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CD-Besprechung

Ondine ODE 1017-2

1 CD • 60min • 2003

30.06.2004

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 9
Klangqualität:
Klangqualität: 9
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 9

Magnus Lindberg, 1958 geboren, war an der Musikakademie in Helsinki Schüler von Rautavaara und Heininen, später studierte er in Frankreich bei Gérard Grisey und Vinko Globokar sowie bei Franco Donatoni in Siena und Brian Ferneyhough in Darmstadt. So hat Lindberg unterschiedliche Einflüsse in sein Komponieren aufgenommen.

Kraft, 1985 für das Helsinki Festival komponiert, nannte Lindberg selbst eine „Allianz aus Primitivem und Hyperkomplexem“. Zum Orchester tritt ein Solistenensemble aus Klarinette, Cello, Klavier, Schlaginstrumenten, zusätzlich werden Alltagsgeräusche und Sprachfetzen in die Musik integriert. Gewaltigen Ausbrüchen kontrastieren Momente der Stille, lebhafter bis heftiger Bewegung stehen das Verebben bis zur Bewegungslosigkeit gegenüber. Kraft macht seinem Titel alle Ehre, schon durch den furios-explosiven Beginn. Es erinnert an die experimentierfreudige Neue Musik der 70er und 80er Jahre, auch mit der Hereinnahme von Geräuschen und der Verwendung von Elektronik. Das Werk ist dabei nie epigonal oder eklektizistisch; die Lust am Experiment mit Klängen, Instrumenten und Farben dominiert.

Im 1994 entstandenen Klavierkonzert, an dem er vier Jahre arbeitete, löste sich Lindberg vom gern benutzten perkussiven Gebrauch des Klaviers. Das Instrument findet seinen eigenen, originellen Weg durch die Orchestertextur. Das Werk ist auf weiten Strecken sehr meditativ angelegt, enthält viele suchende Phrasen des Klaviers ohne Antworten des Orchesters. Die Musik scheint oft zu stehen, sich nur minimal zu bewegen, doch das Klavier ist ständig in Aktion. Es ist allerdings kein Konzertieren im traditionellen Sinn.

Kraft wie das Klavierkonzert sind auch Stücke mit Tendenzen zu lustvollem Aktionismus und Kraftmeierei. Vieles klingt herrlich anarchisch, ja dadaistisch, die Lust an der Entfaltung und Entwicklung neuer klanglicher Möglichkeiten ist unverkennbar.

Beeindruckend sind die Direktheit und Unmittelbarkeit der Interpretationen. Das Finnische Radio Symphonie-Orchester meistert beide Partituren perfekt. Wie schön, dass sich der Dirigenten- und Komponistenkollege und Freund Esa-Pekka Salonen so engagiert für diese Musik einsetzt. Lasse Erkkilä (Schlagzeug), Anssi Karttunen (Cello), Kari Kriikku (Klarinette), Magnus Lindberg (Klavier), Juhani Liimatainen (Tonmeister), Riku Niemi (Schlagzeug) und Esa-Pekka Salonen bilden in Lindbergs Kraft ein präzises wie suggestives Solistenensemble.

Peter Heissler [30.06.2004]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Magnus Lindberg
1Piano Concerto (1990/1994)
2Kraft

Interpreten der Einspielung

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