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CD-Besprechung

Peter Oldrup

Guitar Debut

Gateway music DUOL 002

1 CD • 52min • 2014

13.04.2015

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 10
Klangqualität:
Klangqualität: 10
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 10

Klassik Heute
Empfehlung

Der dänische Gitarrist Peter Oldrup befindet sich auf einem guten Weg. Seine Spieltechnik ist über alle Zweifel erhaben, ebenso überzeugt seine klangliche Sensibilität und eine Spielhaltung, die sich nie aus der Ruhe bringen lässt. Und bei der Auswahl von geeignetem Repertoire für solche Qualitäten hat er auf seiner Debut-CD eine hervorragende Treffsicherheit bewiesen.

Das Erstlingswerk, welches soeben das Gateway-Label herausgebracht hat, entstand im Zuge eines Debut-Konzertabends an der Royal Danish Academy of Music in Kopenhagen. Vier lange Stücke spannen einen weiten, atmenden, durchgehenden Bogen. Herausgekommen ist ein Tonträger, der im besten Sinne in sich logisch geschlossen wirkt – und dies begünstigt das Durchhören in einem Zug und damit auch die nachhaltige Versenkung in die Musik. Vor allem: Die ausgewählten Kompositionen „zentrieren“ sich im besten Sinne um diesen konzentriert aufspielenden Interpreten.

Es beginnt fast schon „standardmäßig“ für eine solche Disziplin – bei Johann Sebastian Bach, der bei so vielem, was mit instrumentalen Solo-Recitals zu tun hat, den Ursprung bildet. Über 14 Minuten spannt sich dessen Chaconne BWV 1004 – und man staunt, wie sehr diese Komposition einen weiten Bogen voller Wege und Umwege und Momente des Verweilens spannt – wo sie doch nur ein Teil aus einem noch weitläufigeren Zyklus ist, nämlich Bachs ursprünglich für Violine gesetzte d-Moll-Partita.

Oldrup beherrscht diesen langen, meditativen Atem. Der Bewegungsgestus seines Spiels ist ruhig fließend, um damit noch mehr in die Tiefe zu gehen. Verweilende Atmenpausen bereitet er mit sensiblen Rubatoeffekten vor, lässt nachdenkliche Reflexionen, aber auch viel berührende Intimität aufkommen bei alldem. Auch die „Nebengeräusche“ auf den Saiten, hört man hier sehr gern.

In einer stillen Landschaft fernab von allem Lärm und aller Hektik wähnt man sich bei einer Gedichtvertontung des Briten William Lovelady nach einem alten Text von Sacha Abercorn. Da eröffnet ein sanftes Arpeggiengewoge einen ruhig atmenden, lebendiger werdenden Fluss – der aber auch wieder zum Verweilen kommt.

Sehr konsequent passiert dies im nächsten Stück, das sich wieder fast 14 Minuten für ein dieses Unterfangen gönnt: Tan Tuan Haoss Stück Through the Fencese. The Light Falls kostet den visuellen Sinneseindruck von Sonnenlichtreflexen in einem Kaleidoskop an imaginären Klangbildern weiträumig aus. Zarte Motive verdichten sich im Spiel des Dänen, aber es blitzt und funkelt und gleißt auch immer wieder – in spannungsvollen Dissonanzen und punktuellen perkussiven Aktionen auf den Saiten. Das sind Spitzlichter und Brechungen, die das Auge blenden.

Nach diesen beiden bemerkenswerten Neuentdeckungen verschafft sich schließlich wieder ein anerkanntes Meisterwerk unter den sensiblen Händen von Peter Oldrup Gehör: Benjamin Brittens Nocturnal after John Dowland verleibt sich alte Lieder dieses Renaissance-Meisters ein, aber nicht ohne Brittens ganzes modernes kompositorisches Repertoire zur Anwendung zu bringen. Zwölftonverfahren und bitonale Schichtungen treffen auf ungerade Metren bis hin zum 5er und 7er Takt, wie sie etwa auch im War Requiem zum Zuge kommen.

Die logische Konsequenz für die unprätentiöse Saitenkunst des Peter Oldrup liegt auf der Hand: Hochkonzentriertes Figurenspiel formt einen rezitativischen Gestus, bei dem Oldrup die Formulierungen, Akzente und Motivpartikel plastisch und tiefempfunden, nie aber effekthascherisch auszugestalten weiß.

Stefan Pieper [13.04.2015]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Johann Sebastian Bach
1Chaconne d-Moll BWV 1004 (Bearb. für Orchester) 00:14:20
William Lovelady
2The White Stone 00:06:26
Tuan Hao Tan
3Through the Fences, The Light Falls (To Peter Oldrup) 00:13:33

Interpreten der Einspielung

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