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CD-Besprechung

Astrée E 8813

2 CD • 1h 50min • 2000

01.04.2001

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 8
Klangqualität:
Klangqualität: 8
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 8

Welches Bühnenwerk Mozarts spielt in Afrika? Das wäre eine Quizfrage, an der wohl die allermeisten Kandidaten scheitern würden. Denn Il sogno di Scipione zählt zu den unbekanntesten Mozart-Werken überhaupt, blieb für mehr als zweihundert Jahre höchstens der Musikforschung bekannt und erlebte seine Uraufführung erst im Jahr 1979 (!) bei der Salzburger Mozartwoche. Die azione teatrale des sechzehnjährigen Mozart wurde zur Jubelfeier des Salzburger Erzbischofs (1771) komponiert. Der hochwürdige Herr starb aber noch vor dem Fest, daher mußte die Aufführung unterbleiben. Jedenfalls ist unseren Vorfahren, denen das Werk unbekannt blieb, einiges entgangen, denn aus jedem Takt der Partitur tönt vitale, feurige, kraftvolle Musik. Man könnte sogar noch einen Schritt weitergehen und behaupten: selbst wenn von Mozart nichts anderes übrig geblieben wäre als dieses Stück, wäre ihm ein hoher Rang in der Musikgeschichte sicher. Vieles daran ist an die Konvention der opera seria gebunden, es gibt die üblichen langen Rezitative (gelangweilte Hörer können das mit Knopfdruck leicht überspringen) und die weit ausgebreiteten, virtuosen Arien. Doch auch in diesem starren Rahmen bricht die Leuchtkraft des Genies immer wieder siegreich hervor.

Metastasios Vorlage greift auf eine vielfach behandelte Episode zurück, die sich bei Cicero findet: Scipio Aemilianus erlebt in Afrika einen Traum, in dem ihm die Göttinnen des Glücks und der Beständigkeit den Weg weisen. Die Entscheidung des Feldherrn fällt zugunsten der Costanza.

Die von Gottfried von der Goltz geleitete Neuaufnahme (es gibt auch die prominent besetzte Uraufführungsversion unter Leopold Hager) ist sichtlich bemüht, möglichst viel Leben ins feierliche Spiel hineinzubringen, möglichst viele Funken aus dem Werk zu schlagen. Die Sopranpartien enthalten wahre Koloratur-Fontänen, aber auch den übrigen Gesangsrollen wird das Äußerste an Stimmumfang und Geläufigkeit abverlangt: Ein Beweis für die erstaunliche Leistungsfähigkeit der damaligen Salzburger Hofkünstler. Der Tenor Bruce Ford als Scipione ist sicher bei Rossini mehr zu Hause als beim jungen Mozart, erfüllt aber seine Partie mit Bravour und dramatisch gesteigertem Vortrag. Blendend hell und glockenklar in der Koloratur singt Malin Hartelius die gute Fee Costanza, die Sopranistinnen Lisa Larsson und Christine Brandes, die Tenöre Charles Workman und Jeremy Ovenden stehen ihr nur wenig nach, Chor und Orchester erfüllen alle Wünsche.

Clemens Höslinger [01.04.2001]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Wolfgang Amadeus Mozart
1Il sogno di Scipione KV 126

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