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CD-Besprechung

Leo Fall

Die Rose von Stambul

cpo 555 036-2

2 CD • 1h 50min • 2014

28.09.2020

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 8
Klangqualität:
Klangqualität: 8
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 8

Im Kriegsjahr 1916 im Theater an der Wien uraufgeführt, war Leo Falls Die Rose von Stambul auf ein Libretto von Julius Brammer & Alfred Grünwald mit 422 Ensuite-Vorstellungen die erfolgreichste Operette in der Geschichte des Hauses. Der Erfolg setzte sich an anderen Bühnen unmittelbar fort, am nachdrücklichsten in Berlin, wo Fritzi Massary, die Primadonna assoluta der leichten Muse, die Titelrolle übernahm. Heute sind nur noch einige Nummern aus dem Stück populär, vor allem die Auftrittsarie des Tenors O Rose von Stambul und das Duett Ein Walzer muß es sein – zwei veritable Ohrwürmer.

Die Handlung spielt in der Türkei (die im 1. Weltkrieg auf der Seite von Deutschland und Österreich stand). Kondja Gül, Tochter des Kamek Pascha, soll den Diplomaten Achmed Bey heiraten, den sie nicht kennt, verliebt sich aber in den Schriftsteller André Lery, den sie ebenso wenig kennt, dessen fortschrittliche Auffassungen von der Rolle der Frau sie aber teilt. Die Pointe des Stücks besteht darin, dass es sich bei den beiden Männern um ein und dieselbe Person handelt, und Achmed braucht zweieinhalb Akte, um seiner Braut das begreiflich zu machen. Die abendländischen Sitten waren damals offenbar nicht viel besser. Denn auch Fridolin Müller, Reederssohn aus Hamburg, soll zwangsverheiratet werden, dabei hat er sich in Kondjas Freundin Midili verliebt, die er in Frauenkleidern aus dem Harem entführt und in der Schweiz heimlich ehelicht.

Walzer-Invasion in der Türkei

Um einen Clash der Kulturen geht es in dieser Operette nicht wirklich. Auch wenn die Haremsdamen im Eingangschor verkünden: Von Reformen, ganz enormen, träumen wir am Bosporus, kamen sie schon den Zuschauern der ersten Aufführungen mehr oder weniger wie verkleidete Europäerinnen vor. Und auch die Musik von Leo Fall schlägt aus den kulturellen Kontrasten nur wenig Kapital. Die Exotismen sind lediglich ein Schönheitspflästerchen, das ein wenig orientalisches Kolorit in die Handlung bringt, bevor auf türkischem Boden die breitseitige Invasion der Wiener Operette beginnt. Die türkischen Damen, eben noch auf der Flucht vor dem orientalischen Schleier, begeben sich nur zu gern in die nächste Abhängigkeit, nämlich unter die Herrschaft des Walzers, der im dramatischen 2. Finale einen erotisch überwältigenden Charakter annimmt. Das ist zuviel für Kondja. In der Hochzeitsnacht schließt sie den Angetrauten im Schlafzimmer ein und flieht in die Schweiz, wo sie sich mit Léry treffen will.

Anspruchsvolle Besetzung

Der sechs Jahre alte Mitschnitt einer konzertanten Aufführung aus dem Münchner Prinzregententheater füllt eine diskographische Lücke, denn von dieser Operette existierten bislang nur Querschnitte aus den 50er und 60er Jahren, mit den allerdings fabelhaften Protagonisten Rudolf Schock und Fritz Wunderlich. Ulf Schirmer und das Münchner Rundfunkorchester nehmen Leo Falls Partitur sehr ernst, ohne den mitreißenden Walzerschwung schuldig zu bleiben. Gelegentlich trumpfen Musiker und Sänger opernhaft auf, was nicht notwendig gewesen wäre, aber insgesamt doch funktioniert, da alle Rollen anspruchsvoll besetzt sind. Matthias Klink strahlt mit tenoraler Strahlkraft männliches Selbstbewusstsein aus, besitzt zwar nicht den Schmelz der genannten Vorgänger, dafür einigen gestalterischen Witz. Der ist auch Kristiane Kaiser nicht abzusprechen, die mit den stimmlichen Mitteln einer erfahrenen Verdi-Heroine das musikalische Idiom gleichwohl trifft. Das Buffo-Paar, das im 3. Akt in den Vordergrund tritt, ist hier weit mehr als ein solches. Andreas Winkler reizt den Part des Fridolin nicht nur komödiantisch aus, sondern zeigt auch lyrische Tenorqualitäten und die unsoubrettenhafte Magdalena Hinterdobler (die unterdessen lyrische Partien wie Agathe und Micaela singt) bezaubert mit erfrischendem Charme. Die versierte Dialogregie von Rolf Eger hält sich weitgehend von Übertreibungen fern. Gewohnt informativ ist der Booklettext von Stefan Frey.

Ekkehard Pluta [28.09.2020]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Leo Fall
1Die Rose von Stambul (Operette in drei Akten) 01:49:52

Interpreten der Einspielung

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