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CD-Besprechung

Hummel • Beethoven

Klavierkonzerte

Gramola 98938

1 CD • 63min • 2011

03.04.2012

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 9
Klangqualität:
Klangqualität: 8
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 9

Johann Nepomuk Hummel und Ludwig van Beethoven – das „riecht" auf den ersten Blick nach einem Gegenüber von Eleganz und Kraft. Doch weit gefehlt. Unter den Händen von Ingrid Marsoner kommt Beethovens Klavierkonzert Nr. 1 C-Dur op. 15 keineswegs so auftrumpfend daher wie in vielen anderen Einspielungen. Gemeinsam mit Thomas Rösner und dem Sinfonie Orchester Biel wählt die Pianistin eine fast schon nach innen horchende, spielerische, bisweilen sogar grazile Deutung, die zwar herrische Züge nicht verleugnet, sie aber nicht über Gebühr betont. Und das etwa 20 Jahre nach dem Beethoven-Konzert entstandene Klavierkonzert a-Moll op. 85 von Johann Nepomuk Hummel? Nicht einfach nur geschmeidig oder zart, sondern energiegeladen, von nie abreißender Spannung, mitunter sogar eruptiv ist dessen Widergabe zu nennen. Es ist tatsächlich erstaunlich, wie nah hier Hummel und Beethoven zusammenrücken.

An dieser Stelle ein kleiner Tipp – vielleicht nicht neu, aber auf jeden Fall wert, ihn sich wieder ins Gedächtnis zu rufen: Man sollte alles vergessen, was man über Hummel weiß oder gehört hat, insbesondere in Bezug auf seine musikgeschichtliche Stellung oder Einordnung. Gibt man sich unvoreingenommen dem a-Moll-Konzert hin, so erschließt sich einem eine ganz eigene und faszinierende Tonsprache, der nichts Epigonenhaftes oder nur Wegbereitendes anhaftet. Dem Konzert wohnt etwas Opernhaftes inne; weite, eingängige Kantilenen verbinden sich mit erlesener Ornamentik, virtuosem Passagenwerk und einer sehr farbigen Instrumentierung, eingebettet in die klassische Formen-, aber melodisch und harmonisch in eine romantische und sehr inspirierte Klangsprache.

Ebenso inspiriert und ungemein frisch gehen Ingrid Marsoner und Thomas Rösner die kraftvollen und besinnlichen, die dramatischen und beruhigenden Passagen in den Ecksätzen an und scheuen auch nicht davor zurück, geradezu selbstvergessen in das beinahe improvisatorisch wirkende Larghetto-Intermezzo einzutauchen. Ihnen entgeht nicht der feinste Stimmungswechsel, weder in poetischen, noch in zwar nicht vordergründigen, aber doch hoch brillanten Abschnitten. Alles befindet sich in einem steten Fluss, pulsiert, funkelt und wird mit viel Wärme ausgebreitet. Dies gilt genauso für das sehr präzise ausformulierte C-Dur-Konzert Ludwig van Beethovens, in dem Ingrid Marsoner gerade die gestischen und überraschenden Momente überzeugend betont, dank ihrer wundervoll nuancenreichen Artikulation stets klar im Ausdruck bleibt und dabei noch große emotionale Tiefe an den Tag legt.

Auffällig ist, wie respektvoll sich die Interpreten in den Dienst des jeweiligen Werkes stellen. Ihnen liegt nichts an Extravaganz oder an einer um jeden Preis erzielten individuellen Note. Sie agieren in einem gleichberechtigten Miteinander, atmen gemeinsam und demonstrieren ein ausgezeichnetes Gespür für das Dialogisierende, woraus ein jederzeit belebendes Zwiegespräch entsteht. Wie wichtig es Ingrid Marsoner mit der Beredsamkeit nimmt, zeigen sogar die zahlreichen Trillerketten und ein Großteil des virtuosen Laufwerks in beiden Konzerten. Selbst hier scheint es der Künstlerin um größtmöglichen und nuancenreichen Ausdruck zu gehen – chapeau!

Christof Jetzschke [03.04.2012]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Johann Nepomuk Hummel
1Klavierkonzert Nr. 2 a-Moll op. 85 00:31:08
Ludwig van Beethoven
4Klavierkonzert Nr. 1 C-Dur op. 15 00:31:34

Interpreten der Einspielung

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