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CD-Besprechung

cpo 777 485-2

2 CD • 1h 59min • 2009

19.12.2011

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 8
Klangqualität:
Klangqualität: 8
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 8

Erich Wolfgang Korngold, der sich während seiner Jahre im amerikanischen Exil zu einem der erfolgreichsten Filmkomponisten der Geschichte entwickeln konnte, strebte nach dem Krieg zum Theater zurück und wollte in der alten Heimat mit einem leichten Singspiel an frühere Erfolge anknüpfen. Gleichzeitig hoffte er, das Stück auch am Broadway unterzubringen, ließ deshalb das auf einem deutschen Text basierende Libretto in englischer Sprache verfassen und dann ins Deutsche rückübersetzen. Die stumme Serenade fand bei der Uraufführung 1954 in Dortmund nur ein schwaches Echo und verschwand danach in der Versenkung.

Viele Köche verderben den Brei. Die Librettisten konnten den Nerv der Zeit nicht treffen und verhedderten sich zudem in einer haarsträubenden Konstruktion der Handlung, die 1820 in Neapel spielt und von der Liebe des Modeschöpfers Andrea Coclé zur Schauspielerin Silvia Lombardi handelt, die mit dem diktatorischen Ministerpräsidenten verlobt ist. Vor ihrem Hause gibt er ihr eine stumme, nur in seinen Gedanken stattfindende Serenade, während sie in ihrem Schlafzimmer davon träumt, von einem unbekannten starken Mann vergewaltigt zu werden. Der ahnungslose Andrea wird als Sittenstrolch verhaftet und soll zudem noch einen versuchten Bombenanschlag gegen den Ministerpräsidenten auf sich nehmen. Eine Revolution verhindert seine Hinrichtung und er wird vom Volk zum König ernannt, was ihm gar nicht passt. Am Ende ist er froh, wieder in seinem alten Beruf tätig sein zu dürfen und die schöne Silvia heiraten zu können.

Diese hanebüchene Story mit ihren ganz willkürlichen Umschwüngen und unmotivierten Überraschungen erfordert einiges Dramaturgengeschick und beträchtliche Regiekunst, um auf der Bühne glaubwürdig zu erscheinen. Die Musik dagegen ist eingängig und abwechslungsreich, changiert zwischen Reminiszenzen an die klassische Wiener Operette und dem Revuestil der 20er Jahre. In den lyrischen Gesängen kann sich der melodienselige Schöpfer des Opernschlagers Glück, das mir verblieb nicht verleugnen, frisch und fetzig klingen die tänzerisch beschwingten Duos des Buffopaars, aber auch Silvias frech-frivoles Ein Schneider ist kein Mann.

Die Freiburger Young Opera Company, 1993 von dem Dirigenten Klaus Simon gegründet und schon des öfteren mit originellem Repertoire im Kammeropern-Bereich aufgefallen, hat das Stück vor zweieinhalb Jahren wieder ausgegraben und nach der Bühnenproduktion beim SWR aufgenommen. Diese jetzt als CD vorliegende Funk-Einspielung zeigt gleichermaßen Stärken und Schwächen des Werkchens auf. Mehr noch als in der melodischen und rhythmischen Raffinesse liegt der Witz der Partitur in der ausgefallenen Instrumentierung für ein Kammerensemble, bestehend aus zwei Violinen, Cello, Flöte, Klarinette, zwei Klavieren, Celesta und diversem Schlagzeug. Die 8 Musiker der ebenfalls in Freiburg ansässigen Holst-Sinfonietta reizen ihre Parts deliziös und mit großer Präzision und gelegentlich klanglichen Schärfe aus. Sie sind der Motor des ganzen Unternehmens. Die Hauptpartien sind jungen, noch entwicklungsfähigen Sängern anvertraut, die ihre Aufgaben respektabel bewältigen. Mit tenoral gefärbtem lyrischem Bariton gibt Birger Rodde den romantischen Schmachtfetzen Andrea, die noch etwas schmalstimmigen Sopranistinnen Sarah Wegener als Silvia und Anna-Lucia Leone als theaterwütige Probierdame Louise setzen aparte Akzente. Der gestandene Schauspieler Frank Buchwald knattert sich durch drei Partien, wie überhaupt der sehr große Dialog-Anteil oft etwas aufgesetzt wirkt.

Ekkehard Pluta [19.12.2011]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Erich Wolfgang Korngold
1Die stumme Serenade op. 36 (Komödie mit Musik in 2 Akten)

Interpreten der Einspielung

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