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CD-Besprechung

Friedrich Kiel Complete Piano Quartets

cpo 777 076-2

1 CD • 78min • 2005

05.02.2008

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 10
Klangqualität:
Klangqualität: 10
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 10

Klassik Heute
Empfehlung

Zu jenen Komponisten, deren Werke nach längerer Vergessenheit erst in jüngster Zeit für das Konzertleben wieder entdeckt wurden, gehört Friedrich Kiel. Er lebte von 1821 bis 1885 und wurde als einer der bedeutendsten Komponisten und Pädagogen seiner Zeit geschätzt. Er unterrichtete in Berlin am Stern’schen Konservatorium, auf Einladung Joseph Joachims an der neugegründeten Musikhochschule und an der Akademie der Künste. Merkwürdigerweise blieben in seinem kompositorischen Œuvre die Oper und die Sinfonie ausgespart. Der Schwerpunkt seines Schaffens lag einerseits bei der Kirchenmusik, die er um großformatige Werke wie die Missa solemnis von 1865 und das Oratorium Christus von 1872 bereicherte, andererseits bei Klavier- und Kammermusik, wo er in den Augen der zeitgenössischen Kritik gleich hinter Johannes Brahms rangierte.

Dass der gut hundertjährige Dornröschenschlaf, aus dem die drei Klavierquartette jetzt erweckt wurden, absolut unverdient war, stellt die vorliegende Aufnahme nachdrücklich unter Beweis: Die 1867/68 entstandenen Werke gehören zu den Zierden ihrer Gattung und überzeugen durch einen eigenständigen Personalstil, der gleichermaßen durch kontrapunktisches Können wie durch formale Meisterschaft gekennzeichnet ist. Die Sicherheit der Kontrastwahl überzeugt ebenso wie die Souveränität des Aufbaus, der effektvolle Klaviersatz und der dankbare Einsatz der Streichinstrumente. Den stärksten Eindruck hinterlässt mit seiner inspirierten Thematik das großräumige a-Moll-Quartett. Die freundlichen Ecksätze des E-Dur-Quartetts schließen ein wunderbares synkopiertes Moll-Intermezzo ein, und das tänzerische G-Dur-Quartett schließt mit einer prächtigen Tarantella. Auch die Interpreten lassen keinen Zweifel daran, dass sie von der Qualität dieser Musik überzeugt sind: Bei aller akribischen Sorgfalt im Detail besitzt ihre Wiedergabe den großen Atem, der jedes der Stücke in seiner Gesamtheit als Meisterwerk in Erscheinung treten lässt. Oliver Triendls ausgefeiltes Klavierspiel ist der Motor des Ganzen, seine rhythmische Prägnanz und sein eminenter Klangsinn machen ihn zum idealen Partner für die Streicher. Diese – Geigerin Ulrike-Anima Mathé, Bratscher Hariolf Schlichtig und Cellistin Xenia Jancovic – präsentieren sich ganz ohne Starallüren, klanglich wunderbar ausbalanciert, ausdrucksvoll in den Solopassagen und homogen in der Phrasierung.

Fazit: Eine herausragende Veröffentlichung, die kammermusikalisches Spiel von seltener Perfektion und Ausstrahlung bietet.

Sixtus König † [05.02.2008]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Friedrich Kiel
1Klavierquartett Nr. 1 a-Moll op. 43 00:32:43
5Klavierquartett Nr. 2 E-Dur op. 44 00:25:19
9Klavierquartett Nr. 3 G-Dur op. 50 00:19:09

Interpreten der Einspielung

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