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CD-Besprechung

Challenge Classics CC72317

2 CD • 1h 27min • 2008

23.11.2009

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 6
Klangqualität:
Klangqualität: 7
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 6

Nicht nur als herausragender Geiger erfreute sich Johann Gottlieb Graun, der die Berliner Hofkonzerte leitende Konzertmeister der Kapelle Friedrich II. und ältere Bruder Carl Heinrich Grauns, einer hohen Wertschätzung. Johann Adolph Scheibe schreibt im Critischen Musicus: „In Deutschland werden wir wenig große Violinisten finden, die so wie ein Pisendel, ein älterer Graun oder ein Benda auch den Ruhm guter Componisten verdienen.“ Noch einen Schritt weiter geht Ernst Ludwig Gerber im Historisch-biographischen Lexikon der Tonkünstler von 1790: „In Ansehung seiner Arbeiten setzt man ihn, wegen seinem klugen Gebrauche der kontrapunktischen Künste, wegen der Reinigkeit und Deutlichkeit seiner Harmonie, wegen seiner genauen Ordnung in der Modulation, und wegen seiner angenehmen Melodik zum Muster als einem klaßischen Komponisten.“

Tatsächlich sind es Grauns Ordnungssinn und sein variantenreicher melodischer Reichtum, die in vier der Tradition des italienischen Violinkonzerts verpflichteten, von Grauns enormen geigerischen Fähigkeiten zeugenden und von dem auf historischen Instrumenten musizierenden Ensemble moderntimes_1800 erstmals auf Tonträger eingespielten Streicherkonzerten ins Ohr fallen. Gleich zu Beginn im Violinkonzert c-Moll GraunWV C:XIII:68 mit seiner dichten Kontrapunktik: moderntimes_1800 und der Solist Ilia Korol setzen die drauflos stürmenden Außensätze mit solch einer Vitalität, das Largo mit einer solch berührenden Innigkeit um, dass man sich trotz des oft sehr dünnen und fahlen Tons Korols und mancher intonatorischer Auffälligkeiten sehr auf den Rest dieser Doppel-CD freut. Doch schon mit dem Konzert für zwei Violinen G-Dur GraunWV C:XIII:84 folgt die Ernüchterung. Zwar wissen die organischen Phrasierungen innerhalb des empfindsamen Dialogs der Solisten Piroska Bartori und Ilia Korol zu überzeugen. Insgesamt bestimmt aber plötzlich ein recht unverbindlicher Tonfall das Bild, der bei einer noch so subtilen und differenzierenden Klanggestaltung den Affektgehalt der Musik Grauns nicht wirklich einzufangen vermag – nicht einmal im Allegro-molto-e-con-spirito-Finale mit seinem melodischen Einfallsreichtum, seinen dynamischen Kontrasten und seinem durchaus effektvoll angelegten Wechselspiel der Solisten untereinander und mit dem Ensemble; ebenso wenig in allen weiteren Konzerten.

Ob von den Musikern gewollt oder nicht: Ich kann mich kaum des Eindrucks erwehren, als werde hier einem ausschließlich empfindsamen und harmlosen Komponisten Graun gehuldigt. Gerade der Gestaltungsspielraum der motivisch-thematisch umfangreichen Eröffnungsritornelle mit ihrer oft zündenden Rhythmik, ihren Echowirkungen und imitatorischen Passagen sowie die gestalterischen Möglichkeiten der virtuosen Solo-Partien bleiben weitgehend ungenutzt – wenngleich in eben diesen Eröffnungsritornellen der Ecksätze ein Esprit spürbar ist, den man ansonsten jedoch vermisst. Der expressiv gespannte Dialog der Solisten im gefühlstiefen Mesto des Konzerts F-Dur für zwei Violinen GraunWV Av:XIII:31, die innige Umsetzung des Adagios aus dem Markus Heinrich Grauel, einem Mitglied der Berliner Hofkapelle zugeschriebenen Violinkonzert A-Dur, die Wiedergabe des bereits erwähnten und viel versprechenden Violinkonzerts c-Moll und schließlich der herrliche Ton Ilia Korols im Konzert für Viola Es-Dur GraunWV Cv:XIII:116 – all dies ändert leider nichts an einem insgesamt nur befriedigenden Gesamteindruck.

Christof Jetzschke [23.11.2009]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Johann Gottlieb Graun
1Concerto c-Moll GraunWV C:XIII:68 00:10:30
4Concerto G-Dur GraunWV C:XIII:84 00:20:27
Markus Heinrich Grauel
7Concerto A-Dur 00:16:36
CD/SACD 2
Johann Gottlieb Graun
1Concerto F-Dur GraunWV Av:XIII:31 00:21:28
4Concerto Es-Dur GraunWV Cv:XIII:116 00:18:09

Interpreten der Einspielung

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