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CD-Besprechung

Marco Stroppa Miniature estrose – Libro primo

Stradivarius STR 33713

1 CD • 61min • 2002

05.01.2006

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 10
Klangqualität:
Klangqualität: 9
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 7

Die Erforschung, Durchleuchtung und stetige substantielle Weiterentwicklung des Phänomens „Klang“ in all seinen Schattierungen ist ein zentrales Anliegen der jüngeren musikalischen Avantgarde, wobei französische (Grisey, Murail), italienische (Sciarrino) oder deutsche (Lachenmann) Ansätze durchaus verschiedenen Fragestellungen nachgehen und auch zu unterschiedlichen Ergebnissen kommen. Das Klavier wiederum ist eigentlich das Instrument, das sich aufgrund seiner Temperiertheit und aufgrund seiner per Saiten und Tastatur genormten Klanglichkeit extrem solchen Entwicklungen, Aufspaltungen und Metamorphosen von „Klang“ widersetzt. Der 1959 in Verona geborene Marco Stroppa entwickelt in seinem Klavierzyklus „Miniature estrose“ nicht nur wirkungsvolle Methoden, diesen Widerstand des Instruments zu brechen – er versteht es auch, unabhängig vom innovativen Gedanken der Klangerforschung poetisch und musikalisch inspiriert zu überzeugen. Mit einer sehr persönlichen Pedal- und Anschlagstechnik bildet Stroppa einen stets sehr räumlichen Klavierklang heraus, der sich aber auch in einer sehr farblichen und kaskadenhaft perlenden Tonsprache manifestiert, die durchaus in einer Tradition von Debussy, Ravel oder Messiaen steht.

Innerhalb der sieben zwischen 1991 und 2001 entstandenen Werke folgt Stroppas Musik auratisch verschiedenen historischen und mythologischen Spuren: in Tangata Manu und Moai huldigt er der Kultur der Osterinseln mit ihren archaischen Statuen und Gottheiten, in Innige Cavatina (Beethovens Quartett Op.130 entlehnt) und Passacaglia canonica bezieht er innerhalb der europäischen Musiktradition Stellung. Stroppa versteht es, eine Vielzahl geistiger wie auch politischer Impulse im Kontext seiner Musik mitzuvermitteln, wenn er etwa Moai Yasser Arafat und „allen Opfern barbarischer Okkupation“ widmet. Für den Hörer augenfällig ist jedoch vor allem der Einfluß Pierre-Laurent Aimards, dessen außergewöhnliches Klavierspiel in vielfacher Hinsicht die Voraussetzungen dieser Musik geschaffen hat. Der Pianist Florian Hoelscher zeigt sich hier als ein hervorragender Schüler seines Lehrers Aimard, indem er einen in allem Filigran und Klangraffinement hinreißenden Klavierklang zaubert und der Musik eine optimale Verwirklichung ermöglicht. Ärgerlich ist allerdings, daß diese im WDR Köln produzierte CD Marco Stroppas, der als Nachfolger Lachenmanns in Stuttgart Komposition lehrt, keinen Begleittext in deutscher Sprache hat – nicht etwa, weil der Interessierte nicht vielleicht auch italienisch, französisch oder zumindest englisch lesen könnte, sondern weil er lieber intensiv hinhört als die durchaus recht anspruchsvollen Begleittexte zu übersetzen.

Hans-Christian v. Dadelsen [05.01.2006]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Marco Stroppa
1Miniature estrose – Libro primo (1991/2001)

Interpreten der Einspielung

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