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CD-Besprechung

cpo 777 866-2

1 CD • 68min • 2014, 2015

24.12.2015

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 9
Klangqualität:
Klangqualität: 9
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 9

„Es gehört mehr Genie dazu, ein mittelmäßiges Kunstwerk zu würdigen, als ein vortreffliches. ... In einem trefflichen Kunstwerk ist das Schöne so rein enthalten, daß es jedem gesunden Auffassungsvermögen, als solchem, in die Sinne springt; im Mittelmäßigen hingegen ist es mit soviel Zufälligem oder wohl gar Widersprechenden vermischt, daß ein weit schärferes Urteil, eine zartere Empfindung, und eine geübtere und lebhaftere Imagination, kurz mehr Genie dazu gehört, um es davon zu säubern.“

Also sprach Heinrich von Kleist gegen Ende seines kurzen Lebens. Zwei Jahre später war die Erdenbahn auch für Ernst von Gemmingen (1759-1813) vorbei – für diesen kunstsinnigen, musikalischen und auch schöpferisch aktiv gewesenen Sproß des alten Geschlechts, dessen Stammsitz, die Burg Hornberg am Neckar, im 16. Jahrhundert unserm guten Götz von Berlichingen gehört hatte, der im dritten Akte das Fenster „zuschmeißt“. In der Bibliothek des würdigen Gemäuers wurden exakt einhundertachtzig Jahre nach dem Verscheiden des württembergischen Rittersmannes die autographen Partituren vierer Violinkonzerte aufgefunden, deren Gesamtaufnahme Kolja Lessing und das Münchner Rundfunkorchester unter Ulf Schirmer jetzt mit der zweiten CD der Miniserie als abgeschlossen bezeichnen dürfen. Ich könnte wohl auch sagen: „vollendet haben“ – allein, hier greift der oben zitierte Kleist. Es fehlt mir am Genie, in den zweifellos geschmackvollen, mit außerordentlicher Kenntnis der damaligen Tonkunst und ihrer formalen wie harmonischen Regeln gefügten Kompositionen etwas zu entdecken, das ich als wirklich „schön“ im erbaulichen Sinne zu empfinden vermöchte: Die Musik ist hübsch, keine Frage, außerordentlich wohlgebaut, dankbar für den Solisten, der sich recht ins Zeug legen kann und das auch tut, geschmackvoll fürs Orchester gesetzt, mozartisch leicht im Tonfall, an den gehörigen Stellen dramatisch aufgestülpt und in den Mittelsätzen womöglich auch mit ein wenig Romantik bestäubt. Eine starke, durchschlagende Persönlichkeit, die uns ihre Kreationen mit allem Nachdruck ins Gedächtnis meißelte, ein Mozart gar des Neckartales, als den man den Herrn von Hornberg gern apostrophierte, will sich mir bei allem Bemühen nicht eröffnen. Was die künstlerischen Leistungen der vorher genannten Musiker in keiner Weise vermindern soll – sie scheinen mir eher die Kleist’schen Voraussetzungen mitzubringen.

Rasmus van Rijn [24.12.2015]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Ernst v. Gemmingen
1Violinkonzert Nr. 3 D-Dur 00:22:46
4Violinkonzert Nr. 4 A-Dur 00:28:45
François-Joseph Gossec
7Sinfonie D-Dur op. 6 Nr. 2 00:16:42

Interpreten der Einspielung

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