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CD-Besprechung

OehmsClassics OC 524

1 CD • 65min • 2006

15.05.2007

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 7
Klangqualität:
Klangqualität: 7
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 7

Stanislaw Skrowaczewski ist hier wieder einmal voll auf seiner Höhe. Es sind sehr persönliche, glutvolle Interpretationen, geprägt von lebenslanger Erfahrung. Obwohl der Maestro sich im Beiheft betont von Beethovens Metronomangaben distanziert, bleibt er im Resultat doch in etw bei ihnen. Das Saarbücker Orchester klingt weitaus „historisch informierter“, als man nach Lektüre des Booklets vermuten möchte. Beethovens Tonfiguren kommen belebt und beredt zum Ausdruck, man läßt sich gern mitreißen von der Leidenschaft des Dirigenten Alles in allem sind es gute, in sich stimmige Darbietungen. Doch dann hörte ich noch einmal meine persönlichen Referenzaufnahmen, die Siebte unter Fritz Reiner mit dem Chicago Symphony Orchestra (1955, RCA-Victor/BMG CD 09026-68976-2) und die Achte mit der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen unter Paavo Järvi (2004, RCA/Sony/BMG SACD 82876 84518 2). Dabei fiel auf, wie allzu gut poliert Beethoven unter Skrowaczweski daherkommt, was im Finale der siebten Sinfonie besonders deutlich wird. Fritz Reiner gelingt es, durch geschickte, kaum merkliche Tempoverschiebungen den Eindruck eines Höllenritts mit bis zuletzt ungewissem Ausgang zu vermitteln. Bei Skrowaczewski saust der Satz durch und läßt einen am Ende gelassen, aber auch etwas ratlos zurück; jedes unterschwellige Brodeln fehlt. (Es ist übrigens erstaunlich, mit welch zurückhaltendem Vibrato Reiner seine Streicher 1955 spielen ließ und wie beredt und “unpathetisch” auch damals Beethoven musiziert werden konnte...)

Ähnliches gilt für die achte Sinfonie im Vergleich mit der phänomenalen Järvi-Einspielung, und zwar wiederum besonders für das vieldeutige Finale: Bei Skrowaczewski klingt alles so gelassen und sorglos wie in einer frühen Dvorák-Sinfonie; bei Paavo Järvi reißen einen die Kontraste regelrecht vom Hocker – eine Meisterleistung insbesondere bezüglich der halsbrecherischen Virtuosität, natürlichen Balance und Transparenz der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen. Dem hat das Saarbrückener Orchester, so gut es ist, nichts entgegenzusetzen.

Die Tontechniker haben sich offenbar keine Zügel angelegt, um ihrer eigenen, der natürlichen Raumcharakteristik übergeordneten Idee eines virtuellen, manipulierbaren Klangraums zu frönen. So hört man die zweiten Violinen, die nach herkömmlicher Art links hinter den ersten Violinen sitzen, zwar bei prominent hervortretenden Stellen angemessen gleich stark wie die Ersten, doch offenbar ist die Hervorhebung technisch realisiert worden – schon in der Einleitung zum Kopfsatz der siebten Sinfonie deutlich hörbar (Tr. 1, ab ca. 0’58). Da es nun keine räumliche Trennung von links nach rechts gibt, wirkt dies nicht so, als ob die beiden Gruppen einander geistreich ins Wort fallen, sondern wie ein Durcheinander. Leider werden die Bratschen und Celli, die als Tenor-Instrumente für Fülle und Räumlichkeit des Klanges besonders bedeutsam sind, von den Technikern stiefmütterlicher behandelt. Seltsam auch, wenn man bei Aufblenden der Holzbläser die Flöten trennscharf aus dem linken, die Oboen aber hörbar entfernt im rechten Kanal hört – obwohl in aller Regel diese Instrumente direkt nebeneinander sitzen (z. B. Tr. 1, ca. 3’50, Flöten, dann 3’58 Oboen stark von rechts). Noch kurz zuvor hörte man den Ausklangston von 1. Flöte und 1. Oboe vor dem Beginn des „vivace“ (ein E in Oktaven, Tr. 1, ca 3’33) eher von links, und – gemeinsam... Man vergleiche das einmal mit der Räumlichkeit der Living Stereo-Aufnahme von 1955, wo Violen und Celli darüber hinaus gleich stark ausbalanciert sind wie erste und zweite Geigen. Auch bei leiser Dynamik läßt die Skrowaczewski-Produktion (hinsichtlich des Orchesterspiels wie auch des CD-Klangs) einiges an Differenzierung zu wünschen übrig.

Dr. Benjamin G. Cohrs [15.05.2007]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Ludwig van Beethoven
1Sinfonie Nr. 7 A-Dur op. 92 00:39:27
5Sinfonie Nr. 8 F-Dur op. 93 00:24:51

Interpreten der Einspielung

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