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CD-Besprechung

Chandos CHAN 3065(16)

16 CD • 16h 50min • 1974-78

01.11.2001

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 10
Klangqualität:
Klangqualität: 6
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 10

Wagner auf englisch - da stellen sich in Kreisen der Fundamentalisten sofort alle Haare auf. Nicht ganz ohne Grund, denn Wagners Ring-Komposition ist ein literarisch-musikalisches Kompendium, in welchem den Sängern nicht nur Töne und Worte, sondern auch ganz spezielle Vokal- und Konsonanten-Verbindungen in den Mund gelegt werden.

Andrew Porter, der renommierte Kritiker und Musikschriftsteller, hat für die seinerzeitigen Aufführungen der Ring-Tetralogie an der English National Opera (Sadler's Wells) eine englische Textfassung hergestellt, die gewiß ihre Qualitäten besitzt, aber doch auch in ihrer Nüchternheit kaum alle Intentionen des Dichter-Komponisten einfangen kann. Abgesehen vom weichen, verschmelzenden Duktus der englischen Sprache gibt es auch Probleme mit der inhaltlichen Substanz. Wenn Loges Preisgesang über Weibes Wonne und Wert mit "woman's beauty and love" übersetzt wird, dann ist damit das Eigentliche und Wesentliche doch nicht ganz getroffen.

Der außerordentlich hohe Rang dieser englischen Ring-Einspielung wird jedoch von solchen im Grunde unumgänglichen Einbußen nicht beeinträchtigt. Schon anläßlich der Erstveröffentlichung bei EMI hat die Einspielung hohe Beachtung gefunden, und mit dem Erscheinen des 16-CD-Pakets von Chandos tritt fast eine Multiplizierung der früheren günstigen Eindrücke ein. Auch wenn das Klangbild etwas matt erscheinen mag und das Orchester der English Opera nicht ganz dem höchsten Standard entspricht - es steckt soviel Liebe und Begeisterung in dieser Wiedergabe, daß alle Einwände hinfällig werden.

Das Hauptverdienst an dieser mitreißenden Darstellung gebührt ohne Frage dem Dirigenten Reginald Goodall (1905-1990), der es verdienen würde, in die Liste der großen Wagner-Dirigenten eingetragen zu werden. Analoges gilt für einige der mitwirkenden Sänger, von denen nur wenige, wie Robert Lloyd (Fasolt), Norman Bailey (Wotan und Wanderer) und Aage Haugland (Hagen) in den Lichtkreis der Internationalität gerückt sind. Wie ungerecht dies ist, beweist allein der Fall Alberto Remedios. Unter allen deutschen Aufnahmen wird man kaum einen Tenor mit einer so herrlich blühenden, jugendlich-schlanken Stimme finden, der die Schwergewichts-Partien wie Siegmund und Siegfried mit der Poesie eines Schubert-Sängers erfüllt. Wer einmal Remedios mit der Erzählung Siegfrieds im dritten Akt der Götterdämmerung vernommen hat, wird andere Interpretationen immer an diesem Beispiel messen. Ebenso wie Remedios ist auch die Sopranistin Rita Hunter, die grandiose Brünnhilde der Aufnahme, hauptsächlich in England, Amerika, Australien bekannt geworden. Eine bedeutende Künstlerin, deren leuchtender, seelenvoller Gesang den höchsten Jubel und alles Leid der Menschheit auszudrücken vermag. Rita Hunter (1933-2000) hatte das Handicap einer ungünstigen Bühnenerscheinung, das hat ihren Rang als einer der bedeutendsten hochdramatischen Sängerinnen ihrer Epoche leider sehr vermindert. Weitere Glanzpunkte: Emile Belcourts Loge und Katherine Pring als Rheingold-Fricka und Waltraute. Norman Bailey als Wotan und Wanderer kann vor allem mit überlegenem Vortrag beeindrucken, bei den meisten sonstigen Mitwirkenden stimmen Gesang und vokale Gestik vollkommen überein.

Das britische Plattenlabel Chandos bemüht sich mit großem Eifer um "Opera in English". Wohl auch mit gutem Erfolg, der jedoch vorwiegend auf die sprachliche Region begrenzt bleibt. Bei uns werden englisch gesungene Toscas oder Cavallerias wohl kaum mit offenen Armen empfangen werden. Beim Goodall-Ring liegen die Dinge anders, der zählt zu den Aufnahmen, die man unbedingt kennen sollte.

Clemens Höslinger [01.11.2001]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Richard Wagner
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