Anzeige

Teilen auf Facebook RSS-Feed Klassik Heute
Klassik Heute - Ihr Klassik-Portal im Internet

CD • SACD • DVD-Audio • DVD Video

Besprechung CD

Beethoven

The Last Piano Sonatas
Tomoko Ogasawara

Genuin GEN 24906

1 CD • 67min • 2024

23.02.2025

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 7
Klangqualität:
Klangqualität: 7
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 7

Geht es um Beethovens späte Klaviersonaten, bekommen Musikliebhaber glänzende Augen. Die Werke haben eine ganz eigene Aura und mystische Expressivität. In Bezug auf Ausdrucksintensität und formale Architektur hebt der ertaubte Komponist sein Spätwerk hier auf ein neues Niveau. Tomoko Ogasawara, Klavier-Dozentin der Musikhochschule Freiburg, hat für das Label Genuin die letzten drei Klaviersonaten op. 109, op. 110 und op. 111 eingespielt. Wer sich dieser Mammutaufgabe stellt, muss mit den Legenden der Plattengeschichte wetteifern. Abgesehen von den spieltechnischen Herausforderungen gilt es, die emotionale Tiefe und ihre transzendentale Dimension der Musik zu erfassen.

Sorgfältig austarierte Klangbalance

Die E-Dur-Sonate op. 109 findet ihren Höhepunkt im Variationen-Finale, das mit „gesangvoll, mit innigster Empfindung“ überschrieben ist. Tomoko Ogasawara errichtet hier eine sorgfältig austarierte Klangbalance, behindert jedoch durch unruhige Agogik den organischen Fluss.

In der As-Dur-Sonate op. 110 verbreitet die Pianistin zunächst eine elegisch-schwärmerische Stimmung. Das Scherzo würde man sich rhythmisch-knackiger wünschen. Im Schlusssatz geraten die Rezitativ-Figuren ausgewogen gesanglich, die übrigens daran erinnern, dass Beethoven gleichzeitig an der Missa solemnis arbeitete. Der strengen, archaischen Fuge fehlt es jedoch an Spannkraft und Expressivität.

Mit Sinn für das lyrische Moment

Op. 111 in c-Moll entfaltet sich in ihren zwei Sätzen geradezu antithetisch: Kampf und Frieden, Extraversion und Innerlichkeit. Tomoko Ogasawaras Stärke ist abermals das lyrische Moment. Die grandiose, radikale Wildheit des Kopfsatzes wirkt hier gezähmt. Die Arietta hingegen erscheint farbenreich, dynamisch fein abgestuft und rhythmisch kontrolliert, mit expressiv aufgeladenen Trillerketten.

Beethovens letzte Klaviersonate hat seit jeher Künstler und Philosophen inspiriert. Der zweite Satz gilt als ein Sinnbild des Abschieds, als tiefsinnige, das Jenseits berührende Sphärenmusik. Jeder Pianist muss sich fragen, wie er mit dem Erbe meisterhafter Interpretationen umgeht. Wie kann man text-treu bleiben und dennoch neue, individuelle Ansätze finden?

Tomoko Ogasawara am Steinway bietet eine solide, einfühlsame, spieltechnisch nicht zu beanstandende Aufnahme. Einen ganz eigenen, unverkennbaren Ton hat sie jedoch noch nicht gefunden.

Antje Rößler [23.02.2025]

Anzeige

Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Ludwig van Beethoven
1Klaviersonate Nr. 30 E-Dur op. 109 00:20:24
4Klaviersonate Nr. 31 As-Dur op. 110 00:19:45
7Klaviersonate Nr. 32 c-Moll op. 111 00:26:38

Interpreten der Einspielung

Das könnte Sie auch interessieren

18.03.2025
»zur Besprechung«

Ludwig van Beethoven, Kavatine • Sonatas op. 109, 110 & 111

22.07.2023
»zur Besprechung«

Georg Kjurdian piano, Beethoven • Bach • Brahms

24.03.2023
»zur Besprechung«

Beethoven, Piano Sonatas op. 109, 110, 111

Anzeige

Klassik Heute - Ihr Klassik-Portal im Internet

Anzeige