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Besprechung CD

Counterlight

Chorale Visions of Light and Darkness
Angela Metzger

Rondeau ROP6285

1 CD • 65min • 2024

24.01.2026

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 10
Klangqualität:
Klangqualität: 10
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 10

Klassik Heute
Empfehlung

Dunkelheit und Licht gehören untrennbar zusammen. „Wo viel Licht ist, ist starker Schatten“, lässt etwa Goethe seinen Götz von Berlichingen sagen, der zumeist jedoch für ein anderes, deutlich weniger tiefschürfendes Zitat bemüht wird. Damit hatte Goethe, der auch eine ohne Licht wenig sinnstiftende Farbenlehre entworfen hat, zweifellos recht. Auf die Einspielung von Angela Metzger ließe sich das Zitat jedoch nicht anwenden, denn die in beziehungsreicher Weise „Counterlight“ betitelte Scheibe glänzt vor allem durch eines: Licht, Schatten gibt es hier eigentlich nicht. Allenfalls könnte man die nun wirklich extrem üppige Akustik in der Trierer Konstantinbasilika darunter fassen, wo die CD entstanden ist, denn die ist für jede Aufnahme eine echte Herausforderung. Die schiere Größe des Raumes und der daraus resultierende Hall sind einfach enorm. Das wurde in dieser Aufnahme jedoch gut eingefangen, denn der Raum und dessen Akustik gehören zu jeder Orgel einfach dazu. Manche Passagen klingen allerdings etwas indirekter als man es vielleicht gewohnt ist, aber dennoch: im Großen und Ganzen ist der Kompromiss zwischen Akustik und Instrument gut gelungen. Das ist aber nicht das einzige Positive dieser Aufnahme.

Ausgefeilte Programmdramaturgie

Angela Metzger hat ein ebenso sinniges wie spannendes, streng symmetrisch organisiertes Programm zusammengestellt. Gerahmt von Max Regers Dankpsalm und seiner Choralphantasie über Wie schön leucht‘ uns der Morgenstern umfassen Choralvorspiele von Philipp Maintz und zwei Stücke aus den Pièces de Fantaisie von Louis Vierne (Hymne au soleil, Feux follets) Herbert Howells‘ im Zentrum stehendes Psalm Prelude über Und ob ich schon wanderte im finstern Tal. Die Programmdramaturgie – oft vernachlässigt bei Aufnahmen wie auch Konzerten – ist einleuchtend und wird durch Metzgers in jeder Hinsicht brillante Interpretationen noch geadelt. Die Münchner Organistin, die an der Hochschule für Kirchenmusik in Bayreuth Orgel lehrt, hat sich in den letzten Jahren als vor allem der Neuen Musik zugetane Interpretin profiliert, die auch Wert auf ausgefeilte Programme legt. Ihr Ruf eilt ihr diesbezüglich voraus und mit dieser Aufnahme bestätigt sie ihn vollumfänglich.

Subtil ausgetüftelt

Angela Metzger bedient sich der Ressourcen der großen Eule-Orgel in der Trierer Konstantinbasilika überaus planvoll. Bei Reger etwa schöpft sie deren dynamische Bandbreite in allen ihren Extremen aus. Wie sich dann noch der profund grundierende 32‘ am Ende des Dankpsalms sanft aber druckvoll unter das dreifache Forte schiebt – grandios! Die drei tiefsten Register dieser Orgel sind in der Tat etwas für 32‘-Fetischisten, da ist vom zartesten Pianissimo bis zum Tutti für jede organistische Lebenslage etwas dabei. Philipp Maintz‘ Choralvorspiele bestechen durch eine ausgefeilte Klanglichkeit, die von Metzger nicht minder subtil und ausgetüftelt umgesetzt wird. Gerade diese Stücke hört man gerne mehrmals. Für die französische und englische Romantik à la Vierne und Howells hat diese Orgel eine schier unerschöpfliche Palette an Klangfarben, derer sich die Organistin souverän bedient. Zudem strahlen ihre Interpretationen eine große innere Ruhe aus: die Tempi sitzen, das Timing auch und sind der Synthese von Raum, Instrument und Werk angepasst. Hier ist eine Musikerin am Werk, die ihre Virtuosität nicht in der Vordergrund, sondern ganz in den Dienst der Musik stellt. Das Ergebnis überzeugt vom ersten bis zum letzten Takt.

Guido Krawinkel [24.01.2026]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Max Reger
1Dankpsalm op. 145 Nr. 2 00:09:47
Philipp Maintz
2wie schön leucht' uns der morgenstern (choralvorspiel IXI) 00:06:37
Louis Vierne
3Hymne au soleil op. 53 Nr. 3 00:05:53
Herbert Howells
4Und ob ich schon wanderte im finstern Tal (Psalm Prelude Nr. 3 aus Set 1 op. 32) 00:09:06
Louis Vierne
5IV. Feux follets (aus: Deuxième Suite op. 53) 00:04:59
Philipp Maintz
6die nacht ist vorgedrungen (choralvorspiel III) 00:07:57
Max Reger
7Fantasie über den Choral "Wie schön leucht' uns der Morgenstern" op. 40 Nr. 1 00:20:27

Interpreten der Einspielung

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