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CD-Besprechung

Giovanni Benedetto Platti Sonatas for harpsichord

Concerto 1856904

4 CD • 4h 33min • 2011

20.04.2012

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 7
Klangqualität:
Klangqualität: 8
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 8

Wenn ich als Schüler hörte, dass sich jemand „einen an der Verzierung abbricht", wußte ich mir darunter nichts rechtes vorzustellen. Später dachte ich mir, dass damit wohl die kleinfinger-abspreizenden Teetanten gemeint waren, bei deren Anblick ich gern mal zum „Ladykiller" geworden wäre. Jetzt weiß ich mir endlich die wahre Herkunft des Satzes zu deuten: Es kann nur eine uralte Bezeichnung für Tasteninstrumentalisten sein, die vor lauter Freude an ornamentaler Schwelgerei nicht mehr auf das Taktgefühl ihrer Umgebung achten, sondern sich in allerley Maniren so umfassend verlieren, dass der Mordent auf Mord endet, weil sich der Spieler halt einen „an der Verzierung abbricht".

Obwohl Filippo Emanuele Ravizza, der Cembalist der vorliegenden Produktion, mitunter ganz nahe an einer Überschnörkelung des gedruckten Notenwerks vorüberschrammt, habe ich ihm und dem kleinen Mailänder Label Concerto dennoch eine Entdeckung zu verdanken, die ich – als mir die hübsch mit alten Stilleben aus neuer Malerhand verzierte CD-Box ins Auge stach – keineswegs erwartet hätte. Doch dieser Giovanni Benedetto Platti, der irgendwann in den letzten Jahren des 17. Jahrhunderts in Padua geboren wurde und nach jahrzehntelanger Tätigkeit für die Fürstbischöfe von Würzburg am 11. Januar 1763 in der Stadt seines Wirkens starb – diese vermeintliche Randerscheinung des späten Barock hat eine derart entzückende und abwechslungsreiche Musik komponiert, dass ich gern bereit bin, die kleinen äußeren und inneren Mängel dieser Edition nach einmaliger Nennung hintanzustellen. Die Ästhetik des äußerst detailverliebten Produzenten, der der schönen Optik seiner Booklets gern die Lesbarkeit opfert; die auf der dritten CD vorkommende Satzvertauschung (in der Sonata XI c-Moll ist das einleitende Adagio an die zweite Stelle gerutscht); das etwas hart klingende, glücklicherweise nicht aus dem Hause Singer stammende Instrument; und die bereits angedeutete Neigung des Spielers, die expressiven Werte der Ranken, Arpeggien und Acciacaturen besonderes in den langsamen Sätzen einigermaßen übers Ziel hinaussprießen zu lassen – all das kann nicht verbergen, dass diese Claviermusik außerordentlich anrührt und zu eingehender Inspektion des gegenwärtigen Platti-Angebots veranlaßt. Und darin allein liegt ein hoher Wert, der mit großem Wohlwollen zu honorieren ist.

Rasmus van Rijn [20.04.2012]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Giovanni Benedetto Platti
1Sonata Nr. 1 D-Dur
5Sonata Nr. 2 C-Dur
9Sonata Nr. 3 F-Dur
13Sonata Nr. 4 g-Moll
17Sonata Nr. 5 c-Moll
CD/SACD 2
1Sonata Nr. 6 E-Dur
5Sonata Nr. 7 F-Dur
9Sonata Nr. 8 c-Moll
13Sonata Nr. 9 G-Dur
CD/SACD 3
1Sonata Nr. 10 a-Moll
4Sonata Nr. 11 c-Moll
7Sonata Nr. 12 C-Dur
11Sonata Nr. 13 F-Dur
15Sonata Nr. 14 C-Dur
CD/SACD 4
1Sonata Nr. 15 F-Dur
5Sonata Nr. 16 F-Dur
9Sonata Nr. 17 B-Dur
12Sonata Nr. 18 Es-Dur

Interpreten der Einspielung

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