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CD-Besprechung

Johann Kuhnau Frische Clavier-Früchte

cpo 777 532-2

1 CD • 59min • 2009

26.08.2013

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 10
Klangqualität:
Klangqualität: 9
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 10

„Ich weiß nicht, ob er dem Orden der Tonkünstler oder den anderen Gelehrten mehr Ehre gebracht. Er war gelehrt in der Gottesgelahrtheit, in den Rechten, Beredsamkeit, Dichtkunst, Mathematik, fremden Sprachen und Musik." Dieses Urteil aus dem Jahr 1758 über Johann Kuhnau (1660-1722) stammt von Johann Christoph Adelung (1732-1806), der mit seinem Wörterbuch wichtige Einflüsse auf Grammatik und Rechtschreibung des Schriftdeutschen ausübte. Kuhnau stand also noch zwei Generationen später in hohem Ansehen. Je heller allerdings der Stern seines Nachfolgers im Amt des Leipziger Thomaskantors, Johann Sebastian Bach, im Laufe des 19. Jahrhundert erstrahlte und die Erinnerung an ältere Meister unnötig erscheinen ließ, desto mehr musste sich auch Kuhnau mit dem blassen Abglanz zufrieden geben, der für ihn als Vorläufer eines Berühmteren übrig blieb. Eine erste Ehrenrettung Kuhnaus unternahm im 20. Jahrhundert der Pianist Eduard Erdmann (1896-1958), seinerseits auch ein bedeutender Bach-Interpret: „Kuhnau ist einer der großen Meister des Klavierstücks, und seine Werke sind es unbedingt wert, wieder erweckt zu werden!" Für diesen Ausspruch liegt also hier genau der richtige Prüfstein vor.

Zu Lebzeiten durfte sich Kuhnau freilich unter die bedeutenden Musiker seiner Generation rechnen, er war obendrein ein universal gebildeter Mann. Sein Geburtsort war Geising im Osterzgebirge, wo seit dem späten 14. Jahrhundert Bergbau betrieben und Zinn gegossen wurde; Johann Schelle (1640-1701), Kuhnaus Vorgänger als Thomaskantor, stammte ebenfalls von dort. Dem Bericht in Matthesons "Musikalischer Ehrenpforte" zufolge zeigte sich Kuhnaus außerordentliche Begabung schon im kindlichen Alter, etwa als Neunjähriger erhält er in Dresden Unterricht beim Hofmusiker Salomon Krüger und bei Hoforganist Christoph Kittel, besuchte dann die Kreuzschule und studierte schließlich Philosophie und Jura in Leipzig.

Nach einem Intermezzo in Zittau wurde Kuhnau 1682 Organist an der Thomaskirche in Leipzig, zwei Jahre später trat er das Thomaskantorat an und wurde überdies Musikdirektor der Universität. Kuhnau sticht als Komponist von Claviermusik hervor: Seine Biblischen Historien von 1700 dürfen als frühe Beispiele der Programm-Musik gelten, die beiden Clavier-Übungen von 1689 und 1690 werden in ihrer systematischen Anlage als Vorbilder der gleichartigen Sammlungen J. S. Bachs betrachtet.

1696 veröffentlichte Kuhnau seine Frischen Clavier-Früchte mit dem Untertitel Sieben Suonaten von guter Invention und Manier auff dem Claviere zu spielen. Die unterhaltsame und höchst vielgestaltige Musik hat – ähnlich den Clavier-Übungen – ihren Einfluss auf Bach nicht verfehlt; obendrein bewahrten sich Kuhnaus musikalische Früchte ihre Frische für lange Zeit: Über 40 Jahre nach seiner Erstveröffentlichung ist das Werk noch 1740 in fünfter Auflage erschienen. Kuhnau führte in der deutschen Klaviermusik den Begriff „Sonate" ein: „… warum sollte man auf dem Clavier nicht eben, wie auf anderen Instrumenten, dergleichen tractieren können? Da doch kein einziges Instrument dem Clavier die Praecedenz an Vollkommenheit jemals disputierlich gemacht hat." So rühmt er in der umwegreichen Sprache seiner Zeit die Vorteile des Claviers.

Jan Katzschke hat sich schon einmal auf einer CD mit Soprankantaten liebevoll, kenntnisreich und stilsicher für die Musik von Johann Kuhnau eingesetzt. Hier tritt er als Cembalovirtuose mit einem klangschönen Instrument in deutscher Bauweise aus der Werkstatt des Oldenburgers Dietrich Hein auf. Katzschke hat auch den informativen Begleittext verfasst, für dessen Lektüre allerdings der Besitz einer Lesebrille nicht reicht – die winzigen Druckbuchstaben lassen den Gebrauch einer Lupe zusätzlich ratsam erscheinen. Musikalisch sind Johann Kuhnau und Jan Katzschke ein äußerst harmonisches Paar, gern folgt man dem Interpreten auf seinem Spaziergang durch den barocken Obstgarten – ein abwechslungsreicher Genuss mit vielen gesunden musikalischen Vitaminen lässt den Zuhörer ebenso erfrischt wie erfreut zurück!

Detmar Huchting [26.08.2013]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Johann Kuhnau
1Suonate prima (aus: Frische Clavier-Früchte) 00:06:29
5Suonate seconda (aus: Frische Clavier-Früchte) 00:06:56
10Suonata terza (aus: Frische Clavier-Früchte) 00:08:19
15Suonata quarta (aus: Frische Clavier-Früchte) 00:07:02
19Suonata quinta (aus: Frische Clavier-Früchte) 00:07:15
23Suonata sesta (aus: Frische Clavier-Früchte) 00:13:06
28Suonata settima (aus: Frische Clavier-Früchte) 00:08:34

Interpreten der Einspielung

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