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ARD-Musikwettbewerb

Schnäppchen-Alarm: 3 komplette Quartettabende für eine Eintrittskarte

Das Finale der Streichquartette im 75. Internationalen Musikwettbewerb der ARD

Folgende Auswahl zu interpretierender Werke stand den drei Finalisten offen: je eines der sechs Streichquartette von Béla Bartók sowie der mittleren und späten Quartette Beethovens für die russischen Fürsten Rasumowsky (Op. 59) oder Galitzin (Opp. 127, 130 und 132) nebst Op. 131 oder eines der drei letzten Quartette Franz Schuberts. Da der Quartettsatz Schuberts bereits Pflichtprogramm im Semifinale war und man nur als Spitzenquartett gelten kann, wenn man auch die „großen Beethovens“ beherrscht, war es von vornherein klar, dass Letzterer das Rennen machen würde. Da alle drei Quartette komplett unterschiedliche Programme spielten, blieb dem Publikum der Worst Case mit dreimal demselben Beethoven und Bartók erspart.

Wettbewerbserfahren

In welch recht kurzer Zeit sich heutzutage wettbewerbsfähige Quartette zusammenfinden können, erstaunt wohl nicht nur den Rezensenten. Das Katarina String Quartet, das sich zur Namenspatronin die Geigenbauerin Katarina Guarneri, Gattin des Giuseppe del Gesù, wählte, gründete sich erst 2022, das Quartet Fugue und das Viatores Quartett erst 2023. Trotzdem gelang es allen drei Ensembles bereits 2024, sich Preise bei internationalen Wettbewerben zu erspielen. Dies macht die Herausforderungen des „späten Beethoven“ desto größer, da selbst über Jahrzehnte gewachsenen Vereinigungen wirklich überzeugende Lösungen für diese eher spröden, eigenbrötlerischen Schöpfungen nur selten gelingen.

Das Beste nur für die Ausdauernden

Das Katarina Quartet (USA, CAN) erwischte einen rabenschwarzen Tag. Warum sich der im Semifinale so berückende Klang in Beethovens B-Dur-Quartett Op. 130 so gar nicht entfalten wollte, kann nur erahnt werden. Womöglich hatte man diese, die Traditionen des Ancien Regime in Form einer Suite ironisierende Satzfolge noch nicht so weit durchdrungen, dass die alten Formen von Ouvertüre, Bourrée, Gavotte, überdrehtem Menuett in der Danza Tedescha deutlich geworden wären, die ihren Gipfel in der völlig überdrehten Großen Fuge hätten finden sollen. Vielleicht klebte man noch zu sehr am hochkomplexen Notentext, der hinsichtlich der Ausführungen von Wiederholungen etwas arg willkürlich behandelt wurde. Auch in Bartòks 1. Quartett waren zunächst nur die Töne korrekt, jedoch fehlten die klingenden Gesten, die die Hörer zu fesseln vermögen. Dies wurde im Verlauf des Stücks zwar besser, aber immer noch nicht exzellent, was der Kollege einer imaginären Sportredaktion wahrscheinlich mit „Wer bis zur Mitte der zweiten Halbzeit schläft, darf sich nicht wundern, kein Tor zu machen“ kommentiert hätte. Deshalb teilt man sich jetzt den 3. Preis mit dem Quartet Fugue.

Das Quartet Fugue (Japan), dessen Primaria Mako Ochiai mir im Semifinale entschieden zu viel Essig im Klang hatte, vermocht in seinem brillanten 5. Bartók-Quartett vom ersten Ton an zu fesseln, mit rundem, warmem, vollem Klang zu betören und durch Verschmelzung zu einem einzigen großen Körper in den Spielgesten die Hörer in seinen Bann zu ziehen. Das Es-Dur-Quartett Op. 127 Beethovens hing jedoch spannungsmäßig an zu vielen Enden durch. Eine solche Spannung erzielt man jedoch mit dieser „schönen Spröden“ wahrscheinlich erst, wenn man in zig Konzerten die nötige instinktive Verinnerlichung der Phrasenhöhepunkte erreicht hat, auf die es zuzuspielen gilt. Aufgrund der Leistungen im Semifinale und Finale geht für mich der geteilte 3. Preis völlig in Ordnung.

Abgeräumt wird am Schluss

Auch für das Viatores Quartet mit Louisa Rose Staples und Johannes Brzoska an den Violinen, Miguel Erlich an der Bratsche und dem Cellisten Umut Saglam galt das Motto „Bartók vor Beethoven“. Sie waren im 2. Quartett des Ungarn vom ersten Ton an höchst präsent, Ihre Energie war körperlich spürbar und belebte das eigentlich bereits gesättigte Publikum. Ihre Suggestivkraft brachte es binnen Sekunden in eine „auch wenn ich eigentlich nichts mehr hören will, will ich denen unbedingt zuhören“-Stimmung. Diesen Willen durch kluge und elegante Phrasierung und einen hinreißenden Klang fast bis zum Ende von Beethovens cis-Moll-Quartett Op. 131 aufrecht erhalten zu können – im arg geschwätzigen Schluss-Allegro riss mir dann doch der Geduldsfaden – adelt dieses junge Ausnahmeensemble. Damit erwiesen sich die Viatores nicht nur als „Reisende“, worauf ihr Name anspielt – vielleicht weil „Wanderer“ bereits anderweitig doppelt vergeben war? – sondern auch als veritable Straßenräuber, da sie mit dem 1. Preis, dem Publikumspreis und dem Preis für die beste Interpretation der Auftragskomposition Impermanence von Camille Pépin als Beute die Walstatt verlassen.

Thomas Baack (13.09.2026)

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