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CD-Besprechung

hänssler CLASSIC 98.527

1 CD • 75min • 2007

30.09.2008

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 9
Klangqualität:
Klangqualität: 8
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 9

Die Physik der „Raumzeit“ mit ihren inzwischen elf Dimensionen ist bekanntlich für die in drei oder vier Dimensionen eingebundenen Wesen schwer verständlich – wobei Musiker die ersten waren, sind und sein werden, die ein wenig über die Enge unserer Gefängnis-Dimensionen hinausschauen könn(t)en. Dass Bach und mit ihm einer seiner vornehmsten Interpreten, Glenn Gould, dazu beigetragen haben, die Gitter transparenter zu machen, ist recht direkt erfahrbar – gerade auch, weil Goulds Klavierton in seiner knappen, geradlinigen und rasch verklingenden Dimensionalität den Hörer optimal schult, die verborgeneren Dimensionen der Musik hinter dem Verklingenden zu ahnen. Nun, vielleicht ist ja das Akkordeon mit seinem samtenen, transparenten und geschmeidigen Ton in der Lage, weniger ahnen zu müssen und mehr direkt erleben zu können – wie es z.B. der Akkordeonist Stefan Hussong in einigen Aufnahmen von Bachs Werken vorbildlich und gleichzeitig „gould-nah“ demonstriert hat. Hier nun macht sich ein ehemaliger Meisterschüler Hussongs an ein Meisterwerk, das auch „Gold“ mit sich führt, an einen Zyklus, wie es ihn in authentischer Akkordeon-Literatur noch nicht gibt. Auch Denis Patkovics Interpretation kann eine Nähe zum Geiste Goulds bescheinigt werden, wobei Patkovic nicht ganz so unerbittlich, nicht ganz so kristallin und kompromisslos wie Gould wirkt. Aber der gleichsam überfliegende, Superzeichen markierende und dabei immer doch höchst diffizile Gestus teilt sich spontan und perfekt mit, etwa in den recht schnellen Variationen 5, 8, 11 oder 17. Aber auch in den lyrischeren und verhalteneren Momenten des Werkes engagiert sich Patkovic im Sinne einer aufgeklärt-modernen Barock-Interpretation: die Auflösung metrischer Starre, ohne dass das rhythmische Gerüst der Musik zu vage wird, die agogische Feinzeichnung des einzelnen melodischen Impulses ohne Brechung des übergeordneten Phrasen-Impetus und die akkordeonspezifische klangliche Tiefenschärfe, exemplarisch zu hören in der äußerst anspruchsvollen Variation 25. Nicht weniger persönlich gelingt der direkte und beherzte Zugriff, wo er musikalisch gefordert ist, z.B. in der Variation 29. In diesem Sinne setzt Patkovic die der Dramaturgie des Zyklus innewohnende Spannung optimal frei.

Lobenswert und auf keinen Fall Bach-schädlich ist auch die Idee, den Zyklus mit 14 Stücken zu konfrontieren, die der finnische Komponist Jukka Tiensuu für Patkovic und spezifisch für die Aufführungen der Goldberg-Variationen komponiert hat und die hier zwischen je zwei oder drei Bach-Variationen eingestreut werden. Das ergibt eine keineswegs pädagogische, sondern pointierte und aufmunternde Konfrontation der barocken und der modernen Welt. Dass nämlich zeitgenössische und für das Akkordeon komponierte Musik oft – und auch hier – einen hohen Rang hat, hat sich auch beim Barock-Hörer herumgesprochen.

Vergleichsaufnahme: Glenn Gould, Goldberg-Variationen (1955).

Hans-Christian v. Dadelsen [30.09.2008]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Johann Sebastian Bach
1Goldberg-Variationen BWV 988

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