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CD-Besprechung

Hindemith Chamber Music with Clarinet

Hungaroton HCD 32325

1 CD • 63min • 2004

27.07.2006

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 9
Klangqualität:
Klangqualität: 7
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 8

Es gibt kaum eine Würdigung des Schaffens von Paul Hindemith (1895-1963), die nicht auf den Widerstreit der Meinungen in Hinsicht auf die Bedeutung seines Wirkens, seine Tonsatzlehre, und seine musikalische Ethik und Ästhetik hinweist. Möglicherweise ruft gerade die verblüffende Vielseitigkeit des Komponisten, der auch versierter Pädagoge, Organisator von Musikfesten und einfallsreicher Spaßmacher sein konnte, ein gewisses Mißtrauen hervor. Hindemiths Anhänger wiederum bewundern gerade diese Züge in Verbindung mit der enormen kreativen Seriosität und Begabung, ja, Universalität als praktizierender Instrumentalist (Militär- und Tanzmusiker, Mitglied einer prominenten Quartettvereinigung), als Professor einer Komponistenklasse, Dirigent, Vortragsredner oder Verfasser von Musikaufsätzen bis hin zu seiner Schlüsselfunktion gemeinsam mit allen Größen der Zeit bei der Wegbereitung der musikalischen Moderne des 20. Jahrhunderts. Die Fülle der Einspielungen im aktuellen Plattenkatalog, ein Kosmos von launigen Kleinformaten, Schul- und Laienmusiken, Sololiedern, Chorwerken und Kammermusiken in allen üblichen und unüblichen Besetzungsformen bis hin zur Oper und zum Oratorium, ist bis heute alles andere als „Schnee von gestern“. Jüngste Entwicklungen der internationalen Musikszene zeigen, daß es keinesfalls mehr die allumfassende Kraft und Macht von Schönbergs Reihentechnik und deren seriellen Folgewirkungen ist, die Hindemith in den Schatten gestellt hat.

Erfreuliches ist nun aus Ungarn zu melden, wo der Klarinettist Csaba Klenyán eine instruktive Auslese von Hindemiths bläserischer Kammermusik zusammengestellt hat. Daß er dafür eine hochrangige, hörbar vitale und begeisterungsfähige Gruppe von Kollegen gefunden hat, ist das überzeugende Qualitätsmerkmal dieses anspruchsvollen, gewiß nicht „einfach“ anzuhörenden Programmes – obwohl Hindemith in der Wahl seiner Themen und klanglichen Mittel immer wieder den Reiz des Hör-Erlebnisses dank rhythmisch prägnanter, oft von spritziger Spiellaune und transparenter Kontrapunktik geprägter Themen und Themenspielereien zu aktivieren weiß.

Daß die Aufnahmetechnik dem blasenden spiritus rector Klenyán als Stimmführer – gemeinsam mit der Pianistin Ildikó Cs. Nagy – akustisch allzu sehr den Vorrang eingeräumt hat, soll als Schwachstelle der Klangbalance dieser Einspielung nicht verschwiegen werden. Immerhin gibt es eine „Welt-Ersteinspielung“ zu hören! Dabei handelt es sich um drei relativ kurze Sätzchen für Klarinette, Trompete, (einer viel zu schwach im Klangbild berücksichtigten) Geige, Kontrabaß und Klavier mit dem ursprünglichen Titel Anekdoten für das Radio, die als typische Medienbeiträge Hindemiths aus der Frühzeit des Rundfunks um 1920 erklingen. Zu seinem Schaffen äußerte sich der Komponist damals in der "Neuen Musikzeitung": "Analysen meiner Werke kann ich nicht geben, weil ich nicht weiß, wie ich mit wenigen Worten ein Musikstück erklären soll. Außerdem glaube ich, daß meine Sachen für die Leute mit Ohren wirklich leicht zu erfassen sind, eine Analyse also überflüssig ist."

Dr. Gerhard Pätzig [27.07.2006]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Paul Hindemith
1Drei Stücke für Klarinette, Trompete, Violine, Kontrabass und Klavier
2Zwei Duette für Violine und Klarinette (1932)
3Variationen für Klarinette und Streicher (1932)
4Sonate für Klarinette und Klavier (1939)
5Septett für Bläser

Interpreten der Einspielung

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