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CD-Besprechung

Plus Loin PL 001

1 CD • 55min • 1998

01.07.2001

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 10
Klangqualität:
Klangqualität: 10
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 8

Klaus Huber (Jg. 1924) schrieb seine geistlichen und weltlichen Klagelieder zu den Responsorien von Carlo Gesualdo di Venosa zwischen 1993 und 1997; sie waren gedacht als Ergänzung zu Gesualdos "summum opus", denn in der traditionellen Karwochenliturgie gehen den "Responsoria" immer "Lectiones" voran, die auf den Klageliedern des Propheten Jeremias basieren. Diese "Lectiones" komponierte Huber neu und verwendete neben Jeremias auch heutige Texte von Ernesto Cardenal, dem Iraner Mahmud Doulatabadi sowie eigene Worte. Außerdem übernahm er gleichsam einen historischen Stafettenstab mit der nicht temperierten Chromatik Gesualdos, einer Harmonik, die im späteren temperierten Tonsystem nicht weiterverfolgt wurde, auf die Huber aber im Zusammenhang mit seiner Beschäftigung mit der "mitteltönigen Stimmung" sowie arabischen Dritteltönen wieder stieß.

Hubers Lamentationes sollen zusammen mit einer Auswahl der Responsoria von Gesualdo aufgeführt werden, wie es diese Einspielung auch dokumentiert. Das Ergebnis ist nicht nur eine tief bewegende und ausdrucksmächtige Musik, sondern auch eine faszinierend neuartige harmonische Klangwelt, die "das Unabgegoltene im Vergangenen" (Ernst Bloch) einholt und einlöst, einen harmonischen Bereich entdeckt, der Vergangenes heranholt und gleichzeitig in die Zukunft wendet. Die Verzahnung der einzelnen Sätze Hubers mit den Sätzen von Gesualdo erweist sich insofern als verblüffend, als die Werke sich immer wieder klanglich begegnen und berühren, ohne dabei aber ihre Eigenständigkeit aufzugeben.

Diese hochinteressante Werkkombination profitiert zudem von einer wirklich phänomenalen Interpretation. Les jeunes solistes aus Paris erweisen sich als ein Vokalensemble der absoluten Spitzenklasse, mit strahlend schönen Stimmen, die sich gleichwohl äußerst homogen vereinen, und mit einer fabelhaften Intonationssicherheit gerade in Anbetracht der verwendeten Tonsysteme und Stimmungsverhältnisse. Keine Spur von etwa "experimenteller" Vokaltechnik; alles ist Expression, ist Klangpoesie und auch politische Mahnung, die von der erschreckenden Aktualität der Klagelieder des Jeremias bis zum heutigen Rückblick auf ein Jahrhundert der Katastrophen reicht.

Einziger Schwachpunkt dieser klanglich vorzüglichen Edition ist der deutsche Booklet-Text: er wimmelt von grammatischen und Druckfehlern. Wieso ist es eigentlich in einer Weltstadt wie Paris nicht möglich, einen Menschen mit Deutsch als Muttersprache zu finden, der eine derart schlechte Textvorlage Korrektur liest?

Dr. Hartmut Lück † [01.07.2001]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Klaus Huber
1Lamentationes sacrae et profanae ad responsoria Iesualdi (1993/1997)
Carlo Gesualdo
2Vinea mea electa (Feria sexta I, 3)
3Tenebrae factae sunt (Feria sexta II, 2)
4Calligaverunt oculi mei (Feria sexta III, 3)

Interpreten der Einspielung

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