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CD-Besprechung

Audite 92.546

1 CD • 70min • 2007

04.06.2008

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 7
Klangqualität:
Klangqualität: 8
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 8

Pikant, dass einem im CD-Booklet gleich der passende kritische Ansatz pfannenfertig mitgeliefert wird – nämlich eine Bemerkung des legendären (historischen) Pianisten Artur Schnabel. Dieser meinte, die Klavierwerke Franz Schuberts gehörten zu jenen Ausnahmeschöpfungen, „die besser sind, als man sie spielen kann“. Nun, der dreißigjährige Russe Sergey Koudriakov – wie es sich gehört, Teilnehmer und oft auch Sieger bei diversen Wettbewerben, so des Concours Géza Anda in Zürich – bemüht sich, die Kluft zwischen Wollen und Gelingen möglichst klein zu halten. Natürlich verfügt er mit seiner Ausbildung am Moskauer Konservatorium über das nötige technische Rüstzeug, um die Zeugnisse des Frühromantikers angemessen zu meistern, einen kräftigen, kernigen Anschlag, wo nötig energisches Zupacken; aber auch über die Fähigkeit, einen „singenden“ Ton mit lyrischen Farbvaleurs zu produzieren. Koudriakov sucht, das ist anerkennenswert, nicht den Oberflächenglanz, sondern möchte in tiefere Dimensionen vordringen. Hier liegen die Faszination und zugleich die Problematik seiner Schubert-Interpretation.

Einerseits lässt Koudriakov sich in den langsamen Partien zu extrem abgebremsten Tempi verlocken. Am deutlichsten ist das im zweiten Satz („con moto“) der sogenannten Gasteiner Sonate D-Dur D 850 zu erkennen. Da wird die tönende Zeit nicht immer erfüllt, sondern droht sitllzustehen. Schon Schumann hatte mit sanfter Kritik angemerkt, dieser Teil sei „so überschwenglich, dass er kaum ein Ende finden kann“. Wenn er derart gedehnt wird bei Koudriakov, verfängt er sich in edler Monotonie. Schnabel, um auf ihn zurückzukommen, benötigte für diesen Satz dreieinhalb Minuten weniger und spielte die gesamte Sonate sieben Minuten schneller. Andererseits geht Koudriakov durchaus konsequent vor – indem er nämlich den Bogen von solcher Verhaltenheit zu den drei Klavierstücken D 946 weiterspannt. Und zwar nicht nur mit vorsichtigen Zeitmassen, sondern gerade auch mit einer emotionalen Nabelschnur: die Geste der Trauer, der Einsamkeit, die diese Kreationen aus Schuberts Todesjahr prägt, tritt unüberhörbar hervor. Immerhin, dem permanenten Drang zur Verinnerlichung setzt das letzte der drei Charakterstücke (Allegro C-Dur) mit seinem tänzerischen Elan im slawischen Stil einen dankbaren Kontrast gegenüber. Koudriakov darf hier, wie übrigens bereits im Scherzo der Sonate, mehr als nur einen diskreten Funken von sprudelnder Lebenslust aufleuchten lassen. Ein Akzent, der nicht unwillkommen ist.

Mario Gerteis † [04.06.2008]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Franz Schubert
1Klaviersonate Nr. 17 D-Dur op. 53 D 850 (Gasteiner Sonate) 00:43:43
5Drei Klavierstücke D 946 op. posth. 00:27:01

Interpreten der Einspielung

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