtum von Josu De Solaun (Enescu-Preisträger 2014) oder Luiza Borac kommt sie jedoch nicht heran, setzt ihren Fokus allzu sehr auf recht äußerliche Virtuosität.

Nachdenkliche erste Sonate

Obwohl die beiden Klaviersonaten Enescus unter derselben Opuszahl veröffentlicht wurden, trennen sie über 10 Jahre. Die mittlere zweite ist hierbei nicht etwa verschollen, sondern Enescu sagte darüber, dass er sie zwar im Kopf gehabt, nur nie aufgeschrieben hätte. Op. 24, Nr. 1 (1924) ist in den Ecksätzen nachdenklich und düster, formal sehr eigenständig. Den dunklen, melancholischen Grundton nimmt man Parkhomenko durchaus ab, ihre Dynamik ist sensibler als in der Suite. Das Presto vivace gelingt ihr technisch überragend, jedoch vermag sie im Finale die traurige Hochspannung (Dor) oder gar die komplexen Zusammenhänge mit Enescus Ödipus-Oper nur ansatzweise erahnen zu lassen.

Bedeutendes Klavierwerk: die dritte Sonate

Neben der 3. Suite mit seiner fabelhaften Glockenmimesis am Schluss ist sicher die 3. Sonate (1933-35) Enescus bedeutendstes Klavierwerk. Die gelöste Heiterkeit der beiden Ecksätze soll wohl bewusst die tragische Erkrankung von Enescus langjähriger Lebensgefährtin überdecken. Leider ertrinkt Parkhomenko im Kopfsatz in der allgegenwärtigen D-Dur-Euphorie geradezu, ohne dass sie die ungemein raffinierte Rhythmik oder die komplizierten Phrasierungen der intelligent ineinandergreifenden Stimmführung genügend zur Geltung brächte, was erneut in virtuosen Leerlauf mündet. Im zweiten Satz mit seiner typischen Doina-Melodik kann sie mit den vielen Trillern wenig anfangen. Die grandiose Ornamentik wirkt oberflächlich, geschweige denn, dass die Pianistin die erneute Sonatenform herausstellen würde. Das Finale schließlich klingt dem Rezensenten wieder viel zu russisch, die Wiederkehr des Hauptthemas aus dem 1. Satz scheint unvorbereitet. Insgesamt wird das dem Anspruch der hervorragenden Musik nicht gerecht. Die tadellose Aufnahmetechnik und die edle Aufmachung des Albums können so leider die nicht wirklich überzeugenden Enescu-Darbietungen kaum aufwerten.

Vergleichsaufnahmen: Luiza Borac (Avie AV2081, 2005 [Sonaten], Avie AV0013, 2003 [Suiten]), Josu De Solaun (Grand Piano GP751X, 2016) – [3. Sonate] Dinu Lipatti (Hänssler Profil 12 CD PH17011, 1943), Can Çakmur (BIS 2630, 2021).

Martin Blaumeiser [29.10.2022]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
George Enescu
1Klaviersonate fis-Moll op. 24 Nr. 1 00:22:58
4Suite Nr. 2 D-Dur op. 10 (Des cloches sonores) 00:24:00
8Klaviersonate D-Dur op. 24 Nr. 3 00:22:37

Interpreten der Einspielung

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