Johan Samuel Schroeter • Mozart
Harp Concertos
Silke Aichhorn
cpo 555 727-2
1 CD • 64min • 2024
29.01.2026
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Gesamteindruck:![]()
Silke Aichhorn – als Harfenistin immer um originales Konzertrepertoire bemüht – hat sich drei Klavierkonzerte des in London erfolgreichen Mozart-Zeitgenossen Johann Samuel Schröter für ihr Instrument zurechtgelegt und kombiniert diese mit Mozarts Konzertarrangement KV 107 von Solowerken des gleichzeitig mit Schröter in London wirkenden Johann Christian Bach. Den Orchesterpart übernimmt das Südwestdeutsche Kammerorchester unter dem Dirigat von Douglas Bostock.
Von der Lausitz nach London
Der aus einer Musikerfamilie stammende Johann Samuel Schröter (1750 oder 53–1788) erhielt seine musikalische Ausbildung bei Johann Adam Hiller in Leipzig. Nach einer erfolgreichen Tournee durch Europa als Pianist ließ er sich 1772 in London nieder, wo ihn Johann Christian Bach förderte, ihn in den Bach-Abel-Konzerten einsetzte und ihm eine Organistenstelle beschaffte. Er wurde bald ein gesuchter Klavierlehrer und nach dem Tode Bachs 1782 dessen Nachfolger als Music Master der Königin Charlotte. 1775 heiratete er seine Klavierschülerin Rebecca Scott, in die sich der um 20 Jahre ältere Haydn später verlieben sollte, heimlich gegen den Willen von deren Eltern. Diese setzten dann dem Paar eine jährliche Rente von 500 Pfund aus, verlangten aber, dass Schröter seine pianistische Karriere aufgebe. Deshalb spielte er später nur noch bei Hofe und in den höchsten Adelskreisen. Sein bedeutendster Schüler war Johann Baptist Cramer, dessen Etüden heute immer noch in der oberen Mittelstufe der klavieristischen Ausbildung gearbeitet werden.
Hübsche Literatur für Schüler
Blättert man Schroeters 6 Konzerte op. 3 durch, die Mozart aufgrund ihrer natürlich fließenden Melodik derart geschätzt hat, dass er sich zu dreien davon Kadenzen notierte, stellt man fest, dass der Solopart sich auf dem Niveau der mittelschweren Haydn-Sonaten bewegt. Daraus ließe sich schließen, dass er sie eher für seine Schüler als für den Eigenbedarf geschrieben hat. Dies unterstreicht auch die Tatsache, dass für deren Begleitung 2 Violinen und Bass (Cello oder Kontrabass) genügen, was für eine Aufführung im Salon spricht. Da der Orchesterpart in den Klavierpart integriert ist, können sie durchaus auch als Solowerke dargeboten werden. Da die gut lesbaren Stimmen auf IMSLP abrufbar sind, ergibt sich hier eine Anregung für Schulkonzerte oder die praktische Abitur-Prüfung im Leistungskurs Musik.
Interpretation mit Schönheitsfehlern
Es ist im Booklet durchaus amüsant zu lesen, welche Schwierigkeiten Silke Aichhorn mit der Erstellung des Notenmaterials hatte. Diese hätte sie sich sparen können, wenn sie die seit 10 Jahren auf IMSLP greifbaren Stimmen einfach heruntergeladen hätte, anstatt auf die Einrichtung eines Freundes mit zusätzlicher Bratsche zu setzen. Sicherlich ist es nicht illegitim Konzerte fürs Fortepiano auch auf der Harfe zu spielen. Sie verlieren dadurch jedoch an Farbe und Präzision, da heutige Harfen im Gegensatz zu alten Flügeln doch recht monochrom klingen und langsamer einschwingen, was einem Weichzeichner-Effekt gleichkommt. Zudem sind die zahlreich vorgeschriebenen Triller, die ja auch als rhythmischer Akzent wirken können in der geforderten Knackigkeit auf der Harfe kaum möglich. Man kann sie durch Doppelschläge ersetzen, verändert den Charakter dadurch noch stärker ins hübsch Dahinplätschernde. Für ein einzelnes Konzert ein Genuss, für eine ganze Stunde zu spannungslos.
Der Booklet-Text der Interpretin ist amüsant und informativ. Der Klangbalance wären solistische Streicher dienlicher gewesen.
Thomas Baack [29.01.2026]
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Komponisten und Werke der Einspielung
| Tr. | Komponist/Werk | hh:mm:ss |
|---|---|---|
| CD/SACD 1 | ||
| Johann Samuel Schroeter | ||
| 1 | Konzert Es-Dur op. 3 Nr. 6 für Harfe und Orchester | 00:17:55 |
| 4 | Konzert C-Dur op. 3 Nr. 3 für Harfe und Orchester | 00:16:29 |
| Wolfgang Amadeus Mozart | ||
| 7 | Concerto Nr. 1 D-Dur KV 107 für Harfe (Klavier), 2 Violinen und B.c. (nach J.C. Bach) | 00:14:55 |
| Johann Samuel Schroeter | ||
| 10 | Konzert D-Dur op. 3 Nr. 4 für Harfe und Orchester | 00:14:14 |
Interpreten der Einspielung
- Silke Aichhorn (Harfe)
- Südwestdeutsches Kammerorchester Pforzheim (Orchester)
- Douglas Bostock (Dirigent)
