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CD-Besprechung

cpo 777 201-2

1 CD • 78min • 2001

14.10.2011

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 9
Klangqualität:
Klangqualität: 10
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 9

Mit dem Namen Bose verbindet man in der Regel hochwertige und innovative Audioprodukte. Wohl kaum jemand denkt bei diesem Namen an einen im sächsischen Königstein geborenen Komponisten, erfolgreichen Konzertpianisten, Kammermusiker und Pädagogen, der bereits zu Lebzeiten als „Leipziger Brahms" bezeichnet wurde. Fritz von Bose (1865-1945) ist es, dem sich die ungewöhnlich vielseitige Pianistin Alexandra Oehler nach ihren vielbeachteten Ignaz-Brüll-, Ferdinand-Ries-, Teresa-Careno- oder Edward-Alexander-MacDowell-Einspielungen nun widmet. Neben einer internationalen Konzerttätigkeit hat Alexandra Oehler einen Lehrauftrag für Klavier an der Leipziger Musikhochschule und ist Dozentin am Thomanerchor Leipzig. Damit ist sie durchaus in der Nachfolge Fritz von Boses zu sehen, der in Leipzig Schüler von Carl Reinecke war und später selbst – wie auch Max Reger, Julius Rietz oder Karl Straube – zu den großen Lehrerpersönlichkeiten am berühmten Leipziger Konservatorium gehörte. Zugegeben, innovativ ist diese cpo-Produktion nur bedingt zu nennen: erstmals wird hier eine Auswahl der Klaviermusik Fritz von Boses auf CD vorgestellt. Hochwertig ist dieses Produkt aber allemal, was in erster Linie der untadeligen Pianistik Alexandra Oehlers zu verdanken ist.

Von Boses Klaviermusik ist Spätromantik pur. Hier ein wenig Rachmaninow, dort unverkennbare schumanneske Züge, hin und wieder blitzt ein wenig Mendelssohn Bartholdy auf und dann – wie es von Boses Beiname vermuten lässt – natürlich Brahms: etwa in der zerklüfteten, vollgriffigen und kraftvollen Rhapsodie op. 10 oder in den markanten Ecksätzen der 1928 erschienenen und Rachmaninow durchscheinen lassenden Suite Nr. 2 op. 20. Trotzdem haben von Boses Klavierschöpfungen – besonders mit Blick auf ihre stark chromatisch eingefärbten harmonischen Baupläne – etwas Eigenes, was allerdings aufgrund einer alle Kompositionen dieser CD kennzeichnenden Melancholie und Schwermut kaum Überraschendes oder Abwechslungsreiches zu bieten hat. Mit einer bemerkenswerten Gestaltungskraft, ausgesprochen poetisch, sinnlich und mit einer immer wieder von neuem aufblühenden Farbigkeit lässt Alexandra Oehler einer drohenden Eintönigkeit aber nicht den Hauch einer Chance. Fast körperlich spürbar ist die Gespanntheit, mit der sie sämtliche Werke durchschreitet. Dynamik, Agogik und Pedalisierung setzt sie perfekt zur Spannungssteigerung und Entspannung ein – im entwaffnend leicht vorgetragenen Scherzo der Suite Nr. 2 op. 20 ebenso, wie innerhalb der unendlich wirkenden Melodik und der ununterbrochenen Akkordzerlegungen der linken Hand in der Elegie op. 21 oder in den Drei Klavierstücken op. 10. Höhepunkt dieser Aufnahme sind das Thema und Variationen op. 17 aus dem Jahr 1922. Nicht nur, dass die Variationen von Boses kompositorische und gestalterische Kunstfertigkeit auf engstem Raum offenbaren. Sie legen ebenso Zeugnis ab von der pianistischen Meisterschaft Alexandra Oehlers: Virtuoses Passagenwerk, Vollgriffiges, perlende Läufe, artikulatorische Feinheiten und Tonmalerisches gehen ihr nicht nur leicht von der Hand. All das gelingt jederzeit überzeugend und spiegelt geradezu intuitiv wirkend die Atmosphäre wie den Tonfall dieser oft wehmutsschwangeren Musik wider.

Christof Jetzschke [14.10.2011]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Fritz von Bose
1Suite Nr. 2 op. 20 00:18:17
5Drei Klavierstücke op. 10 00:15:12
8Elegie op. 21 Nr. 1 00:04:59
9Thema und Variationen op. 17 00:17:20
10Suite Nr. 1 op. 9 00:21:35

Interpreten der Einspielung

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