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CD-Besprechung

Sonate, Battaglie & Lamento Chambermusic form the Collection of the Olmütz Bishop Karl von Liechtenstein-Castelcorn

Pan Classics PC 10206

1 CD • 80min • 2008

31.07.2008

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 9
Klangqualität:
Klangqualität: 9
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 9

Es gibt gute Argumente, die diese CD hörenswert machen. Vor allem die engagierte, spürbare Musizierlust, die souveräne Beherrschung der Instrumente und die künstlerische Qualität der Darbietung barocker Kammermusik bestechen. Der jugendliche Elan des Ensembles, das sich vor genau zehn Jahren (1998) zusammengefunden hat, entspricht absolut dem Namen „CordArte“: Saitenspiel-Kunst. Das Ergebnis beweist, daß stilgerechtes und historisch abgesichertes Wissen um Alte Musik durchaus zu einer Synthese von „moderner“ Lebendigkeit, Klangfreude und Beseeltheit fähig ist. So weit, so gut. Nicht ganz so verhält es sich mit dem Informationswert, nahe liegende Fragen zu den Quellen, zu den Komponisten, zum Stil und den Formen der Werkauswahl bleiben unbeantwortet.

Ein Beispiel dafür ist der Neugier erweckende Haupttitel Sonate, Battaglie & Lamento, mehr noch der Untertitel „Kammermusik der Musiksammlung des Olmützer Bischofs Karl von Liechtenstein-Castelcorn“. Weder wird an irgendeiner Stelle ein weiteres Wort zu den Battaglie und zum Lamento gesagt noch etwas über den unglaublich reichen Inhalt der musikgeschichtlich außerordentlich bedeutenden Quelle berichtet. Zu den Werktiteln: Mit Ausnahme einer „Canzona“ des in jedem Lexikon leicht zu ermittelnden Johann Kaspar Kerll (Track 1), einer anonymen „Aria Adagio“ (Track 5) und einer Suite („Balletto“) des weniger bekannten Johann Fischer (Track 7) sind alle weiteren elf Titel als „Sonata“ bezeichnet, ohne eine Erklärung zu dem hier verwendeten Sonatenbegriff zu geben. Die mehr oder weniger ausgedehnte Einsätzigkeit dieser Stücke, zusammengesetzt aus einer Reihung kontrastierender Episoden verrät beim genauen Hinhören immerhin die Nähe zur suitenartigen Vorform der traditionellen „sonata da camera“.

Die Gründe für die Auswahl der zu hörenden 14 Werke bleiben unklar. Die Stücke stellen nur einen winzigen Bruchteil der bisher nur wenig erschlossenen Sammlung der bischöflichen Hofkapelle im mährischen Schloß Kremsier aus den Jahren 1664 bis 1695 mit ihren rund 1400 (!) Kompositionen dar. Prominenter Leiter der Kapelle war u.a. der tschechische Trompetenvirtuosen Pavel Vejvanovski (gestorben 1693), der auf Anregung des Bischofs neben der obligatorischen Kirchen- und Chormusik als damalige Besonderheit aparte Mischbesetzungen mit Bläsern, großbesetzte Orchesterwerke und Kammermusiken komponierte und sammelte. Selbst wenn man die vorliegende, auf nur wenige Mitwirkende beschränkte Programmauswahl mit der Besetzung des CordArte-Ensembles begründet, hätte der auffallend hohe Anteil von „Sonaten“ des Alessandro de Poglietti (gestorben 1683) eine Erläuterung verdient. So präsentiert sich das Ergebnis letztlich als eine delikate Visitenkarte meisterhaft dargebotener „alter“ Kammermusiken zur barocken Freude der Zuhörer.

Dr. Gerhard Pätzig [31.07.2008]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Johann Caspar Kerll
1Canzona a 3 G-Dur 00:06:08
Alessandro Poglietti
2Sonata a 4 g-Moll 00:02:40
3Sonata a 3 C-Dur 00:05:33
4Sonata a 2 D-Dur 00:04:55
Anon.
5Aria Adagio D-Dur 00:03:12
Philipp Jacob Rittler
6Sonata g-Moll 00:02:45
Johann Fischer
7Balletto à 4 00:06:55
Antonio Bertali
8Sonata a 3 d-Moll 00:06:14
Alessandro Poglietti
9Sonata a 2 d-Moll 00:12:31
10Sonata à 4 D-Dur 00:04:58
Johann Heinrich Schmelzer
11Sonata Lamentevole B-Dur 00:04:25
Anon.
12Sonata F-Dur 00:05:11
Antonio Bertali
13Sonata à 2 e-Moll 00:06:48
Johann Caspar Kerll
14Sonata à 3 g-Moll 00:07:13

Interpreten der Einspielung

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