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CD-Besprechung

Johann Philipp Krieger

XII Trio Sonatas op. 2

cpo 555 333-2

2 CD • 1h 32min • 2014

18.01.2021

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 10
Klangqualität:
Klangqualität: 10
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 10

Klassik Heute
Empfehlung

Neunzig Minuten barocke Triosonaten: Das klingt erst einmal nach Arbeit. Bei diesem Album des Ensembles Echo du Danube ist das genaue Gegenteil der Fall. Wollte man mit historischem Bewusstsein an die Sache herangehen, müsste man die zwölf Sonaten für Violine, Viola da Gamba und Basso Continuo von Johann Philipp Krieger op. 2 wohl in kleinen Portionen genießen, am besten vermischt mit weiteren Werken aus der Zeit kurz vor der Jahrhundertwende 1700, durchaus auch von anderen Komponisten. Dass im 17. und 18. Jahrhundert Sonaten, Konzerte und andere Werke oft gleich dutzendweise publiziert wurden, hatte drucktechnische und verlegerische Gründe, deutet also mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit kaum darauf hin, dass der Komponist so etwas wie eine vollständige Aufführung im Sinn gehabt hat.

Attraktiv und Abwechslungsreich

Und doch wird so mancher Rezipient vielleicht die Erfahrung machen, die der Rezensent beim Hören gemacht hat, nämlich, dass man diese Musik kaum abschalten kann und, bevor man sich´s versieht, sie als vollständigen Zyklus genossen hat. Das liegt an den Werken selbst, die 1693 in Nürnberg gedruckt wurden, aber zu einem Gutteil auch an der Interpretation durch das etwas mehr als dreihundert Jahre später gegründete Ensemble.

Zunächst einmal breiten die zwölf Sonaten, die meisten unter zehn Minuten lang, eine äußerst kurzweilige Vielfalt der Stile aus. Johann Philipp Krieger (1649 -1725), der als eine Art Wunderkind begann, studierte in Venedig, unter anderem bei Johann Rosenmüller und Bernardo Pasquini, und nahm dort sowohl instrumentale als auch vokale Anregungen auf: So findet sich der sprudelnde Violinstil der Italiener bei ihm ebenso wie die Affektenwelt der Oper. Mit der französischen Musik war er auch vertraut, wie der Einbezug einer Gigue in der 10. Sonate beweist.

Polyphone Durchdringung

Gleichzeitig, und das macht diese Werke so attraktiv und besonders, hält Krieger am Kontrapunkt fest. Gerade bei langsameren Sätzen scheinen die Motive vokal gedacht zu sein, ein Eindruck, den die sechs Musiker von „Echo du Danube“ unter der Leitung des Gambisten Christian Zincke noch dadurch verstärken, dass sie so ausdrucksvoll artikulieren, bisweilen sogar unaufdringlich deklamieren, dass man fast gesungene Sprache zu vernehmen scheint. Die polyphone Durchdringung hält die Musik nicht nur durchgängig abwechslungsreich, sondern verdichtet auch das Stimmengewebe der Sätze: Da gibt es keine einzige unbedachte Floskel, keinen virtuosen Leerlauf, wie er dann bei einigen Komponisten der nächsten Generation häufig vorkommt; auch bei schnellen Sätzen findet geläufiges Figurenwerk meist über thematischem Material statt oder ist selbst echoartig imitativ konzipiert wie zu Beginn der fünften oder der neunten Sonate (eine Bemerkung am Rande: Wie immer bei cpo ist das Beibüchlein informativ, allein die Betitelung ist ein wenig spärlich: Es hätte dem Hörer eine gewisse Übersicht gebracht, wenn bei den einzelnen Sonaten die Tempo-Vorzeichnungen angegeben worden wären, zumindest aber die Tonarten).

Verdiente Wiederentdeckung

Schließlich treffen die sechs Musiker den überaus angenehmen, sensiblen, innigen Gestus der Musik auf geradezu beglückende Weise. Eine besondere Rolle spielt hier der mit Orgel oder Cembalo, Theorbe, Harfe und Psalterium reich besetzte Basso Continuo, wenn etwa in der 2. Sonate ein langsamer Teil nur mit der zarten Harfe eingeleitet wird oder die empfindsamen Passagen der 6. Sonate mit dem wunderbaren Psalterium und den leise intensiv spielenden Gamben geradezu geheimnisvoll eingefärbt werden. Sogar zum Zyklus runden sich diese zwölf erstklassigen Stücke: In der letzten der Sonaten gibt es eine Art harmonisch kühner Apotheose. Johann Philipp Krieger gehört definitiv zu den Komponisten, die eine Wiederentdeckung verdient haben, besonders, wenn diese Werke vom Ensemble Echo du Danube gespielt werden.

Dr. Michael B. Weiß [18.01.2021]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Johann Philipp Krieger
1Triosonate op. 2 Nr. 1 für Violine, Viola da gamba und B.c. 00:08:50
2Triosonate op. 2 Nr. 2 für Violine, Viola da gamba und B.c. 00:11:02
3Triosonate op. 2 Nr. 3 für Violine, Viola da gamba und B.c. 00:07:13
4Triosonate op. 2 Nr. 4 für Violine, Viola da gamba und B.c. 00:09:10
5Triosonate op. 2 Nr. 5 für Violine, Viola da gamba und B.c. 00:06:28
6Triosonate op. 2 Nr. 6 für Violine, Viola da gamba und B.c. 00:08:04
CD/SACD 2
1Triosonate op. 2 Nr. 7 für Violine, Viola da gamba und B.c. 00:07:47
2Triosonate op. 2 Nr. 8 für Violine, Viola da gamba und B.c. 00:06:06
3Triosonate op. 2 Nr. 9 für Violine, Viola da gamba und B.c. 00:06:24
4Triosonate op. 2 Nr. 10 für Violine, Viola da gamba und B.c. 00:05:51
5Triosonate op. 2 Nr. 11 für Violine, Viola da gamba und B.c. 00:07:56
6Triosonate op. 2 Nr. 12 für Violine, Viola da gamba und B.c. 00:06:42

Interpreten der Einspielung

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