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CD-Besprechung

Love Sublime Brad Mehldau and Renée Fleming

Nonesuch 7559-79952-2

1 CD • 48min • 2006

11.07.2006

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 8
Klangqualität:
Klangqualität: 9
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 8

Jazz-Kennern ist der Name Brad Mehldau schon seit langem ein Begriff. Als Jazzkomponist und Pianist nimmt der 1970 geborene Musiker hohen Rang ein, viele seiner Tonaufnahmen erreichten enorme Erfolge. Brad Mehldau ist jedoch nicht allein auf Jazz fixiert, er befaßt sich ebenso intensiv mit klassischer Musik und Dichtung. Zu seinen Dichter-Favoriten zählt – was für das deutschsprachige Publikum etwas überraschend sein mag – der Lyriker Rainer Maria Rilke. Die Beschäftigung mit der mystischen Gedankenwelt des Stundenbuches hat ihn zu einem Liederzyklus inspiriert: Love poems of God. Daß die Vertonung in englischer Sprache (übersetzt von Joanna Macy) erfolgte, könnte bei Deutsch-Puristen zu Anstoß führen. Das wäre jedoch unfair gegenüber einem Künstler, an dessen integrer Gesinnung kein Zweifel bestehen kann. Bad Mehltaus Rilke-Lieder, die den Hauptteil des Programms darstellen, sind ehrliche, gediegene Arbeiten, von Gläubigkeit und Liebe erfüllt. Drei weiteren Liedkompositionen Mehldaus (The blue estuaries) haben Worte der amerikanischen Dichterin Louise Bogan zur Vorlage. Ein abschließender Song mit dem Titel Love sublime war ursprünglich ohne Worte komponiert, den Text hat nachträglich die Gattin des Künstlers (Fleurine Mehldau) den Noten angepaßt.

Brad Mehldaus Liedlyrik beeindruckt durch ihren Ernst, ihren hohen Respekt vor der Dichtung. Musikalisch bevorzugt der Komponist eine freie, ungebundene Form, die mitunter an den Sprachgesang in Schönbergs Pierrot lunaire erinnert. Anderes wiederum, wie das Rilke-Lied I love you, gentlest of ways läßt mit seiner warmherzigen Melodik an spätes neunzehntes Jahrhundert, etwa an Richard Strauss denken. Das Titellied Love sublime imponiert durch Witz und kecken Schwung. Freilich gibt es in diesem Programm auch mehrere Etappen, die ausgesprochen kahl und schal wirken.

Einen Sonderrang nimmt die Aufnahme vor allem durch ihre Authentizität ein: der Komponist am Klavier, dazu die Sängerin Renée Fleming, deren berühmte „vox angelica“ in die Gesänge gleichsam inkorporiert wurde. Für jeden Komponisten ist eine Interpretin solchen Formats ein wahrer Wunschtraum. Auch wenn die Stimme der Künstlerin heute nicht mehr die Frühlingsfrische der früheren Jahre besitzt, strahlt von ihr doch noch immer eine bezwingende Aura von kühler und vornehmer Ästhetik aus.

Clemens Höslinger [11.07.2006]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Brad Mehldau
1The Book of Hours: Love Poems to God
2The Blue Estuaries
3Love Sublime

Interpreten der Einspielung

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