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CD-Besprechung

hänssler CLASSIC 98.489

1 CD • 78min • 2004

11.05.2005

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 5
Klangqualität:
Klangqualität: 8
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 6

Für den Einweihungsgottesdienst der Trinitatiskirche im Hamburgischen St. Georg am 26. Oktober 1747 lieferte Georg Philipp Telemann, seit mehr als einem Vierteljahrhundert Director Musices der Hansestadt, ein festliches Oratorium, das in zwei Teilen vor und nach der Predigt erklang. In festgefügtem lutherischen Selbstverständnis feiert der Text die Heilige Dreifaltigkeit als Mittelpunkt des evangelischen Glaubens; und nicht von ungefähr schleicht sich auch der Lobpreis der wohlhabenden Freien und Hansestadt ein, die sich mit dem dreieinigen Gott im Bunde wußte – so gut, wie die Stadt durch seine Gnade und unter seinem Schutz gedieh. Da war es nicht mehr als recht und billig, das baufällige Kapellchen in dem damals noch vor den Toren gelegenen St. Georg durch einen prachtvollen spätbarocken Bau zu ersetzen. Telemann präsentiert in einem abwechslungsvollen Reigen aus Chorsätzen, Rezitativen und Arien mit seinem Oratorium der Festgemeinde einen frommen Ohrenschmaus, der auch mehr als 250 Jahre nach seiner Entstehung seine Wirkung nicht verfehlt.

Die vorliegende Aufnahme bietet eine frische Version des Werks. Ob nicht gelegentlich verhaltenere Tempi dem Stück etwas mehr Ernst und Sammlung verliehen hätten, bleibe dahingestellt; Telemann gilt nun einmal als der große Unterhaltungsmusiker unter den bedeutenden deutschen Barockkomponisten, und da sind zügige Tempi für die Interpreten offensichtlich die erste Wahl. Ich glaube nicht, daß man im Barock im Tanzschritt durch die Choräle huschte, als wären Innigkeit und Versenkung peinliche Gefühlsregungen; man gab damals überhaupt noch nichts auf individuelle Gefühlsregungen, wußte aber sehr viel von der Wirkungsmacht von Affekten. Und für die Gestaltung dieser Affekte standen den barocken Interpreten sicherlich nicht nur Wasserfarben auf der künstlerischen Skala der Darstellung zur Verfügung.

Das eigentliche Problem bei dieser Einspielung liegt indes nicht in der wenig temperamentvollen Interpretation dieses an Leidenschaftlichkeit reichen Stückes; die Enttäuschung läßt sich durchaus an einer Person festmachen – es ist der Kontratenor Ralf Popken. Sind es stimmliche Defizite, ist es mangelnde Technik, ist es die schlechte Angewohnheit, so zu singen wie immer und damit gestalterischer Routine Tür und Tor zu öffnen? Eine solche Routine kann nur in den künstlerischen Untergang führen, wenn man nicht zu den Größten gehört, die mit Souveränität alle stimmlichen und gestalterischen Klippen dieses heiklen Stimmfachs zu meistern wissen. Popken indes hat hörbar zu kämpfen, und das Resultat ist nicht immer vergnüglich; gelegentlich produzieren die Schwierigkeiten in der Höhe geradezu Quiektöne, die weder angenehm anzuhören sind noch der Musik Telemanns dienen. So ist man direkt dankbar dafür, wenn auf das ausgedehnte Rezitativ Nr. 5 nicht auch noch eine Arie für Alt folgt – die Sopranstimme von Monika Mauch bedeutet hier eine Erlösung von schwer erträglichen Manierismen. Ähnlich lobenswert wie Monika Mauch ist auch der schlanke, angenehm timbrierte Tenor von Andreas Post, während Albrecht Pöhl als Bassist mit gelegentlich zu starkem Vibrato nicht immer erfreut.

Ein zusätzliches Ärgernis dieser Veröffentlichung ist das nachlässig editierte Beiheft: Die Solistenbesetzung muß man dem Aufdruck der CD entnehmen; nirgendwo, weder in der Trackliste noch in der Textbeilage findet sich ein Hinweis, welche Stimmlage die jeweiligen Rezitative und Arien vorträgt. Wenn gleichzeitig der WDR 3 als Koproduzent auftritt und die Rückseite des Booklets mit Werbelogos geschmückt ist wie die Ordensbrust eines Sowjetgenerals, kann man die Einsparung von vier weiteren Beiheftseiten, die einer gründlicheren Information des Publikums gedient hätten, nur als Geiz auffassen, und der kostet die Veröffentlichung einen weiteren Punkt in der Beurteilung.

Detmar Huchting [11.05.2005]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Georg Philipp Telemann
1Heilig, heilig, heilig ist Gott TWV 2:6

Interpreten der Einspielung

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