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CD-Besprechung

„... in trunken-schönem Tanz!“

Thorofon CTH2644

1 CD • 77min • 2017

14.05.2018

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 9
Klangqualität:
Klangqualität: 9
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 9

Vier Zeitgenossen von Richard Strauss, die zu Unrecht gänzlich in seinem Schatten geblieben sind, erleben dank der Initiative des Musikologen und Regisseurs Peter P. Pachl seit einigen Jahren eine kleine Renaissance auf Tonträgern. Das vorliegende Album ist in gewisser Weise ein Appendix zu früheren Veröffentlichungen. Dabei steht diesmal das Klavier im Vordergrund. In Fantasien und Paraphrasen wird die Tradition von Franz Liszt fortgeführt. Dessen Schüler Eduard Reuss nahm sich mit Liebe der frühen Oper Herzog Wildfang (1901) des jüngeren Siegfried Wagner an. Erich J. Wolff und Anton Urspruch haben Auszüge ihrer Bühnenwerke selbst für Klavier arrangiert. In diesen Versionen wirken sie noch beschwingter und leichtfüßiger und atmen die Atmosphäre der Belle époque. Das gilt insbesondere für das Potpourri aus Urspruchs Oper Das Unmöglichste von allem (1897), die auf eine Komödie von Lope de Vega zurückgeht und mehr mediterrane Sinnlichkeit als spätromantische Schwerblütigkeit vermittelt. Eine Gesamtaufnahme liegt seit längerem bei Naxos vor. In der Schlussszene von Wolffs Ballettpantomime Zlatorog nach einer slowenischen Sage werden Reminiszenzen an Frédéric Chopin hörbar. Alle diese Klavier-Adaptionen sind von einem tänzerischen Geist beflügelt und der brillante Pianist Rainer Maria Klaas versteht sich dabei ebenso auf markante Rhythmik wie auf impressionistische Klangzaubereien.

Das interessanteste Stück der Kollektion ist zweifellos Ludwig Thuilles Melodram Die Tanzhexe (1901) auf einen Text von Otto Julius Bierbaum, dem geistigen Vater des „Überbrettl“, der heute etwas in Vergessenheit geraten ist, zu seiner Zeit aber der meistvertonte Dichter war. Sein satirischer, zeit- und kulturkritischer Roman „Stilpe“ lohnt die Lektüre noch immer. Die Tanzhexe wurde für das „Jung-Wiener Theater zum lieben Augustin“ geschrieben, das aber wegen antisemitischen Hetzkampagnen nach nur einer Woche wieder schließen musste. Eine szenische Uraufführung fand erst 2007 in Hagen statt. Bierbaums Text vermittelt die schwüle Erotik des fin-de-siècle und enthält Elemente des Jugendstils. Thuilles Original-Partitur ging auch in die Vollen, mit zweifachem Holz, drei Hörnern, zwei Trompeten und drei Posaunen, Harfe, Schlagwerk und Streichern - eine ungewöhnliche Besetzung für ein Kabarett-Theater. Im entschlackten Klavierklang geht die musikalische Substanz aber keineswegs verloren. Und Peter P. Pachl, der auch das sehr gründliche Booklet verantwortet, findet als Rezitator die geforderte Balance zwischen Sprechen und Singen. Eingeleitet wird das Album mit Vier Lieder op. 3 von Erich J. Wolff, in denen Rebecca Broberg ein weiteres Mal mit plastischer Textgestaltung überzeugt.

Ekkehard Pluta [14.05.2018]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Erich J. Wolff
1Im Lenz op. 3 Nr. 1 00:01:28
2Volkslied op. 3 Nr. 2 (Sah das Glück zur Stube rein) 00:01:26
3Irmelin Rose op. 3 Nr. 3 00:02:59
4Sehnsucht op. 3 Nr. 4 00:04:06
5Zlatorog 00:12:00
Ludwig Thuille
6Die Tanzhexe für Deklamation und Klavier (Melodram) 00:12:58
Anton Urspruch
7Der Sturm 00:07:59
8Der Sturm 00:02:12
9Das Unmöglichste von Allem für Klavier (Potpourri) 00:12:43
Siegfried Wagner
10Das Bales-Tänzchen für Sopran, Tenor, Sprecher und Klavier 00:04:37
11Herzog Wildfang op. 2 00:14:26

Interpreten der Einspielung

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