Romance
Valentina Nafornita
outhere Music OMF 705
1 CD • 56min • 2019
04.02.2020
Künstlerische Qualität:
Klangqualität:
Gesamteindruck:
Nach ihrem Sieg beim renommierten Gesangswettbewerb „BBC Cardiff Singer of the World“ erhielt die moldawische Sopranistin Valentina Naforniţa (sprich: Nafórniza) 2011 ein Festengagement an die Wiener Staatsoper, wo sie als Papagena debütierte und nach einigen weiteren Anfängerrollen bald in die erste Reihe aufstieg und nicht nur in Partien Mozarts, sondern auch als Norina, Adina, Gilda und Musetta große Erfolge feierte. Die internationale Karriere kam mit Auftritten an der Mailänder Scala und bei den Salzburger Festspielen sowie in Paris und Berlin rasch in Gang. Ihr erstes Solo-Album war also nur eine Frage der Zeit. Es trägt den irreführenden, nach einem Lied Tschaikowskys gewählten Titel „Romance“, der auf die meisten darin vertretenen Arien aber nicht zutrifft, da sie weder romantisch sind noch es sich dabei um Romanzen handelt.
Künstlerische Momentaufnahme
Zunächst fällt bei der Auswahl der Musiknummern positiv auf, dass Valentina Naforniţa keine Stücke gewählt hat, die sie gerne einmal singen wollte, sondern sich auf die Rollen konzentriert, in der sie schon einige Bühnenerfahrung gesammelt hat. Es handelt sich also um eine künstlerische Zwischenbilanz. Allerdings erstaunt es mich, dass sie gerade in Wien mit ihren Mozart-Interpretationen besonders reüssieren konnte, denn an die große Wiener Mozart-Tradition der Nachkriegszeit, die von Dirigenten wie Josef Krips und Karl Böhm geprägt wurde, schließt ihr Gesang nicht an. Gleichzeitig ist er weit entfernt von den verschiedenen, seit Nikolaus Harnoncourt bis heute unternommenen Versuchen, dem originalen Mozart-Klang auf die Spur zu kommen.
Valentina Naforniţas reizvoll timbrierte Stimme ist für einen lyrischen Sopran ungewöhnlich dunkel, hat Metall und einige Schärfe und scheint mir eher für italienische und slawische Partien geeignet. Das ausgeprägte Vibrato klingt zudem sehr unmozartisch. Zerlina und Susanna singt sie dramatischer als es die Rollen nahe legen, die sanfte Ilia bekommt beinahe aggressive Züge und in der Arie der Zaide werden auch technische Probleme erkennbar. Das kompakte und routinierte Spiel des Münchner Rundfunkorchesters unter Keri-Lynn Wilson lässt schließlich auch bei denjenigen Hörern stilistische Zweifel aufkommen, die keine rigorosen Verfechter historischer Aufführungspraxis sind.
Bei Dvořák und Tschaikowsky und zwei moldawischen Liedern von Eugen Doga (Jg. 1937) ist die Sängerin hörbar mehr zuhause, die reine Qualität des Materials und die Expansionsfähigkeit der Stimme imponieren, wenngleich auch hier, besonders im Vergleich mit großen Vorgängerinnen, der echte Herzenston fehlt, die Emotionen künstlich hergestellt erscheinen.
Ekkehard Pluta [04.02.2020]
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Komponisten und Werke der Einspielung
Tr. | Komponist/Werk | hh:mm:ss |
---|---|---|
CD/SACD 1 | ||
Wolfgang Amadeus Mozart | ||
1 | Vedrai, carino, se sei buonino (2. Akt, Arie der Zerlina - aus: Don Giovanni KV 527) | 00:03:17 |
2 | Giunse alfin il momento – Deh vieni non tardar (4. Akt, Rezitativ und Arie der Susanna - aus: Le nozze di Figaro KV 492) | 00:04:36 |
3 | Quando avran fine omai ... Padre, germani, addio! (1. Akt, Ilia - aus: Idomeneo) | 00:07:14 |
4 | Solitudini amiche… Zeffiretti lunsinghieri (3. Akt: Ilia - aus: Idomeneo, Ré di Creta) | 00:04:40 |
5 | Ruhe sanft, mein holdes Leben (aus: Zaide KV 344) | 00:06:20 |
Peter Tschaikowsky | ||
6 | Romanze c-Moll op. 47 Nr. 7 | 00:05:21 |
Antonín Dvořák | ||
7 | Lied an den Mond aus "Rusalka" (1. Akt: Rusalka - aus: Rusalka op. 114) | 00:06:05 |
Peter Tschaikowsky | ||
8 | Otchevó éto prézhde ne znála (Jolanthe - aus: Jolanthe) | 00:02:40 |
9 | Iolanta | 00:02:53 |
Eugen Doga | ||
10 | Te stiam numai din nume | 00:04:57 |
11 | Ochiul tau iubit | 00:04:35 |
12 | Valsul | 00:03:18 |
Interpreten der Einspielung
- Valentina Nafornita (Sopran)
- Münchner Rundfunkorchester (Orchester)
- Keri-Lynn Wilson (Dirigent)