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CD-Besprechung

Timezones

Satie • Scheidt

deutsche harmonia mundi 19439807952

1 CD • 71min • 2020

20.01.2021

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 8
Klangqualität:
Klangqualität: 9
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 8

Auf eine fesselnde Zeitreise entführen Wolfgang Katschner und seine Lautten Compagney ihre Zuhörerschaft: Ausgehend von Samuel Scheidt, einem musikalischen Exponenten deutscher Barockmusik, nehmen sie den heutigen Musikfreund mit auf eine musikalische Zeitreise durch 400 Jahre bis an die Zeitenwende vom 19. zum 20. Jahrhundert, wobei sie mit Erik Satie (1866-1925) einen überaus exzentrischen Musiker seiner Zeit für dieses Doppelporträt über die Jahrhunderte ausgewählt haben.

Die drei großen „SCHs“ der deutschen Barockmusik

Samuel Scheidts Zeitgenosse Heinrich Schütz (1585-1672) gilt als größter deutscher Komponist vor J. S. Bach; er bildet zusammen mit von Samuel Scheidt (1587-1654) und dem Thomaskantor Johann Hermann Schein (1586-1630) die Trias der drei großen „SCHs“ der deutschen Barockmusik. Von Schütz und Schein sind in erster Linie ihre geistliche Vokalmusik erhalten geblieben. Im Unterschied dazu hat Samuel Scheidts Œuvre in größerer Breite seine Entstehungszeit überlebt: Neben vielen vokalen Werken der geistlichen Musik ist auch ein erklecklicher Teil instrumentaler Werke auf uns gekommen. Diese beeindruckende Vielfalt ist auf der vorliegenden Einspielung Teil der Gegenüberstellung von Scheidt und Satie als verwandte Geister.

Zwei Individualisten

Scheidt wirkte zeitlebens in seiner Heimatstadt Halle, war allerdings ab 1630 während des letzten 24 Jahre seines Lebens als „bloßer privatus“ – so nannte es er selbst – tätig, nachdem er seine Stellung als Musikdirektor von Halle 1630 infolge innerstädtischer Konflikte verloren hatte. Zeit seines Lebens legte er größten Wert auf saubere kontrapunktische Arbeit und hielt seine Berühmtheit außerhalb der Heimatstadt durch mehrere Drucklegungen seiner Werke aufrecht.

Erik Satie pflegte seine Kauzigkeit in seinen bis heute ungewöhnlichen und höchst eigenständigen Kompositionen wie auch in seinem unkonventionellen Lebensstil. Er ist eine höchst individuelle Erscheinung an der Schwelle von der spätromantischen zur von stärker gezügelter Emotionalität bestimmten Musik des 20. Jahrhunderts.

Erwin Schulhoff – ein tragischer Verlust

Neben Scheidt und Satie kommt einem weiteren Komponisten dieser Einspielung noch besondere Bedeutung zu: Erwin Schulhoff (1894-1942). Seine Fuge aus Stück Bassnachtigall wäre zwar besser auf dem Instrument erklungen, für das es geschrieben wurde – dem Kontrafagott: Die Wiedergabe auf normalem Fagott klingt wie eine unverdiente Reduktion der bemerkenswerten Schöpfung Schulhoffs, dieses in eine bittere Vergessenheit geratenen jüdisch-böhmisch-deutschen Komponisten, der mit nicht einmal 50 Jahren im Konzentrationslager auf der Wülzburg nahe dem bayerischen Weißenburg an Tuberkulose starb. Schulhoff hätte ohne jeden Zweifel in der Musik des 20. Jahrhundert noch eine bedeutsame Rolle gespielt, wäre er am Leben geblieben.

Gelungene musikalische Gegenüberstellung

Wolfgang Katschner und seine Lautten Compagney haben bereits mit verschiedenen Programmen, die einen Spagat über Stile und Zeiten spannten, Erfahrungen gesammelt; so wird auch „Time Zones‟ zu einer ebenso anschaulichen wie unterhaltsamen Zeitreise. Die höchst farbigen Instrumentationen von Erik Saties Klavierwerken durch den Schweizer Cellisten und Komponisten Bo Wiget tun ein Übriges, diese CD zu einem spannenden musikalischen Abenteuer zu machen.

Detmar Huchting [20.01.2021]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Samuel Scheidt
1Canzon SSWV 64 (ad imitationem Bergamasca. Ludi musici I) 00:04:31
Erik Satie
2Airs à faire fuir Nr. 1 (D'une manière très particulière - aus: Pièces froides I) 00:04:10
3Airs à faire fuir Nr. 2 (Modestement - aus: Pièces froides I) 00:01:54
Samuel Scheidt
4Herr, wie lang wiltu mein sogar vergessen SSWV 1 (aus: Cantiones sacrae) 00:02:37
Erik Satie
5Airs à fair fuir Nr. 3 (S'inviter - aus: Pièces froides I) 00:03:46
Samuel Scheidt
6Courant Nr. 23 SSWV 61 (aus: Ludi musici I) 00:00:50
7Galliard Nr. 24 SSWV 62 (aus: Ludi musici I) 00:01:04
8Courant Dolorosa SSWV 47 (aus: Ludi musici I) 00:03:10
9Courant Nr. 11 SSWV 49 (aus: Ludi musici I) 00:01:15
Erik Satie
10Gymnopédie Nr. 3 00:02:43
Samuel Scheidt
11Courant Nr. 17 SSWV 55 (a 4 voci - aus: Ludi musici I) 00:01:24
Erik Satie
12Idylle, à Debussy (Trois avant-dernières pensées Nr. 1) 00:01:14
13Aubade, à Paul Dukas (Trois avant-dernières pensées Nr. 2) 00:02:03
14Méditation, à Albert Roussel (Trois avant-dernières penséss Nr. 3) 00:01:00
Samuel Scheidt
15Die IX. Symphonie aus dem C SSWV 379 (aus: Siebzig Symphonien) 00:01:40
16Miserere mei Deus SSWV 223 (à 6 - aus: Geistliche Konzerte II) 00:03:57
Erik Satie
17Sur un vaisseau (Descriptions automatiques Nr. 1) 00:01:35
18Sur une lanterne Lent (Descriptions automatiques Nr. 2) 00:02:11
19Sur un casque (Descriptions automatiques Nr. 3) 00:00:50
Samuel Scheidt
20Intrada Nr. 22 SSWV 60 (aus: Ludi musici I) 00:02:26
Erik Satie
21Sarabande Nr. 3 00:04:51
22Gnossienne Nr. 4 00:03:31
Samuel Scheidt
23Die IX. Symphonie aus dem A SSWV 439 (aus: Siebzig Symphonien) 00:01:41
Paul Dessau
24Suite Nr. 2 für Altsaxophon und Klavier 00:02:09
Erwin Schulhoff
25Bassnachtigall op. 38 (3 Vorstragsstücke für Kontrafagott solo: Fuga) 00:01:25
Erik Satie
26Les Oiseaux (Trois mélodies sans paroles Nr. 2) 00:01:14
Samuel Scheidt
27Die VII. Symphonie aus dem G-moll SSWV 417 (aus: Siebzig Symphonien) 00:01:31
28Die VI. Symphonie aus dem G-moll SSWV 416 (aus: Siebzig Symphonien) 00:01:39
Erik Satie
29Sonatine bureaucratique 00:03:47
Samuel Scheidt
32Laudate Dominum in sanctis SSWV 72 (Concertus II) 00:04:07

Interpreten der Einspielung

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