Beethoven • Ries • Rode
String Quartets
Schuppanzigh Quartett

cpo 555 489-2
1 CD • 65min • 2021
10.03.2025
Künstlerische Qualität:
Klangqualität:
Gesamteindruck:
Ludwig van Beethoven steht hier im Zentrum einer Auswahl von Streichquartetten, die in der Zeit von 1810 bis 1812 entstanden sind. Dabei gibt sein eigenes f-Moll-Quartett op. 95 den Ton an, ein Werk, das der Komponist selbst als „Quartetto serioso“ bezeichnet hat und das seiner Meinung nach als besonderes Stück nicht für die Öffentlichkeit bestimmt war.
Musik für Kenner
Das Schuppanzigh-Quartett, bestehend aus den Geigern Anton Steck und Katja Grüttner, dem Bratschisten Christian Goosses sowie dem Cellisten Werner Matzke, schlägt denn auch von Beginn an einen herben Ton und ein forsches Tempo an. Das hat freilich zur Folge, dass das wichtige Sechzehntelmotiv im ersten Takt unklar bleibt und dass auch im weiteren Verlauf manche Stellen nur schwer durchhörbar sind. Insgesamt achten die Interpreten genau aufeinander, vom Primarius hätte man sich allerdings eine etwas konsequentere Führung gewünscht. Am überzeugendsten gelingt der vierte Satz, der sich vom Larghetto über das Allegretto agitato bis zum rasanten Allegro steigert.
Eine verwandelte Violinsonate
Beethovens G-Dur-Violinsonate op. 96, entstanden bald nach dem f-Moll-Quartett und wurde von seinem Schüler und Kopisten Ferdinand Ries (1784 1838) in ein Streichquartett verwandelt. Man kann darüber streiten, ob diese Bearbeitung, wie im Booklet-Text behauptet, eine „einfühlsame Analyse des Originals“ darstellt. Denn die Sonate lebt nun einmal wesentlich vom Dialog zweier unterschiedlicher Instrumente, wobei der Komponist auf Virtuosität bewusst verzichtet, auch im Hinblick auf den Geiger Pierre Rode, der zusammen mit dem Widmungsträger Erzherzog Rudolph die Uraufführung bestritt. Das Schuppanzigh-Quartett gestaltet die Ries‘sche Fassung feinsinnig und ausgewogen, doch wäre eine genauere Beachtung der Dynamik, die vom Pianissimo bis zum Forte reicht und immer wieder durch Sforzati verstärkt wird, der größeren Spannung dienlich gewesen.
Musikalisches Leichtgewicht
Der französische Geiger Pierre Rode (1774 – 1830) konnte das Niveau, das er als Komponist mit der Moll-Einleitung zu seinem G-Dur-Quartett op. 18 vorgab, nicht bestätigen. Der Allegro-Kopfsatz wirkt ziemlich kurzatmig, auch wenn man das Bemühen verspürt, den vier Streichern dankbare Aufgaben zu stellen. Der Siciliano-Mittelsatz bietet mit seinen Pizzicato-Einlagen immerhin ein reizvolles Ständchen, doch das Finalrondo kommt über gängige Floskeln kaum hinaus. Die leichtfüßige Wiedergabe versucht aber auch nicht, dem Werk mehr Bedeutung zu verleihen, als es verdient.
Das Booklet gibt in deutscher und englischer Sprache lesenswerte Informationen zu den drei Werken und Notizen zum Wirkungskreis des Schuppanzigh-Quartetts.
Prof. Klaus Trapp [10.03.2025]
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Komponisten und Werke der Einspielung
Tr. | Komponist/Werk | hh:mm:ss |
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CD/SACD 1 | ||
Ludwig van Beethoven | ||
1 | Streichquartett Nr. 11 f-Moll op. 95 (Quartetto serioso) | 00:19:51 |
5 | Sonate Nr. 10 G-Dur op. 96 für Streichquartett | 00:25:37 |
Pierre Rode | ||
9 | Streichquartett G-Dur op. 18 | 00:19:25 |
Interpreten der Einspielung
- Schuppanzigh-Quartett (Streichquartett)