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CD-Besprechung

Georg Philipp Telemann III Trietti metodichi e III Scherzi

cpo 777 301-2

1 CD • 63min • 2006

18.02.2009

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 9
Klangqualität:
Klangqualität: 8
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 9

Georg Philipp Telemann (1681-1767) ist weit mehr als der oft „nur“ als Vielschreiber eingestufte Barockmeister. Der schier unerschöpfliche Strom kleiner, größerer und großer Werke spricht da eine ganz andere Sprache, immer wieder entdeckt man neue und interessante Facetten in seinem Schaffen. Vor allem die gegenwärtigen Erkenntnisse der Musikwissenschaft, der heutige Trend zu Gesamtausgaben und Spezialforschungen zur authentischen Werkinterpretation haben ein weites Feld für historisierende Musikensembles geöffnet. Dazu gehört längst die kleine, international besetzte Kammermusikgruppe der „Parnassi musici“. Im Rahmen einer Koproduktion zwischen Südwestfunk und dem Label cpo hat sie sich nun kreativ und mit lebendiger Frische einem wenig beachteten Werkzyklus zugewendet.

Im Gegensatz zu Telemanns weit verbreiteten Methodischen Sonaten, die für je ein Melodieninstrument mit Generalbaß von „klassischen“ Konzertvirtuosen bis hin zu prominenten Vertretern der Originalklänge als CD-Auswahl vorliegen, geht es hier um ein wesentlich farbigeres Konvolut praktischer Musikübung. In beiden Fällen (1722 und 1731) besteht Telemanns „Methode“ im wesentlichen aus einer Mischung angenehmer, galanter Musik, die auch dem Dilettanten zugänglich ist, und beliebten Triobesetzungen. Gleichzeitig bietet er aber durch alternative Fassungen mit verziert-virtuosen Ausschmückungen aller Stimmen einen Anreiz auch für fortgeschrittene Instrumentalisten. Für die modernen Interpreten und Forscher barocker Musik erschließen sich damit viele Geheimnisse der Verzierungspraxis des 18. Jahrhunderts. Sogar neuartige, kleine Werkformen hatte Telemann sich für sein zweites Vorhaben einfallen lassen.

Telemann kündigte die Besonderheiten mit wortschöpferischen italienischen Diminutiven als mehrsätzige „Terzettchen“ (Trietti) und Divertimento-ähnliche „Scherzchen“ (Scherzi) an. Zugleich dachte er an beliebige Kombinationen der Instrumente: 3 Trietti metodichi e 3 Scherzi à 2 Flauti traversi overo 2 Violini con Fondamento. Was auch immer in der Vergangenheit der Grund gewesen sein mochte, diese reizvollen Spielmusiken überwiegend den Schulmusikern, wenn nicht gar dem Staub der Archive zu überlassen, offensichtlich übersah man das künstlerische Potential dieser Sammlung. Nicht so die Parnassi musici, die sich Telemanns Angebot zur ad-libitum-Instrumentierung zunutze machten und alles nur denkbar musikalisch Anspornende, Farbenreiche, Erheiternde, Galante, Virtuose, Temperamentvolle und Besinnliche der inhaltsreichen „Sätzchen“ (natürlich in der Version für Fortgeschrittene!) in pure Ohrenlust und Spielfreude umsetzten. Dies gilt auch für die beiden als Programmfüller ergänzten Quartette (aus den „Six Quatuors“ von 1733). Lediglich die bläserische Dominanz der Barockfagotte produziert unbeabsichtigte Balanceprobleme, die im Verhältnis zum zarten Flauto-traverso-Timbre, zum Streicherklang, zur Erzlaute, zum gedackten Register der Kleinorgel oder zu den Cembalotupfern mit Lautenzug kaum zu vermeiden sind. Dennoch verdient die Studiotechnik, die durch Verzicht auf Mischpult-Manipulationen ein realistisches Abbild des Klanges ermöglicht hat, Dank und Sympathie.

Dr. Gerhard Pätzig [18.02.2009]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Georg Philipp Telemann
1Trietto d-Moll TWV 42:d1 00:09:22
4Scherzo Nr. 3 D-Dur TWV 42:D3 00:06:08
7Quartett a-Moll TWV 43:a1 für 2 Violinen, 2 Fagotte und B.c. 00:07:43
11Trietto Nr. 1 G-Dur TWV 42:G2 00:08:21
14Scherzo Nr. 3 A-Dur TWV 42:A1 00:08:06
17Quartett d-Moll TWV 43:d3 für Flöte, Violine, Fagott und B.c. 00:07:56
21Trietto Nr. 2 D-Dur TWV 42:D2 00:07:59
24Scherzo Nr. 2 E-Dur TWV 42:E1 00:07:34

Interpreten der Einspielung

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