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CD-Besprechung

Ravel - L'Oeuvre pour piano

harmonia mundi HMC 901811.12

2 CD • 2h 18min • 2003

16.10.2003

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 8
Klangqualität:
Klangqualität: 8
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 8

Auf dem Cover-Foto blickt der junge französische Pianist Alexandre Tharaud recht skeptisch, fast schon mißmutig in eine undefinierte Gegend. In Bezug auf seine klaren, uneigennützigen, weil textverbundenen Ravel-Einspielungen wäre zu solch trübem Mienenspiel kein Grund. Die bei harmonia mundi vorgelegten Darbietungen spiegeln das interpretatorische Profil eines kundigen, an musikgeschichtlichen Prozessen und ästhetischen Unverrückbarkeiten interessierten Pianisten, der sich jede exzentrische Mutwilligkeit verbietet (wie etwa Charles Rosen in seiner verwegenen, aber auch reichlich zerzausten Columbia-Aufnahme der Gaspard de la nuit-Trilogie!). Wollte man Tharaud für den Tonträger-Investor im weiten Feld der Ravel-Interpreten einordnen, dann – so meine ich nach meinen Erfahrungen mit diesem kühl-feurigen Metier – in der Nähe der lauteren Subjektivität einer Marcelle Meyer und der nicht weniger gewissenhaften, aber doch etwas strafferen Beweglichkeit des deutschen Ravel-Protagonisten Werner Haas. Tharaud liegt es – wie mir scheint – völlig fern, mit akrobatischen Grenzwerten den Hörer gleichsam zu umgarnen, ihn zu verführen oder gar zu überrumpeln, wie man das von Martha Argerich in Richtung Turbulenz, von Benedetti Michelangeli in Richtung gläserner Statik im Umfeld des „Gaspard“ kennt.

Das bei Ravel übliche Versprechen „Gesamtwerk“ (man denke an die Aufnahmen mit Francois, Casadesus, Perlemuter, Ruth Laredo, Dacosta, Paik, Rogé, Nakajima, Collard, Gieseking oder Thiollier) wird im Fall Tharauds im positiven gebrochen. Die Edition enthält zwei bislang unveröffentlichte Titel, nämlich eine noch im Chabrier-Stil hingeworfene, leichtgeschürzte „Szenen“-Folge unter dem Titel „La Parade“ und ein hübsches Menuett in cis-Moll. Tharaud hat die Handschriften in der Nationalbibliothek gefunden - zusammen mit mit fünf Fugen aus Ravels „frühester Jugend“. Sie sind (leider?) in dieser Edition nicht berücksichtigt.

Auf Grund der geschilderten gestalterischen Eigenheiten ist dieses Doppelalbum erwägenswert, für sensible Ravel-Freunde- und Sammler mit literarischen Vollständigkeitsinteressen jedoch bedeutet dieses Doppelalbum ein absolutes „Muß“.

Vergleichsaufnahme(n): M.Meyer (EMI 2909633), W.Haas (Philips 835313/14 AY); Gaspard de la nuit: Rosen (Columbia 1888)

Peter Cossé † [16.10.2003]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Maurice Ravel
1A la manière de... Chabrier
2Prélude a-Moll
3Valses nobles et sentimentales
4Sonatine fis-Moll
5Pavane pour une infante défunte
6La parade - Suite de ballet (nicht ediert, 1896)
7Menuet en ut dièse (nicht ediert, 1904)
8Miroirs
9Jeux d'eau
10Sérénade grotesque (1893)
11Menuet sur le nom de Haydn
12A la manière de... Borodine
13Menuet antique für Klavier
14Le Tombeau de Couperin (Suite)

Interpreten der Einspielung

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