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CD-Besprechung

J.S. Bach The Young Virtuoso

Accent ACC 24170

1 CD • 73min • 2005

27.12.2005

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 9
Klangqualität:
Klangqualität: 9
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 9

Als Zehnjähriger übersiedelte Johann Sebastian Bach nach dem Tod seiner Eltern von seiner Geburtsstadt Eisenach zu seinem älteren Bruder nach Ohrdruf. Mit nur 15 Jahren entfloh er der thüringischen Provinz nach Lüneburg, um hier seine Schulbildung zu vollenden. Gleichzeitig machte er sich mit dem norddeutschen Musikleben bekannt; davon zeugen der intensive Kontakt mit dem Lüneburger Organisten Johann Georg Böhm ebenso wie seine häufigen Besuche bei Johann Adam Reincken in Hamburg, einer gewichtigen musikalischen Autorität. Lüneburg war Zweitresidenz der Welfenherzöge von Braunschweig und Lüneburg, und so wird der junge Bach auch Gelegenheit gehabt haben, die vorzügliche Hofkapelle vor Ort in Lüneburg zu hören, ohne dabei auf Schusters Rappen in das von Lüneburg doppelt so weit entfernt liegende Celle mit seinem Schloß zu pilgern.

Ein heißblütiger junger Mann ist er gewesen, der junge Bach – das beweisen seine Auseinandersetzungen mit der Obrigkeit seiner ersten Anstellungen in Arnstadt und Mühlhausen ebenso wie seine Unbeugsamkeit, mit der er 1717, immerhin ein 32-jähriger Familienvater, seine Entlassung aus Weimarer Diensten ertrotze und lieber ins Gefängnis ging statt nachzugeben.

Ein gewisser ungestümer Aufbruchsgeist liegt auch über den frühen Cembalowerken, die der Belgier Ewald Demeyre hier für seine CD mit dem Titel „Der Junge Virtuose“ zusammengestellt hat. Hier streckt ein junges Genie die Flügel und zeigt, was es von der ihm erreichbaren Kultur Europas verstanden hat. Das ist eine ganze Menge – die deutsche Tradition findet sich hier einträchtig neben dem französischen Stil und Arbeiten nach italienischem Gusto. Die Suite in A-Dur BWV 832 und das Concerto G-Dur BWV 973 zeigen indes deutlich, daß es bis zu den großen Suiten und dem „Italienischen Konzert“ noch ein gutes Stück Wegs sein wird. Die Werke deutscher Tradition zeigen gelegentlich Anklänge bis zurück in die Zeit von Johann Jakob Froberger (1616-1667), so das a-Moll-Präludium BWV 922.

Hochvirtuos ist alles auf dieser CD; schon zu Bachs Zeiten brauchte man offensichtlich gar nicht mit großen Erwartungen anzutreten, wenn man es technisch nicht in den Fingern hatte. Da hat sich offensichtlich gar nichts geändert bis heute, wo es sich auch rächt, wenn Bubis den Steinway-Jugendwettbewerb nicht ernst nehmen, weil sie meinen, den Tschaikowsky-Wettbewerb in zehn Jahren sowieso in der Tasche zu haben. Es wirft übrigens auch ein besonders positives Licht auf die Vermittlung der deutschen Tradition, die der junge Bach erfuhr, daß seine Sprachschwierigkeiten im italienischen und französischen Stil diese Stücke qualitativ deutlich von den in deutscher Tradition stehenden Kompositionen absetzen. Wie sein späterer Weg als Komponist von Cembalomusik beweist, hat es Bach nicht geschadet, auch in diesem Bereich zunächst seine eigene Muttersprache zu lernen.

Ewald Demeyre weiß all dies auf einer vorzüglichen Kopie eines anonymen deutschen Cembalos von ca. 1715 aus der Werkstatt von Jürgen Ammer deutlich zu machen und schenkt der Bach-Gemeinde hiermit eine CD, die das hohe Niveau von Johann Sebastian Bachs Anfängen als Komponist ebenso deutlich macht wie sie Hochachtung erzeugt für die Wegstrecke zur souveränen Meisterschaft, die Bach von diesen Startpunkt bis zur abschließenden Kunst der Fuge noch zurückzulegen hatte.

Detmar Huchting [27.12.2005]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Johann Sebastian Bach
1Fantasie und Fuge a-Moll BWV 904
2Suite A-Dur BWV 832
3Fantasie a-Moll BWV 922
4Concerto G-Dur BWV 973 (nach Antonio Vivaldi RV 299)
5Fantasie und Fuge B-Dur BWV 907
6Präludium und Fuge a-Moll BWV 894 für Cembalo
7Toccata e-Moll BWV 914
8Fantasie und Fuge D-Dur BWV 908
9Fantasie g-Moll BWV 917
10Capriccio über die Abreise des geliebten Bruders B-Dur BWV 992

Interpreten der Einspielung

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