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CD-Besprechung

Michael Praetorius

Advent and Christmas Music

cpo 777 327-2

1 CD • 68min • 2007

18.12.2007

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 5
Klangqualität:
Klangqualität: 8
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 7

Wenn es so etwas wie eine „musicological correctness“ als Gegenstück zur politischen Doktrin geben sollte, dann ist sie hier zum künstlerischen Demonstrationsobjekt erhoben worden. Vollstrecker sind 16 Studierende im Spezialfach „Alte Musik“ der Kunsthochschule Bremen. Diese sechzehn jungen und begabten Leute, ausgewählt und ausgebildet von ihren Professoren im Verbund mit Musikern von internationalem Rang als Gastdozenten, stellen als Bremer Barock Consort mit der vorliegenden Advents- und Weihnachtsmusik das Ergebnis einer fundierten musikhistorischen Projektarbeit vor. Die Gesamtleitung hat der Theorie- und Kontrapunktprofessor Manfred Cordes als Spezialist für die Musik des 16. und frühen 17. Jahrhunderts übernommen. Es ist die erste unter professionellen Bedingungen produzierte CD dieser Gruppe. Sie besteht aus vier Sopranistinnen, dazu je eine Alt, Tenor- und Baßstimme der Gesangsklasse Harry van der Kamp, vier Blockflötenspielerinnen der Klasse Han Tol und ein Gambenquartett der Klasse Hille Perl. Erweitert wurde das Team durch eine professionelle Harfenistin und eine Organistin am Orgelpositiv.

Es handelt sich bei diesem Projekt um einen Querschnitt durch die geistlichen Werkbeiträge des frühbarocken Meisters und Wolfenbütteler Hofkapellmeisters Michael Praetorius (1571-1621). Konzeptionell ist alles gut durchdacht. Daß als akademische „Projektarbeit“ mit Spitzenbetreuung eine optimale Wirkung zu erreichen versucht wurde, hat jedoch seine Tücken. Was die Elitestudenten an theoretischem Vorwissen über durchaus strittige Thesen und Erfahrungen zur historischen Aufführungspraxis mit den modernen Medienansprüchen, Klangvorstellungen, Spielperfektion und Hörgewohnheiten auf einen Nenner bringen müssen und wollen, stößt an so manche Grenzen philologischer Möglichkeiten und wissenschaftlicher Erkenntnisse. Gerade Michael Praetorius ist in dieser Hinsicht ein ideales Streitobjekt, hat er doch als Barocktheoretiker in seinem dreibändigen Syntagma Musicum manche vieldeutigen Aussagen blumenreich be- und umschrieben.

Kurzum, ausgerechnet der zu vermittelnde Weihnachtsjubel, Lobpreis, die biblische Frohbotschaft Vom Himmel hoch oder die Adventsstimmungen als Ausdrucksträger barocker Affekte in den konzertierenden, figurenreichen, choralartigen oder polyphonen Passagen fallen den asketischen, akademisch einseitig befolgten Interpretationsmodellen mit „musicological correctness“ zum Opfer. Das heißt: Starres Non-Vibrato-Singen, mißverstandene Authentizität durch Verzicht auf instrumentale Agogik, Dynamik und lebendig-kreative Spannungsbögen bei kontrapunktischen Melodieführungen stehen im Widerspruch zu jeder kreativen Umsetzung mit dem Ziel eines unmittelbar anrührenden, vitalen Musikgeschehens. In dulci jubilo findet einfach nicht statt oder äußert sich in einer matt wirkenden Spieluhren-Mechanik. Hier gibt es viel zu tun. Künstlerischer Enthusiasmus und barocker Schwung warten vorerst noch auf ihre (auch akademisch vorbelasteten) Herausforderer.

Dr. Gerhard Pätzig [18.12.2007]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Michael Praetorius
1Veni redemptor gentium (Nun komm, der Heiden Heiland) 00:09:41
2In dulci jubilo 00:05:32
3Vom Himmel hoch, da komm ich her 00:04:38
4Puer natus in Bethlehem 00:07:23
5Conditor alme siderum 00:07:25
6Gelobet seist du Jesu Christ 00:09:23
7Resonet in laudibus (Joseph, lieber Joseph mein) 00:10:13
8A solis ortu cardine (Hymnus in festo nativitatis Christi) 00:13:12

Interpreten der Einspielung

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