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CD-Besprechung

Warner Classics 2564 62055-2

1 CD • 68min • 2004

05.09.2005

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 5
Klangqualität:
Klangqualität: 7
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 6

Aus zwei Konzerten am 26. und 28. Oktober 2004 hat man hier einen typischen, sogenannten „nachbearbeiteten Livemitschnitt“ zusammengeschnitten, der nicht dazu angetan ist, mich von den künstlerischen Qualitäten des Dirigenten Sakari Oramo zu überzeugen. Schon im ersten Satz kommen die Tempi ziemlich ins Rutschen (Tr. 1, ab ca. 1´59); durch den stürmischen Mittelteil (Tr. 1, ab 5´06) „hudelt“ sich das Orchester durch, sehr unnatürlich angeführt von der unüblich dominanten Trompete; außerdem rächt sich spätestens hier, daß Oramo auf Mahlers eigene Orchesteraufstellung mit den räumlich getrennten Violinen verzichtet: Der Klang hat überhaupt keine Breite. Wer die Aufnahme der Klavierrolle Mahlers mit diesem Satz kennt und sich daran erinnert, wie Mahler selbst mit den unzureichenden Mitteln des Klaviers durch ein faszinierendes Rubato und klangliche Kontrastwirkung hier eine größtmögliche Doppelbödigkeit zwischen dem Lamentoso-Gesang und den vorantreibenden Marsch-Passagen mit der Fanfare realisierte, ist erschrocken, wie eindimensional und monochrom das Ergebnis von Oramo ausfällt. Sonst folgt die Interpretation ausgetretenen Pfaden. Das Adagietto ist eine über zehn Minuten lange Tod in Venedig-Schmonzette. Auch wenn die Dynamik-Vorschriften Mahlers im leisesten Bereich weitgehend umgesetzt wurden und der Satz insgesamt nicht ganz so fett klingt wie sonst, so handelt es sich jedoch kaum um das schlichte Liebeslied, wie es Mahler vorgeschwebt haben mag (was vor einigen Jahren der Mahler-Spezialist Gilbert Kaplan nachgewiesen hat) und das sogar ein Bruno Walter deutlich zügiger nahm.

Das Finale schließlich wirkt bei Oramo dermaßen überpointiert und spielfreudig, dass es jegliches sinfonische Gewicht zu verlieren scheint – ein lockerer Rausschmeißer, fast wie bei „Papa Haydn“, zwar vom Orchester bestens präsentiert, aber kaum als Bestandteil eines organisierten, dramatischen Ganzen angelegt. Auch wenn Oramo von Haus aus Geiger ist und sicher sehr differenziert mit seinen Streichern arbeiten und das Orchester zu großer Virtuosität anhalten kann, fehlt mir in seinen Interpretationen der Blick für das große Ganze, fehlt es an Atem und an Seele. So oder so ähnlich kann man Mahlers fünfte Sinfonie inzwischen landauf, landab im Konzertsaal hören. Warum das jedoch immer wieder auf Tonträger erscheinen muß, ist mir unklar.

Dr. Benjamin G. Cohrs [05.09.2005]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Gustav Mahler
1Sinfonie Nr. 5 cis-Moll

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