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CD-Besprechung

BIS BIS-CD-904

1 CD • 78min • 1997

01.08.1998

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 6
Klangqualität:
Klangqualität: 10
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 8

Es wird wohl noch einige Zeit dauern, bis dem frühverstorbenen, bei Jarnach und Schönberg ausgebildeten griechischen Komponisten Nikos Skalkottas (1904-1949) gebührende Anerkennung zuteil wird. Nicht in seiner Heimat, sondern in Schweden hat nun der Chefdirigent des Athener Sinfonieorchesters die Erst-einspielung von zwei Hauptwerken Skalkottas' geleitet. Im 1938 entstandenen Violinkonzert verlangt der Geiger-Komponist vom Solisten extreme Fertigkeiten, vom Orchester flexiblen und feinsinnigen Dialog. Die expressive, musikantisch inspirierte Zwölftönigkeit erinnert zuweilen an Alban Berg, freilich ohne dessen Neigung zum wienerischen Idiom. Der Tonsatz ist sehr durchsichtig, farblich äußerst abwechslungsreich unter Bevorzugung dunkler Wirkungen, und von starken motivischen und dynamischen Kontrasten belebt. Die drei Sätze sind durch motivische Verwandtschaft miteinander verknüpft. Wie im 26minütigen Largo sinfonico von 1944 verwendet Skalkottas von Beginn an mehrere Zwölftonreihen gleichzeitig und schafft in deren Wechselspiel reizvolle freitonale Bezüge. Die formale Gliederung ist bei aller Komplexität klassischen Vorbildern entlehnt und durch die Orchestration verdeutlicht. Trotzdem bedarf es intensiver Auseinandersetzung, um die Eigentümlichkeiten zu erfassen, die Tonreihen wiederzuerkennen und ihren verschlungenen Bezügen zu folgen. In seinen zwölftönigen Werken ist Skalkottas ein Lyriker mit starker dramatischer Begabung, und das Largo sinfonico ist womöglich seine eminenteste Komposition in der Schönberg-Nachfolge. Das Violinkonzert ist – wie dasjenige des Norwegers Fartein Valen – all jenen zu empfehlen, die mit Alban Bergs Gattungsbeitrag vertraut und offen für Alternativen sind. In den letzten Jahren wandte Skalkottas sich wieder verstärkt einem neoklassizistischen Tonfall zu, was zu kleineren, leichter verständlichen Formen führte. Die früher entstandenen Griechischen Tänze bewegen sich mit einer natürlichen Flexibilität, die an Bartók erinnert, auf modalem, unverkennbar nationalem Boden – anders als die zwölftönigen Werke teilen sich diese kurzen Stücke unmittelbar mit. Sie könnten viel populärer sein!

Die Aufführungen der zwei Hauptwerke sind technisch ausgezeichnet, wenngleich unüberhörbar ein fremdes Terrain für das Orchester. Der Solist bewältigt den in Fortführung virtuoser Tradition geschriebenen Part vortrefflich und mit sensibler Tongebung. Die Aufnahmetechnik hat dem elaborierten Motivgeflecht ein vorbildlich durchhörbares, recht realistisches Klangbild abgewonnen. Eingehende Informationen liefern die Einführungstexte, vor allem die vom Dirigenten beigesteuerten Werkeinführungen.

Christoph Schlüren [01.08.1998]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Nikos Skalkottas
1Violinkonzert
2Largo sinfonico
336 Griechische Tänze für Orchester

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01.08.2000
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